Ich weiß schon, was Du meinst, auch wenn ich dennoch bezweifle, dass das bei den meisten Grundnahrungsmitteln wirklich so geht. Und gerade bei Deinem ersten Punkt bezweifle ich eben ganz stark, dass Menschen - gerade im Niedriglohnsektor - mal eben kündigen und dann auch einen neuen Arbeitgeber finden. Bei beiden Punkten hängt es ja zusätzlich zu den finanziellen Rahmenbedingungen ja auch davon ab, wo Du lebst: Ich habe in fußläufiger Entfernung drei konventionelle Supermärkte, einen Bio-Supermarkt und zweimal in der Woche einen Wochenmarkt, weil ich mitten in der Stadt lebe. Würde ich noch da leben, wo ich aufgewachsen bin, wäre der einzige, einfach erreichbare Supermarkt drei Kilometer entfernt, und der hat dann nicht viel Auswahl.
Aber darum ging’s mir meiner Ansicht nach auch gar nicht. Was ich ja meinte, ist, dass selbst diese Entscheidungen unser Problem nicht lösen werden: Ich behaupte mal, dass selbst wenn alle Menschen in Deutschland (und auf der Welt) sich plötzlich entscheiden würden, nur noch klimaneutrale Produkte zu kaufen und bei entsprechenden Arbeitgebern zu arbeiten - es ja gar nicht genug davon gibt! Und da können einzelne nichts für, sondern das ist eben ein systemisches Problem. Wir brauchen doch beides, Bewusstsein bei den einzelnen Menschen, aber noch viel mehr eine Gesetzeslage, die dazu führt, dass es im Grunde entweder schwierig oder zumindest sehr viel teurer macht, sich klimaschädlich zu verhalten.
Die CO2-Steuer ist doch ein gutes Beispiel dafür (auch wenn ich der Meinung bin, dass die auch nicht der Weisheit letzter Schluss ist): Die erzeugt mindestens einen finanziellen Steuerungsdruck, und zwar nicht nur beim Endverbraucher, sondern auf allen Ebenen, dahin, eher klimaneutrale Prozesse und Produkte zu entwickeln. Wenn das ordentlich umgesetzt wird, dann verhalten sich Endverbraucher*innen klimafreundlich, ohne drüber nachdenken zu müssen.
Ich finde es löblich, dass Du darauf achtest, wie und was Du einkaufst, und das versuche ich auch. Aber ich verzweifle immer wieder daran, dass das bei so vielen Dingen einfach nicht möglich oder zumindest nicht erkennbar ist. Das muss (auch!) systemisch angegangen werden.