Flacht die Kurve schon ab?

Ja, das beobachte ich auch in einigen Kreisen. Im einstigen Problemkreis Berchtesgadener Land zum Beispiel sind wir schon lange wieder auf dem „absteigenden Ast“.

Möglicherweise haben aber bereits VerhaltensĂ€nderungen der BĂŒrger und andere Maßnahmen in den Wochen vor dem fĂŒr November verhĂ€ngten Teil-Lockdown den steilen Anstieg gebremst.
Absolut. Das hat Christian Drosten ja auch diverse Male im FrĂŒhjahr erklĂ€rt. Das wird natĂŒrlich von entsprechenden Kreisen auch dieses Mal wieder das Argument angefĂŒhrt werden.

Realistisch gesehen kann es auch bedeuten, dass die Maßnahmen nicht den ganzen November zu rechtfertigen sind. Zumindest nicht in allen Gegenden.

Das Problem ist glaube ich, dass die Zahl der Neuinfektionen erstmal fallen muss. Die Neuinfektionen sind ja lediglich die erste Ableitung der Fallzahlen. Wenn sie Fallen, sinkt die Zahl der hinzukommenden FĂ€lle. Wenn sie jetzt auf dem aktuell hohen Level stagniert, haben wir noch nichts gewonnen. Dazu kommt, das diese Zahl solangsam „sĂ€ttigt“, weil wir kaum noch freie TestkapazitĂ€t haben. FĂŒr die nĂ€chsten Wochen wĂ€re glaube ich vorerst die positiv Rate bei den Tests eine bessere geeignete Kennzahl.

Was in der aktuellen Diskussion komplett fehlt ist die Tatsache, dass Deutschland gerade sein Testregime und damit Strategie massiv geÀndert hat. Es sollen nach neuer Empfehlung nicht mehr alle getestet werden, bei denen Symptome auftreten. Damit verabschieden wir uns auch vom konsequenten Tracing, da bei Menschen die nicht getestet werden auch nicht nach potetiellen Kontakten gefandet wird.

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Die Zeit schreibt heute: " Zahl der Neuinfektionen steigt im Vergleich zur Vorwoche kaum
Die GesundheitsÀmter melden etwa 16.000 neue Covid-19-FÀlle. Im Vergleich zum Montag der vergangenen Woche ist das Wachstum beinahe gestoppt."
In der letzte Ausgabe der Lage ist aber erklÀrt worden, dass es eine neue Teststrategie gibt, und womöglich viele Infizierte Menschen nicht mehr getestet werden. Ist es dann noch relevant, die Zahlen zu vergleichen und Hoffnung zu verbreiten?

Das halte ich angesichts des Niveaus der Infektionszahlen, der Auslastung in KrankenhĂ€usern und Labors sowie des Fehlens eines Ansatzes, die Zahlen dann niedrig zu halten, fĂŒr vollkommen unrealistisch. M. E. werden wir die gesamte kalte Jahreszeit mit relativ starken EinschrĂ€nkungen leben mĂŒssen.

Insofern die Labore letzte Woche schon am Limit waren und jetzt auch nicht weniger testen, sondern nur gezielter, wĂŒrde ich das vorsichtig vergleichen. Interessant wĂ€re natĂŒrlich auch, wie die Positivrate sich entwickelt. Diese mĂŒsste durch die neue Strategie ein StĂŒck höher liegen, bei einer Stabilisierung der Pandemie aber auf dem neuen Niveau stabil bleiben - und dann idealerweise sinken.

Die Teststrategie hat sich auch geÀndert: Es werden nur noch symptomatische getestet.

Es gibt diesbezĂŒglich einen lesenwerten Artikel auf Tagesschau.de. Es sieht so aus, als wĂ€re die vermeintliche Entspannung gar nicht eingetreten. Die Anzahl Tests geht runter, die Positivrate rauf. Stimmen Zahlen (habe ich jetzt nicht explizit gecheckt), hat der Lockdown Light leider sehr deutlich das gesteckte Ziel verfehlt.

Das ist ja genau das, was ich oben gesagt habe:

Von daher hast Du wohl recht. Es war wieder „too little, too late”. Selbst im katholischen Irland sind Gottesdienste aktuell verboten. Wir haben sie heute gerade noch unter besonderen Schutz gestellt, wie auch Demonstrationen, (nicht jedoch die Schulen oder Kitas) und weitere Entscheidungen aus StimmungsgrĂŒnden vertagt. Interessante PrioritĂ€ten


Wirksamere Maßnahmen hat Sandra Ciesek hier diskutiert: https://overcast.fm/+YC68gJeTwBBC

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Dazu auch:

Ich wĂŒrde vorschlagen sich auf die Kurven fĂŒr die Hospitalisierungen und TodesfĂ€lle zu konzentrieren, da gibt es anders als bei den Neuinfektionen keine Dunkelziffer.

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