zu: LdN 212 - mühsamer Workflow bei Positivfall und Warnung rausgeben
Ihr habt in LdN 212 dargestellt, wie mühsam und anwenderunfreundlich der Anwendungsfall „meine Kontakte warnen“ gestaltet ist. Dazu habt ihr SAP zitiert, die sich bzgl. einer Verbesserung „mit Psychologen zusammensetzen“ wollen.
An dieser Stelle habe ich die Krise bekommen. Das liest sich, als ob SAP einfach nur eine Programmierbude ist, die völlig codeorientiert etwas bastelt und sich genau Null Gedanken zur Mensch-Maschine-Schnittstelle. Oder der Mensch in der Pressestelle hat keine Ahnung, was alles Softwareentwicklung ist und was sein Arbeitgeber denn so macht.
Zum Hintergrund: beim Entwurf von Software ist die Überlegung, wie der Mensch mit der Maschine kommuniziert und diese nutzt, von essentieller Bedeutung. Um die Oberfläche von Apps zu entwerfen, beschäftigen Unternehmen Spezialisten, deren Fokus einzig und allein ist, das Programm effektiv und effizient und mißverständnisfrei nutzbar zu machen. Solche Rollen nennt man User-Interface-Designer, User-Experience-Designer, Customer-Experience-Designer, Usability-Expert. Diese Spezialisten machen den Unterschied zwischen einer Anwendung, die technisch funktioniert, aber unbedienbar ist, auf der einen Seite, und Anwendungen, die man intuitiv versteht, leicht und schnell nutzen kann.
Der Satz „mit Psychologen zusammensetzen“ signalisiert nun:
- wir haben keine Ahnung, dass es Spezialisten dafür gibt. Nehmen wir mal jemanden, der was von Menschen weiß.
- wir holen uns Externe ran, haben also auch keine eigenen Leute dafür (SAP, really?)
- wir haben alle Zeit der Welt
Angesichts einer App, die
- von Millionen Menschen genutzt werden soll, also extremst einfach zu bedienen sein muss
- und der Dringlichkeit der Lage
finde ich so ein Statement absolut indiskutabel und inakzeptabel.
Ein adequates Statement wäre gewesen: „Ja, wir haben die Unzulänglichkeit verstanden. Unsere Experten haben in den letzten Tagen bereits eine Verbesserung entworfen. Die weiteren notwendigen Schritte wie z.B. rechtliche Prüfung, technische Umsetzung und Ausrollen an alle Nutzer werden ca. 3-4 Wochen dauern. Bei einer App, die von so vielen Menschen genutzt wird, müssen einfach wesentliche qualitätssichernde Schritte eingehalten werden. Sorry, dass das nicht schneller geht.“