Ich sage ja nicht, dass ich persönlich das befürworten würde. Ich bin der Meinung, dass wir durchaus die Renten stabil halten und in Zukunft investieren können. Das Statement war ja an jene gerichtet, die unter Verweis auf „Generationengerechtigkeit“ Zukunftsinvestitionen ablehnen, aber gleichzeitig die Rente steigen lassen.
Ich soll also hier einfach mal so eine uralte phylosophische Frage auflösen: Was ist objektiv gerecht?
Man muss es nicht übermäßig kompliziert und/oder philosophisch angehen. Es ist offensichtlich ungerecht, wenn wir den kommenden Generationen eine Erde hinterlassen, die sich um 1,5°+ erwärmt hat und auf der ein wesentlicher Teil der Lebewesen und Ökosysteme zerstört wurden. Es ist offensichtlich ungerecht, wenn wir die Renten erhöhen, dass Bildungssystem aber immer schlechtere Ergebnisse für die darin befindlichen Kinder bringt. Es ist offensichtlich ungerecht, wenn die deutsche Gesellschaft kollektiv jedes Jahr reicher wird, wir die öffentliche Infrastruktur aber zunehmend degradieren lassen.
Ohne deiner Schwiegermutter zu nahe treten zu wollen ist das eine ziemlich absurde Argumentation, der sich mit einer sachlichen Debatte (egal wie überzeugend) wohl kaum beikommen lassen wird. „Ich höre erst auf mich falsch zu verhalten, wenn auch die anderen aufhören“ hat schon was vom Kindergarten. Wenn wir auf dem Niveau ansetzen, dann kommen wir glaube ich nie weiter.
Aber vielleicht ein konstruktiver Vorschlag: Deine Mutter darf weiter in den Urlaub fliegen, wenn sie (wie in der Lage schon diskutiert) dafür die nötigen Verschmutzungsrechte aufkauft. Damit kommt man ihrem Gerechtigkeitsempfinden vielleicht entgegen: sie muss mehr Geld für den Urlaub ausgeben (Klimaschutz ist nicht umsonst, nur billiger als Klimawandel), dafür kosten Verschmutzungsrechte anschließend auch für die Industrie mehr.
Gerechtigkeit definiert sich ja auch im Bezug auf andere Menschen. Etwas kann also nicht gerecht sein, was nur für eine der Parteien gerecht ist.
Erstmal ist ja der Grundsatz einer demokratischen Gesellschaft, dass niemand „ohne Beschränkungen“ seine Vorstellungen des guten Lebens durchsetzen kann. Meine Rechte hören dort auf, wo sie die Rechte anderer Menschen unverhältnismäßig einschränken.
Und dann gehört zu Gerechtigkeit für meine Begriffe ja auch die Übernahme von Verantwortung. Wer heute in Deutschland in Rente geht gehört (im individuellen Vergleich) zu jenen Menschen, die durch ihre Lebensweise und ihr Verhalten z.B. den Klimawandel und die Investitionslücke bei der öffentlichen Infrastruktur ganz wesentlich mitverschuldet haben. Es ist doch extrem naheliegend, dass genau diese Bevölkerungsgruppe (und innerhalb dieser Gruppen natürlich primär die wirtschaftlich leistungsfähigen) auch die Konsequenzen dieser Lebensführung übernehmen muss.