Ich kenne den Vorschlag der FDP nur aus dem o.g. Artikel der Süddeutschen. Ich bin wahrlich kein sonderlicher Fan der FDP. Und: Der Vorschlag einer aktienbasierten Rentenversicherung (Kapitaldeckungsverfahren) ist alles andere als neu, sondern ein Jahrzehnte-altes Konzept. Es geht mir daher nicht um den Vorschlag der FDP, sondern um das Jahrzehnte-altes Konzept:
Grundsätzlich ist eine aktienbasierten Rentenversicherung (Kapitaldeckungsverfahren) - wenn richtig durchgeführt - dem aktuellen Umlageverfahren immer überlegen, sowohl was die Rendite als auch was die Sicherheit angeht.
Die Grundidee ist: Anstatt dass die arbeitende Generation die Rente der Generation in Rente per Umlage aus dem Rentenversicherungsbeitrag finanziert, wird der Rentenversicherungsbeitrag in einen staatlichen Aktienfonds einbezahlt. Dieser wird von einer Institution, ähnlich unabhängig wie die Zentralbank, der vom Gesetzgeber einen klaren Auftrag mit engen Grenzen und klaren Regeln gesetzt wurde und die ausschließlich von den Gerichten kontrolliert wird - verwaltet. Und zwar so, dass die Beitrage mit maximaler Streuung über alle weltweiten Aktien-, Renten-, Immobilien- und Rohstoffmärkte/-klassen verteilt werden (heute könnte man das sehr gut und kostengünstig über Exchange Trade Fonds abbilden - ob das für einen staatlichen Fonds wirklich sinnvoll ist, muss ich nochmal überdenken). Je nach Anlagehorizont (Dauer bis zur Rente) wird der Anteil von Aktien und Rohstoffen zu Renten und Immobilien sukzessive zurück genommen. Damit nehmen die normalen Schwankungen (einschl. solche durch Crashs wie der Finanzcrasch 2008/09) langsam ab und das erreichte Vermögen wird nach und nach bis zum Rentenbeginn gesichert. Bei Renteneintritt hat der Beitragszahler aus dem Kapitalstock im Durchschnitt eine Rendite erwirtschaftet, die bereits seit über 100 Jahren kontinuierlich irgendwie zwischen 6 und 7% liegt. Davon können die Beitragszahler in unserem Rentensystem (Umlageverfahren) ebenso nur träumen - ebenso wie die Sparbuch- und Riester-Anleger u.ä.!
Damit würde die Vermögensbildung aller Bürger massiv gestärkt!
Gleichzeitig steigen die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen (und auch des Staates) immens, die Eigentumsquote von Immobilen wird gefördert.
Schließlich wäre denkbar, dieses System um eine Sozialkomponente zu stärken, in dem der Staat für Geringverdiener einen mit steigendem Einkommen abschmelzenden Zuschuss für die Alterssicherung gewährt.
Die Riester-Rente hat übrigens mit diesem Konzept so einfach überhaupt ganz gar nichts zu tun!
Das Problem ist nicht, ob ein solches System funktionieren kann, sondern wir wir von unserem heutigen umlagefinanzierten System zu einem kapitalstockbasierten System wechseln. Der Vorschlag der FDP läuft nach meinem Verständnis darauf hinaus, einen kleinen und beständig anwachsenden Teil der Rentenbeiträge nicht mehr der Rentner-Generation auszuzahlen, sondern in den Kapitalstock zu investieren. Da dann für die Rentner weniger Mittel zur Verfügung stehen, wird der Staat das mit entsprechenden Zuschüssen aus Steuergeld ausgleichen müssen. Gleichzeitig wachsen dann in Jahrzehnten neue Rentnergenerationen heran, die einen immer größer werden Teil ihrer Renten aus ihrem Anteil am Kapitalstock erwirtschaften (und einen immer kleineren Teil aus den Beitrags-Umlagen der arbeitenden Bevölkerung). Aber für eine Übergangszeit muss sich das Rentensystem zunächst immer mehr und dann wieder immer weniger in ein steuerfinanziertes Rentensystem wandeln.
Da der Verwalter des staatlichen Renten-Finanzfonds (Kapitalstock) eine unabhängige, staatliche Institution (vergleichbar mit der Zentralbank) ist, hat man das Problem, das die Riester-Rente hatte (hohe Kosten, verfehlte Anlagestrategie durch verfehlte Produktauswahl, …) nicht.
Per se ist das Kapitaldeckungsverfahren völlig unabhängig von der Demographie, weil jeder ja für sich selbst spart und anlegt. Die Herausforderung ist der Übergang vom Umlage- zum Kapitaldeckungsverfahren, wie oben beschrieben. Das ist lösbar, aber teuer. Noch teurer wird es aber werden, wenn wir bei (völlig unrentablen) Umlageverfahren bleiben und den staatlichen Steuerzuschuss immer weiter aufstocken muss … wegen des Demographieproblems!
Wie gesagt: Im langfristigen Durchschnitt ist der Aktienmarkt immer deutlich rentabler gewesen wie alle anderen Anlageformen. Und über ein langfristiges Timing gem. des individuellen Anlagehorizonts (Anteil von Akten/Rohstoffen zu Renten/Immobilien) kann man das Risiko massiver Schwankungen gegen Ende der Lebensarbeitszeit absenken und die erreichte Vermögensbildung absichern.
Oh Mann, … „das Finanzkapital“ … mir fehlen die Worte und die Lust für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit diesem … wie nannte das @christianF gerade „marxistischen Reflex“
Siehe oben.
Sehr gut formuliert!
Grundsätzlich erst mal ein guter Vorschlag. Noch viel besser wäre es, wenn der Staat über eine gute Ordnungspolitik dafür Sorge tragen würde, dass Unternehmen die Kosten all der von Ihnen selbst verursachten externen Effekte selbst tragen müssten (Beispiel: eine CO2-Steuer in entsprechender Höhe). Dann würde das nur noch in solch einem Umfang gemacht, der nicht zu einer Zerstörung der Lebensgrundlage führen würde. Und müsste der könnte der staatliche Anlagemanager nicht selbst beurteilen, welche Anlagen denn „gut“ und welche „böse“ sind (was er vermutlich gar nicht leisten kann).