Also aus meiner Erfahrung als Psychotherapeut bin ich überzeugt, dass es immer einen gewissen Bereich gibt, innerhalb dessen „hinschauen“ oder sich „jemandem oder etwas stellen“ hilfreich und entwicklungsfördernd ist.
Immer allem auszuweichen könnte man als Verdrängung bezeichnen und wird sicherlich zu neuen Problemen an anderen Stellen führen, aber sich auf Teufel-komm-raus allem stellen zu wollen ohne Rücksicht auf die eigene Kapazität, ist mindestens genauso schädlich und tendenziell gefährlicher, weil es einfach überfordernd und überwältigend sein kann.
Ich glaube dieses Prinzip gilt erstmal für alle Menschen, ob traumatisiert oder nicht. Der Unterschied bei (im klinischen Sinne) Traumatisierten Menschen liegt darin, dass einerseits die Schwelle zur Überwältigung viel niedriger und ohne Erfahrung schwerer erkennbar ist und dass andererseits eben dieser Mechanismus, der mich befähigt, die „Gefahr“ einzuschätzen und meine Kapazität, was ich gerade aushalten kann zu „spüren“ in gewisser Weise beschädigt ist (weil er ja durch das Trauma überfahren bzw. durchbrochen wurde). Und es kann dann auch eine Art Sog entstehen, der es extrem schwer macht, aus dieser Überschwämmung wieder herauszukommen.
Soweit zu meinem Verständnis von Trauma, wobei ich nicht davon ausgehe, dass es das einzig gültige zu sein hat (aber es würde mich nebenbei interessieren, was die betroffenen Personen, die hier geschrieben haben dazu denken, bzw. ob das voll an ihrer Realität vorbei geht oder irgendwie anknüpft an ihre Erfahrungen. Ich bin immer Dankbar für Widerspruch, um weiterzulernen.)
Insofern ist jedenfalls meiner Meinung nach eben eine Triggerwarnung (aber auch ich finde die anderen Begriffe wie Content Notification sinvoller) ein hilfreiches Angebot an Menschen, die davon profitieren können, indem sie sich ihre Fähigkeit zurückerobern, herauszufinden wie viel sie in welchem Moment aushalten können und wollen.
Und für alle anderen sind es halt einfach ein paar Sekunden „zu viel“.
@Mariella & @Hufschmied
dazu habe ich zwar keine persönlichen Erfahrungen, aber ich habe auch von einem in dem Bereich erfahreneren Kollegen gehört, dass es durchaus so ist, dass eben Pädophilie an sich einfach eine Eigenschaft ist, die man nicht „wegmachen“ kann und dass Betroffene diese Eigenschaft in vielen Fällen gar nicht ausleben wollen. Es gibt ja nicht nur die bekannten Fälle, wo Menschen dann ihren Neigungen ohne Skrupel einfach folgen, sondern auch viele Menschen die mit ihrer Neigung leben, ohne danach zu handeln und demnach in Kauf nehmen müssen, dass sie ein Leben ohne Sexualität führen, um niemandem zu schaden.
Jedenfalls bedeutet auch in diesem Fall ja dieser Content Hinweis, wie schon erwähnt wurde, auch eine Hilfestellung für solche Menschen, sich selbst vor einer unnötigen Versuchung zu schützen.