Zumindest bei Filmen ist das meiner Einschätzung nach ausreichend erforscht, um sagen zu können, dass sie Missbrauch eher nicht befeuern. Franke und Graf [1] bieten da einen guten Überblick über den Forschungsstand.
Ich selbst halte den Einfluss von Puppen und Filmen für sehr gering, da sehe ich eher die Einstellungen/Überzeugungen und Persönlichkeit als ausschlaggebende Faktoren (vgl. auch [2]). Das dürfte vergleichbar sein mit Computerspielen, die Gewalt zeigen, oder Paintball – da stand ja auch mal die Frage im Raum, ob diese zu Gewalttaten anregen und verboten werden sollen.
Es gibt ja auch nicht „den Missbrauchstäter“, das sind zum großteil nicht-pädophile Ersatzhandlungstäter, und auch unter den pädophilen Tätern gibt es Unterschiede: einige haben vllt. falsche Überzeugungen (dass es nicht schlimm sei), psychische Probleme (z.B. Impulskontrollstörung) oder haben sonstige Merkmale von Sexualstraftätern (sprich: die Pädophilie hat in dem Fall nur festgelegt „wer“ und nicht „ob“ jemand Missbraucht wird). Aber es fällt mir auch schwer, mich so richtig in diese Menschen hineinzuversetzen, da ich bei mir nie ein Risiko gesehen habe, übergriffig zu werden.
Es ist auch erschütternd, dass Frau Lambrecht sagt „In dieser Gemengelage habe ich mich dafür entschieden, dass der Schutz von Kindern ganz klar vorgeht. Daher wird der Besitz von Kindersexpuppen unter Strafe gestellt.“, wenn sie im selben Absatz noch erwähnt, dass „es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber gebe, dass der Gebrauch solcher Puppen Schlimmeres verhindere.“ Das erweckt bei mir das Gefühl, dass es ihr da mehr um ein populistisches „im Zweifel gegen Pädophile“ als „im Zweifel für die Kinder“ geht.
Ich befürchte, da wird nicht viel passieren. An das Thema traut sich kaum ein Wissenschaftler heran und seitens der Regierung besteht auch kein ernsthaftes Interesse sowas mal zu hinterfragen. Lediglich im NRW-Landtag wollten die Grünen das erstmal erforschen, haben dann aber trotzdem für das Verbot gestimmt, weil sie alleine die Entscheidung nicht aufschieben konnten (da hätten sie sich dann wenigstens enthaltene können finde ich).
[1] Franke und Graf, Kinderpornografie: Übersicht und aktuelle Entwicklungen, 2016
[2] Sexualwissenschaftler Dr. Christoph J. Ahlers im interview: „Es ist eine Fehlvorstellung, zu glauben, wer eine solche Puppe hat, der wird pädophil oder begeht Kindesmissbrauch. Die Frage, ob jemand zum Täter wird, entscheidet seine Persönlichkeit, nicht seine Sexualpräferenz und eine genutzte Stimulation. Nur wenn der Mensch für sich selbst keine Übergriffe begehen will, kann man ihm mit einer Therapie helfen, das nicht zu tun.“
Gerne. Pseudonym übers Internet fällt es auch leichter. Zu einer Offenbarung gegenüber Freunden und Familie konnte ich mich allerdings noch nicht überwinden. Und danke für die Auszüge aus der ZEIT.
Ich selbst wurde nicht missbraucht. Aber ich denke es ist normal, dass man ein wenig Zeit braucht, um zur richtigen Überzeugung zu gelangen. Man malt sich ja das beste Szenario aus, aber wenn man das weiter denkt, sollte man als venünftiger Mensch zum Schluss kommen, dass man selbst im besten Fall einem Kind damit schaden würde. Ich denke das ist auch der Punkt, der bei der Prävention am meisten bringt.
Meine einzige Kritik an den Strafen wäre, dass die Mindeststrafe für den Besitz von Missbrauchsabbildungen mitlerweile zu hoch ist. Ich denke da würde es mehr bringen Ersttäter kräftig zu ermahnen und eine Therapie anzuregen als diese direkt beim ersten Bild für ein Jahr ins Gefängnis zu stecken. Die meisten dürften das – leider – für eine Bagatelle halten, auch wenn man noch so hohe Strafen androht (die wenigsten lesen das eh nach).