Finanzierungsmodelle für ein bedingungsloses Grundeinkommen

Rechtlich und Verwaltungstechnisch ist garnicht die Frage.
Es macht einfach einen riesen Unterschied, ob eine Leistung gewährt wird, weil man gerade keine Arbeit hat, keine Erwerbstätigkeit ausüben kann oder ob ein hoher Betrag als Einkommen ohne Erwerbstätigkeit gezahlt wird. Und auch hier macht es einen Unterschied wie das ausgezahlt wird. Es gab vor kurzem eine Studie darüber, wenn eine Entlastung zum Inflationsausgleich gewährt wird, wie diese umgesetzt werden sollte damit die Leute sie auch als eine solche wahrnehmen. Das ging es garnicht mal um die Höhe der Leistung, sondern einfach darum, ob die Leute diese ausgezahlt bekommen sollen oder als Steuerersparnis erhalten. Zudem spielt die Benennung noch eine große Rolle. Das Fazit: Steuerliche Entlastungen nehmen die meisten nicht als Entlastung oder Förderung war weil sie nicht direkt greifbar ist. Somit spielt das Wie eine sehr große Rolle. Und nochmal es ist nicht nur ein anderer Name, denn es bekommt gerade nicht einfach jeder Hartz4 und schon garnicht ohne vorher alles verkauft zu haben was er besitzt. Grob gesprochen.

Zur Finanzierung. Ein in meinen Augen sinnvolles BGE würde jährlich ca. 1Bio Euro kosten. Der Bundeshaushalt liegt bei ca. 350Mio und der der Länder ebenso. Also das hier genug Geld verfügbar wäre würde ich dadurch nicht unterschreiben.

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Wie kommst du auf eine 1 Bio Euro kosten?

12 * 1.000 * 82.000.000 = 984.000.000.000
In Worten: 984 Milliarden, also grob eine Billion.

Mich wundert es auch jedes Mal, wenn es heißt man bekäme ein BGE quasi zum „Nulltarif“, weil ja andere Subventionen wegfallen.

Bei einem BIP rund 4.200 Milliarden wird das schon schwierig. Da gebe ich dir Recht.

Wie wäre es in der Rechnung mal Leistungen wie Sozialhilfe abzuziehen? Denn die entällt bzw wird durch BGE ersetzt. Die Menschen,die heute die Einhaltung und Durchsetzung der Hartz4 Regeln kontrollieren, können dann auch sinnvoll woanders eingesetzt werden.

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Wie @Schorschie das schon gerechnet hat. Ich rechne immer mit 1500.- pro Monat bei 65 Mio menschen da zwischen 10 und 15 Mio Menschen unter dem Alter für weiterführende Schulen oder Ausbildung sind.

Alles andere wäre kein BGE das seinen Namen verdient, das wären das wie du sagst nur eine andere Art von Transferleistungen.

Nulltarif nicht, aber die Finanzierungsmodelle füllen inzwischen auch ganze Bücher und doch kommen sie immer wieder zu dem Schluss, dass möglich ist.

Mrd :wink: (496)
Der Gesamthaushalt von Gemeinden, Ländern und Bund belief sich übrigens 2021 auf 1,16Bio

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Folgende Vorschläge zur Teil-Finanzierung hätte ich anzubieten, möchte aber darauf hinweisen, dass alles zusammen nicht ausreicht, um das BGE in reinen Zahlen zu finanzieren.:

  1. Finanztransaktionssteuer: Für jede einzelne Finanztransaktion (sprich: jede Zahlung) wird eine Steuer von 0.5% erhoben. Ja, das ist höher als vergleichbare Modelle, in Anbetracht des BGE gleicht sich das aber ziemlich sicher wieder aus. Der grosse Vorteil: es trifft insbesondere „Gutverdiener“. Fiskalische Wirkungen, Wikipedia

  2. Ausgestaltung einer sinnvollen Vermögenssteuer

  3. Stopfen von Steuerschlupflöchern für Unternehmen und/oder „Superreiche“.

  4. Abbau sinnloser und ungesund gewachsener Beamtenstrukturen: Wir verlochen unfassbare Ressourcen zum Teil nicht nur ineffektiv und ineffizient, sondern auch teilweise unsinnig.

  5. Beteiligung von Bürgern an kommunalen Erfolgen. Damit meine ich beispielsweise „Bürgerkraftwerke“, die jedoch statt über private Investoren über Kommunen gemacht werden und durch Steuersenkungen oder andere Erleichterungen an die Bürger zurückgegeben werden. Es gibt hierzu bereits diverse sehr gut funktionierende Beispiele.

  6. Reduktion der Ausgaben für schädliche Subventionen: Im Falle des BGE ist prinzipiell für alle Einwohner des Landes gesorgt. Damit könnte man schädliche und unethische Submissionen beenden und damit erneut Millionen frei machen.

(7. - kein richtiger Punkt, daher in Klammern) Die zusätzliche Zeit und Sicherheit könnte dazu führen, dass sich neue Unternehmen und neue Wirtschaftszweige entwickeln, von denen letztlich das BIP profitieren kann.

Ein letzter Punkt fällt mir noch ein, der aber eher einen generellen Systemwechsel als mit dem Erwirtschaften der 1 Bio zu tun hat, meines Erachtens aber wichtig ist:

Vielleicht braucht es ein generelles Umdenken für unsere Lebensumstände. Haushalte werden im Schnitt eher kleiner als grösser - es gibt mehr Singles und so weiter. Wieso denkt man nicht im Zuge der Lebenshaltungskosten um und versucht mal, die bestehenden Lebenshaltungskosten durch eine Liberalisierung in Wohn- und Lebensfragen zu beeinflussen? Wenn jemand lieber in einer Jurte lebt, mit eigens angebautem Holz heizt und eine Selbstversorger-Permakultur betreibt oder halt im Van durch Europa cruist und als Freelancer jobbt, muss das doch irgendwie möglich sein. So könnte - zumindest für kommende Generationen - ein anderer Lebensstandard ermöglicht werden, der halt nicht auf dem Eigenheim mit Steinvorgarten (sorry für das plakative Beispiel) basiert, sondern neue Formen des Zusammenlebens befeuert. Dann bräuchte es im Zweifel auch keine 1000.00 Euro oder mehr.

Ich weiss, das ist vielleicht eine Utopie, aber wieso denn eigentlich nicht?

Kannst du das nochmal genauer erklären? Der Zusammenhang mit dem BGE erschließt sich mir noch nicht. Oder meinst du, dass man mit anderen Lebensmodellen weniger BGE zahlen müsste?

Dazu noch eine Anmerkung: Die von dir genannten Beispiele

sind nur auf eine ganz kleine, meist finanziell sowieso erfolgreiche Bubble beschränkt. Solche Lebensmodelle funktionieren meist nicht für Dachdeckerinnen, Krankenpflegerinnen, Arzt*innen oder ähnliches.

Deswegen gerne weitere Erläuterung, falls ich etwas falsch verstanden habe @Justjaythings :wink:

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Mir wär natürlich eine bedingungslose Leistung ganz recht mit der ich mein Leben komplett frei gestalten kann, die kann dann auch gerne der Staat irgendwie finanzieren. Halte ich aber ohne Einschnitte anderswo für unrealistisch. Wo gegenfinanzieren? Im Sozialstaat?

Ich will damit sagen, dass die Lebenshaltungskosten für einen Lebensstandard gelten, den es möglicherweise nicht für jeden braucht. Gerade das Baurecht lässt viele „günstige“ Wohnmodelle nicht zu. Wenn ich irgendwo ein Tiny House für meine Familie hinstellen wollen würde, könnte ich das heute nicht ohne weiteres. Dabei würden solche Wohnmodelle im Verhältnis zu Mietkaserne oder Reihenhaus deutlich günstigere Kosten für die Bewohner bedeuten. Und ja, eben - es ist natürlich nur einer Bubble vorbehalten, die die (finanzielle) Sicherheit im Hintergrund hat. Das wäre aber ja genau mit BGE anders. Und logischerweise könnte man das BGE bei einem entsprechenden Umdenken senken, weil eben nicht alles auf das klassische Wohn- und Familienmodell ausgerichtet wäre.

Wie gesagt, Träumereien, für mich persönlich aber gut vorstellbar, dass solche Communities für viele Menschen angenehm wären.

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Ja sorry mein Fehler MRD natürlich.
Ich hatte ja geschrieben das der Haushalt vom Bund ca. 350.-MRD euro beträgt, Länder ebenso und dann kommen noch die Kommunen etc. 1,1 Bio ist richtig aber so oder so über die aktuellen Finanzierungsmodelle und Geld sowie Kredittechniken wird das nicht funktionieren, da muss schon etwas umdenken

Nur kurz und zwar etwas offtopic, aber wichtig!
Nein find ich gar nicht als Träumereien, gehört eben alles zur Transformation/Zeitenwende dazu, und wäre super wichtig, damit die Vereinsamung der Menschen abnimmt, die durch das vereinzeln/individualisieren im Rahmen des Neoliberalismus entstanden ist, und durch Covid 19 noch verstärkt wurde.
Die alten Familien Modelle, mehrere Generation unter einem Dach, das geht zu einem gewissen Teil alles ab.

In USA liegen viele Rentner vereinsamt an ihrem Pool getrennt durch Zäune und was haben die davon???

Ich kenne viele Leute, die schon in Rente sind oder kurz davor, die wissen nicht, was sie so „fast alleine“ nur für „ihren Beruf“ gelebt „Kinder aus dem Haus“ jetzt dann machen sollen.

Vielen Dank deshalb für diesen Gedanken von dir!

Mich hat Covid eines gelehrt:

Wir müssen uns wieder vertragen und netter und freundlicher zueinander sein, uns aber nicht verbiegen.
Wir dürfen eigene fundierte Meinungen und Ansichten haben und auch klare Grenzen setzen, aber wir sollten das mit Anstand, Respekt, und Weitsicht und Nachsicht und Freundlichkeit, Toleranz und Friedlichkeit machen!
Wir dürfen diskutieren, auch mal streiten, uns versöhnen - alles ok!

Nur vereinzeln und als Gesellschaft weiter spalten lassen, das dürfen wir uns nicht!

Jeder, der sich mit der Finanzierungsfrage beschäftigt, wird früher oder später auf den Begriff „Transfergrenze“ stoßen. Dieser bezeichnet die Höhe des zusätzlich zum BGE erzielten Einkommens, ab dem die zur Finanzierung des BGE auferlegte Steuerlast so hoch ist, dass durch das BGE verglichen zu heute kein finanzieller Vorteil mehr entsteht. Wessen Einkommen unterhalb der Transfergrenze liegt, der gewinnt unter Strich hinzu. Wer darüber liegt, der gehört zu den Nettozahlern.

Je niedriger die Transfergrenze liegt, desto geriner ist der Umverteilungeffekt von den hohen zu den niedrigen Einkommen durch das BGE - sprich: desto geringer ist die zusätzliche steuerliche Belastung der Einkommen oberhalb der Transfergrenze. Allerdings führt der Umstand, dass man das BGE bei Vorliegen eines durchschnittlichen Erwerbseinkommen zu einem großen Teil wieder „wegbesteuert“ dazu, dass auf den Einkommen ein relativ hoher Eingangssteuersatz liegt. Es lohnt sich also deutlich weniger, überhaupt einer (offiziellen) Erwerbsarbeit nachzugehen als heute.

Hier noch ein Link dazu: https://www.archiv-grundeinkommen.de/pelzer/pelzer.pdf

Stimmt. Wir haben in Deutschland keine Favelas und Trailer Parks. Gut so!

Ist es nicht ein Bisschen polemisch den Überbegriff „günstige Wohnmodelle“ auf Favelas und Trailerparks zu reduzieren? Aber naja, wir bewegen uns ohnehin weg vom Thema.

Rein aus Neugier, welche Punkte würdest Du denn aus dem Baurecht streichen?

Ich vergleiche mal konkret die Wohnung, in der ich aufgewachsen bin (BJ1967, Großwohnsiedlung am Stadtrand von Nürnberg) mit derjenigen die wir 2018 als Neubau gekauft haben (BJ2019, Zentrum einer Mittelstadt mit 75k Einwohnern).

Im Vergleich zu der '67er Wohnung haben wir folgendes „mehr“ bekommen:

  • Generell mehr Fläche, damit die Wohnung samt Fluren barrierefrei ist.
  • Einen Aufzug bei nur zwei Stockwerken.
  • Wärmedämmung
  • Blower Door Test
  • Lüftungsanlage
  • (Größere und Bodentiefe Fenster, das ist vermutlich nicht vorgeschrieben?)
  • Bodentiefe (barrierefreie) Dusche
  • Ebenerdiger (barrierefreier) Übergang zum Balkon

Die Liste ist bestimmt nicht vollständig aber mal an der kurzen Liste orientiert, worauf würde ich denn verzichten?

  • Mit engeren Fluren und einem kleineren Badezimmer könnte ich leben :white_check_mark:
  • Aufzug für die Einkäufe und den Kinderwagen hätte ich schon ganz gerne :no_entry:
  • Wärmedämmung, muss im Winter sein, auch wenn es dann im Sommer für’n Arsch ist :white_check_mark:
  • Blower Door Test, muss auch sein, sonst „geben sich die Bauarbeiter beim Bau keine Mühe“ :white_check_mark:
  • Lüftungsanlage, muss auch sein, für die neuen Sommer besser Klimanalage :white_check_mark:
  • Größere Fensterfläche? Könnte ich verzichten, aber die kommen vermutlich sowieso nicht aus dem Baurecht :no_entry:
  • Bodentiefe (barrierefreie) Dusche? Muss nicht sein :no_entry:
  • Ebenerdiger (barrierefreier) Übergang zum Balkon? Muss nicht sein :no_entry:

In meiner Liste sind jetzt hauptsächlich Punkte aus der Barrierefreiheit drin. Auch wenn barrierefreies Bauen den Wohnraum teurer macht, so denke ich sollten wir dennoch nicht darauf verzichten, bis mal ca. 1/3 des Bestandes barrierefrei ist.

In Zukunft wird das Baurecht noch schärfer werden. Eine Wärmepumpe kostet im Vergleich zur Gastherme das fünffache (€ 6.000 zu € 30.000) und Solarkollektoren (€ 15.000) werden auch noch dazu kommen.

Aber auf den Quadratmeter umgerechnet wären das bei einem EFH mit 150qm auch „nur“ € 260,-/qm mehr. Das Wohnen wird also nicht durch Baukosten teuer, sondern durch Bodenpreis, Spekulation und Handwerkermangel.

Zur Veranschaulichung:

Wir haben damals ca. € 3.500 pro Quadratmeter bezahlt und schon damals habe ich den Preis für Spekulationsgetrieben gehalten. Zum Vergleich: 2018 konnte man in Stuttgart in guter Lage (20 Gehminuten von der U-Bahn, Stadtrand) für € 6.500 pro Quadratmeter kaufen.

Mein Bekannter, der Geschäftsführer unserer Immobilienverwaltung, hat mir gezwitschert, dass in einem geplanten Neubaugebiet für 2025 (da steht jetzt noch ein Forst) in unserer Mittelstadt mit einem Verkaufspreis von € 6.000 pro Quadratmeter gerechnet wird. Das wäre ein Anstieg um 70% in 7 Jahren. Der kommt meiner Ansicht nach nicht aus dem Baurecht.

Der Maurice Höfgen is doch angeblich so ein sexy ökonomischer Schlaufuchs, mit 26 schon, fragt doch mal bei dem nach, ob er dafür tolle Ideen hätte!?