- Informierte Entscheidung bedeutet: Der/die Arzt/Ärztin stellt umfassende Informationen zur Verfügung, die Patientin entscheidet. Es bedeutet nicht: Der/die Arzt/Ärztin entscheidet, weil er/sie es ja sowieso besser weiß. Es wird immer wieder mit zeitkritischen Notsituationen argumentiert - diese sind aber die krasse Ausnahme. In der Regel kann vor jedem Dammschnitt erklärt werden, es können Alternativen aufgezeigt werden und es kann der Wille der Frau beachtet werden. Nein heißt nein. Und das schließt selbstverständlich alle Frauen und alle Wünsche mit ein:
Nein, ich möchte nicht in einer Klinik, ich möchte zu Hause gebären.
Nein, ich habe so große Ängste, ich traue mir auch nach guter Aufklärung eine vaginale Geburt nicht zu, ich möchte einen Wunschkaiserschnitt.
Der weit überwiegende Teil der Frauen wünscht sich eine natürliche Geburt ohne Eingriffe, nur 6% erhält sie in Deutschland. Hier ist das entscheidende Stichwort Interventionskaskade: Die erste Intervention in den natürlichen Geburtsablauf zieht eine Reihe weiterer Eingriffe nach sich, an deren Ende Episiotomie, vaginal-operative Entbindung oder Sectio stehen.
Meiner Meinung nach gibt es eine direkte Verbindung zum DRG System: Eine vaginale Geburt wird immer gleich vergütet, egal ob sie eine oder 30 Stunden dauert. Die betreuende Hebamme wird nicht pro Stunde vergütet (im DRG System), wird aber natürlich entsprechend bezahlt. Und der OP, den die Klinik für Notfälle vorhalten muss inkl. des gesamten Personals dafür, diese Vorhaltekosten werden im DRG System auch nicht berücksichtigt. Auch hier gibt es die gleichen falschen Anreize für möglichst viele Eingriffe, die dann ja Geld bringen. Eine normale lange Geburt, bei der mit guten Worten, mit einem Kirschkernkissen, einer Massage, mit Positionswechseln gearbeitet wird (ohne Oxytropf, ohne Dammschnitt, ohne Sectio) – die Art von Geburt, die sich 90% der Frauen wünschen – die bringt am wenigsten Geld.
Wenn ihr darüber berichtet, dann ladet doch bitte nicht nur Hebammen und Ärzt*innen ein - sondern hört die Eltern an. Mother Hood e.V. (ich bin selbst dort Mitglied) ist ein Verein von Eltern, die sich für die Rechte von Eltern einsetzen und das sehr erfolgreich, so waren sie z.B. an der Erarbeitung der S3-Leitlinie beteiligt.
Und ich möchte noch folgendes anmerken: Wir alle, auch ich, sind dankbar für die moderne Medizin, die durchaus Leben rettet. Trotzdem dürfen und müssen wir uns gegen unnötige Eingriffe wehren und diesen Missstand klar benennen.
Vielen Dank für euren tollen Podcast!