Eure Werbung in den Sendungen

Da dies mein erster Kommentar hier im Forum ist, möchte ich euch erstmal für den fairen Umgang und die sehr konstruktive Kritik loben. Danke, das ist sehr angenehm.

Ich glaube, dass es beim Thema Werbung in redaktionellen Formaten nur zwei eindeutig kommunizierbare Wege gibt. Ein Mittelweg führt zwangsläufig zu Verwirrung.

  1. Man wirbt nur für Produkte und Leistungen, die man selbst vertreten und bewerben kann und möchte.
  2. Man verkauft den lediglich den Zeit-Slot und gibt den Inhalt komplett ab.

Die Lage hat sich offensichtlich für den zweiten Weg entschieden. Zusätzlich wird mit Grundsätzen der Agentur klar gemacht, welche Werbungen die Linie des vertretbaren überschreiten. Das kann funktionieren aber hat offensichtliche Schwächen. Beispielsweise wird jetzt die Werbung für „Amazon“ gebucht und darin ein Produkt der BILD beworben. Wie Ulf richtig angemerkt hat; „Im Zweifel ist die Liste immer einen Eintrag zu kurz“

Ich finde den Lage-Ansatz den 2.Weg zu wählen richtig, da man sich komplett von den Werbepartnern zu trennen versucht und keine wertvolle Zeit in die Auswahl und Abwägung solcher investiert. Der Fokus liegt natürlich auf der Recherche und Inhalt der Lage.

Ich habe allerdings ein Problem mit der Implementierung. Wenn ihr den Weg weiter so gehen wollt, müsst ihr die Werbung hörbarer von der eigentlichen Sendung trennen. Sprich: Die Werbung wird nicht mehr von euch eingelesen, die Werbung bekommt eine Hintergrundmusik und/oder weitere Kennzeichnungen. Ein einfacher Trenner reicht hier meiner Meinung nach längst nicht mehr aus.

Da Ulf bereits klargestellt hat, dass es keine Tarife und Mehreinnahmen für verschiedene Vorstellungsarten gibt, solltet ihr unbedingt davon absehen die Werbung selbst vorzustellen.

Ich bin gespannt auf eure konstruktiven Vorschläge :slight_smile: Frohe Weihnachten, bleibt gesund.

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Naja, die Frage ist doch, inwieweit ein Unternehmen unterstützenswert ist, dass kaum bis gar keine Steuern in Deutschland zahlt (obwohl es hier sehr viel Geld gewinnt) und das aus ökologischer Perspektive sehr verwerflich ist (Stichwort Retoure-Sendungen, die weggeworfen werden). Hinzu kommt noch die schlechte Behandlung von Mitarbeitenden.
Ich finde, aus gesellschaftlicher Perspektive kann es nicht zwei Meinungen über Amazon geben, wenn dann aus persönlicher (und bequemlicher). Aber das sollte dann nicht der Maßstab sein!

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Wir haben gerade keine Werbung für Bild gemacht, sondern für eine Doku auf Amazon Prime.

Wenn du die Doku inhaltlich schlecht findest, dann kann es dafür viele gute Gründe geben, aber das müsstest du mit Amazon klären. Wir kennen in aller Regel die Produkte nicht, für die wir Werbeplatz verkaufen. Und ob eine Doku über die Bild unter dem Strich Werbung für Bild ist oder eher eine Kritik an der Bild, das könnte man nur beurteilen, wenn man die Doku gesehen hat.

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Wenn ihr den Inhalt der Werbung nicht kennt und keinen Einfluss darauf habt, ist die Werbeform der „Native“-Werbung leider denkbar ungünstig.

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Da sind wir anderer Meinung: Wir kennzeichnen durch die Jingles, dass ab jetzt Inhalte kommen, die Philip zwar vorliest, mit denen wir uns aber inhaltlich nicht identifizieren. Man würde ja auch nicht annehmen, dass der Tagesschau-Sprecher für die Werbung steht, die kurz vor der Tagesschau läuft, selbst wenn es einmal dieselbe Stimme sein sollte.

Abgesehen davon zeigt das Feedback, dass die Menschen viel lieber von Philip vorgelesene Werbung hören als produzierte Spots.

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Bis heute dachte ich tatsächlich, die Werbung würde von euch im Einzelnen genehmigt. Der größte Faktor dabei ist, dass die Werbung von Philip persönlich kommt. Ich dachte wirklich, ihr würdet die Beworbenen für unterstützenswert halten.
Das kommt u. a. daher, dass in anderen Podcasts teils die Podcaster*innen sagen, dass sie das Produkt selbst benutzen und es gut finden.

Mein Eindruck ist natürlich nicht Maß aller Dinge, aber ich vermute es geht vielen anderen gleich.

Alles in Allem finde ich es aber okay, wie ihr das macht.
Die Werberichtlinie macht klar, dass ihr inhaltlich keinen Einfluss auf die Inhalte des Werbeteils ausübt. Ich habe mich vor heute leider nie bemüht, sie zu suchen.
Und man kann’s ja mal so sehen: Jeder Taler aus den Taschen von Facebook (Bsp.) in die Taschen der Lage ist gut. Das Lage-Publikum wird sich wohl tendenziell weniger von der Werbung beeinflussen lassen… Andererseits ist die Lage wohl ein Kanal, mit dem Facebook es effektiver erreicht als mit anderen Kanälen (mich z. B. erreicht YouTube-Werbung nicht). Gerade wegen der erhöhten Suggestivkraft ist es vermutlich v. a. den Beworbenen lieb, wenn die Werbung von den Podcaster*innen gesprochen wird. Die Werbung ist dann mehr wert.

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Höchst problematisch fände ich es, wenn ihr euch aufgrund von Werbeeinnahmen über beworbene Unternehmen anders äußern würdet als ohne.

Umgekehrt muss ich aber herausstellen, dass ich das nicht feststellen kann. Ich möchte loben, dass ihr mit Kritik nicht zurückhaltet – trotz Werbung. In dem Sinne ist es eigentlich gut, wenn ihr z. B. über die Doku gar nichts Genaueres wisst.

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Ich kann dein Argument nachvollziehen aber ich finde es greift zu kurz. Die Werbespots werden ja nicht nur vor oder nach der eigentlich Sendung präsentiert. Dann wäre eine Distanzierung eindeutiger. Wenn Jan Hofer mitten in der Tagesschau zwischen Thema 3 und 4, selbst eine Werbung einspricht und diese lediglich durch einen Jingle gekennzeichnet ist, finde ich das zu nah am redaktionellen Inhalt.

Vielleicht wäre es eine Idee die Werbung nur am Anfang und Ende der Sendung zu implementieren?

Dass ein externer Werbespot schnell als Fremdkörper in der Show gehört werden kann und die Zuhörer dies als störender empfinden, kann ich gut verstehen aber spricht, meiner Meinung nach, doch auch nur für den Punkt, dass die Native Werbung sich nicht klar genug abgrenzt.

Vielleicht wäre es eine Möglichkeit die Werbung von jemand anderem „schön“ einzusprechen und drauf zu verzichten, dass einer der Moderatoren dies tut.

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Das ist zwar grundsätzlich richtig, erscheint mir aber etwas zu kurz gegriffen. Denn schon der Text der Werbung für die Doku vermittelt den Eindruck, dieses Medium sei eine Zeitung wie jede andere, und das dürfte ein kaum valides Urteil sein. Ich kann natürlich nur meinen Eindruck schildern. Aber ich habe die Werbung als positive Darstellung der Bild-Zeitung verstanden.

Hallo zusammen,

ich höre eure Beitrage meistens wirklich gerne und bin bisher auch dem Irrtum erlegen, dass ihr Dinge bewerbt, die ihr selbst unterstützen würdet (auch weil häufig Dinge für Nachhaltigkeit / Cyber-Sicherheit/… dabei sind). Daraufhin habe ich mich heute tatsächlich durch die ersten 35 min der beworbenen Doku auf Amazon gequält…wow… und habe daraufhin sofort ins Forum geschaut, weil ich es nicht verstanden habe. Jetzt verstehe ich eure „Lage“ etwas besser und finde es ähnlich schwierig abzugrenzen welche Spots laufen sollen und welche nicht, wenn man sich nicht mit jedem einzelnen auseinandersetzt.

Was mir aber geholfen hätte wäre ein kurzer Hinweis, dass der Inhalt der Spots nicht zwingend eure Meinung vertritt.

Evtl hilft meine Meinung ja, ich bin auf jeden Fall wieder schlauer geworden. Ich persönlich kann die Doku übrigens nicht empfehlen, auch wenn ich das womöglich „spannende“ Ende der ersten Folge nicht geschaut habe.

Grüße aus Köln
Fabian

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Also ich möchte mich jetzt explizit NICHT über die Auswahl des Werbepartners beschweren. Stört mich persönlich nicht ganz so arg.

Allerdings möchte ich anmerken, dass es auch mir so geht, dass ich im Kopf kaum getrennt bekomme dass das nun komplett losgelöste Werbung ist. Ich habe beim letzten Mal explizit drauf geachtet wie ich das wahrnehme, nachdem ich ja nun weiß wie das läuft. Und wieder hatte ich eher das Gefühl ihr empfehlt mir hier persönlich ein Produkt. Die Magie der Influcener quasi. Dadurch wie das formuliert ist in Verbindung mit dem persönlich Vortrag macht das für mich, Jingle hin Jingle her, den Werbeblock zum Teil der des Podcast. Ich halte es für mich persönlich tatsächlich für Notwendig durch eine andere Sprecherin oder Sprecher einen klareren Bruch zu bekommen, damit ich die Trennung voll wahrnehme.

Gruß
Kite

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Mit den abstrakt beschriebenen roten Linien in den Grundsätzen seid ihr doch schon nah dran:
Je nach Lesart könnte der zweite Stichpunkt („Wir nehmen keine Werbung mit sexistischen, rechtsradikalen, …“) schon heute die Bild als Werbekunde ausschließen. (Mir ist klar, dass im aktuellen Fall die Bild nicht direkt sondern nur über Bande beworben wird).

Zur unmissverständlichen Klarstellung könntet ihr sinngemäß ergänzen:

Wir nehmen keine Werbung an für Publikationen, die wiederholt und grob die journalistischen Standards verletzen, die wir an unsere eigene Arbeit anlegen.

Möchte man Facebook, Amazon und Co. mit ausschließen, was ich sehr begrüßen würde:

Wir nehmen keine Werbung an für Unternehmen, die Arbeitsnehmerrechte, Sozialstandards und den Datenschutz systematisch unterlaufen.

Als Hörer seit der ersten Stunde und langjährigerer Unterstützer per SEPA-Dauerauftrag wünsche ich mir auf diese oder ähnliche Art eine schärfere inhaltliche Kontrolle der eingespielten Werbeblöcke. Dies erscheint mir durchaus machbar ohne auf die Trennung von der redaktionellen Arbeit verzichten zu müssen.

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Danke @mest, in diese Richtung denken wir auch gerade nach. Ich möchte nicht in die Verhandlungen über die Werbung einbezogen werden, Stichwort Innere Unabhängigkeit. Aber wir müssen unsere Agentur hier noch besser informieren, was für Philip und mich passt und was nicht.

Es dürfte ja für alle, die die Lage hören, völlig klar sein, dass wir niemals bewusst Werbung für die Bild oder andere Produkte aus der Hetzer-Bude Springer machen würden.

Ich habe mir übrigens gestern mit einem Freund zusammen mal die erste Folge der Doku angeschaut. Danach kann ich ehrlich gesagt die Einschätzung nicht teilen, dass das Werbung für die Bild sei. Ja, die Doku scheint mir journalistisch ganz miserabel gemacht zu sein, weil sie nämlich nichts hinterfragt. Aber die Typen bei der Bild verhalten sich so lächerlich eitel, sexistisch und unprofessionell, dass sie sich komplett selbst zerlegen. Eigentlich reicht schon eine teilnehmende Beobachtung, um zu erkennen, was dort für Spezialexperten arbeiten. Und abgesehen davon ist die Doko einfach nur unfassbar langweilig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier irgendjemand volle sieben Folgen lang durchhält, um diesem immer gleichen einfallslosen Geschwafel zuzuschauen.

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Um hier mal in die Bresche zu springen:
BILD: finde ich extrem abschreckend - um so mehr interessiert mich eine Doku dazu!
=> ich glaube, das könnte auf viele Lagehörer zutreffen

AMAZON VIDEO: Ich bin nerd und Serienjunky, also hab ich ein Prime Abo
=> auch hier denke ich, dass ich da nicht der einzige bin

Und auch als Versandhändler bin ich Amazon gegenüber nicht so abgeneigt, wie manch anderer und bestelle immer wieder darüber. Das Problem, das viele kleine Händler von Amazon verdrängt wurden ist in weiten Teilen hausgemacht.

Also alles in allem: Imo ist die Lage eine gute Wahl für diesen Spot…
Ich fand’s im ersten Moment auch etwas seltsam (weil es sich anhörte wie BILD-Werbung), dann aber okay (weil es keine BILD-Werbung ist). Werbung für die besagte Zeitung fänd ich auch schräg… Und schaut Euch die Doku an… Schlecht gemacht ist sie, aber Werbung ist das nicht! Die zerlegen sich da regelmäßig selber von der Redaktion…

Und hey, wenn man Werbung aller großen Konzerne ablehnt, fällt ein wesentlicher Teil der Einnahmen raus.

Nimm’s mir nicht übel, aber sowas ist imo undifferenzierter Kindergarten. Einige klingen hier so, als hätten Ulf und Philip hier für ein von Neonazis betriebenes Schwerölkraftwerk mit Kinderarbeit Werbung gemacht.

Da kann Amazon aber nix zu! Das ist Politikversagen! Oder würdest du freiwillig Steuern bezahlen, wenn es einen legalen Weg dafür gäbe, sie zu vermeiden (ICH mache jedes Jahr meine Steuererklärung um keinen Cent zu viel zu bezahlen)?

Und hey, wir haben hier eine Werbung über drei Ecken: Eine Werbeagentur, die einen Spot für ein Videoportal verkauft, das wiederum eine Doku für eine zweifelhafte Zeitung gedreht hat. Selbst wenn man damit ein Problem hätte: Da würde ich von den beiden nicht erwarten, dass so ein Konstrukt unterbunden wird, sondern das einfach unter „dumm gelaufen“ abhaken. Ich glaube nicht, dass Ulf und Philip Problem mit Prime-Video-Werbung als solches haben.

Persönlich gesprochene Werbung finde ich selber auch deutlich weniger nervig als vorproduzierte Spots. Und solange es hier einen klaren Trenner gibt (was bei der Lage der Fall ist) kann ich damit leben.

Was man imo überlegen muss, ob man wirklich mittendrin noch einen dritten Spot braucht, der dann sehr nah am redaktionellen Content ist. Einer am Anfang nach den Hausmitteilungen und am Ende vor der Verabschiedung… Da ist die Trennung klarer. Kann aber selber mit beidem leben.

Mir ist es eher wichtig, dass die Lage inhaltlich was zu bieten hat - und dazu braucht man nunmal leider Zeit. Die hat man aber wiederum nur, wenn man die finazielle Freiheit hat, nicht noch einem Dayjob nachgehen zu müssen

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Vielleicht ergänzend noch:

Wir nehmen keine Werbung an, die Arbeitnehmerrechte, Sozialstandards und den Datenschutz systematisch und offensichtlich unterlaufen.

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Berechtigter Einwand. ABER: Das macht eine Unterstützung dieses Unternehmens nicht besser. Das Verhalten von Amazon, Facebook und Co. ist - auch wenn es legal ist - schlichtweg asozial.
Und abgesehen davon existieren auch weiterhin die anderen Kritikpunkte, die Amazon für mich zu einem No-go werden lassen: Stichwort Ökologie/Klimaschutz. Stichwort Arbeitnehmer*innenbehandlung.

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Sie zählen hier vor allem Versäumnisse des Gesetzgebers auf, nicht von Amazon. In einer Marktwirtschaft kann man Unternehmen nicht vorwerfen, ihren legalen Handlungsspielraum optimal auszunutzen. Ich verbinde mit Amazon eher die grundlegende Errungenschaft, dass ich alles was ich mir vorstellen kann per Knopfdruck am nächsten Tag an die Haustür geliefert bekomme und das meist auch noch zum bestmöglichen Preis. Von den Streaming und cloud Diensten ganz zu schweigen. Wenn man unbedingt etwas negatives über Amazon sagen will, dann ist das aus meiner Sicht die ungeheure Marktmacht, die Amazon mittlerweile innehat.

Das Problem ist aber, wenn Du alle Unternehmen meiden willst, die in irgendeiner Form „böse“ sind, musst Du auf eine einsahme Insel ziehen und Deine Tomaten selber anbauen.

Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß…

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Die Welt ist nicht nur schwarz und weiß…

Stimmt. In diesem Fall ist sie einfach nur schwarz

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Der Vergleich mit der Tagesschau zeigt doch das Problem: ein Sprecher ist ein Sprecher und kein Podcast Host, dessen Recherchen, Haltung und Stimme als Einheit wahrgenommen werden.

Davon, dass Ihr Werbung macht, profitiere ich seit langem, weil es mir erlaubt, Euren tollen Podcast unentgeltlich zu hören. Ich plädiere deswegen für eine klare Trennung (ohne native Werbung, nicht vorgelesen von Euch), die Euch finanziert und mir nicht das Gefühl vermittelt, PB persönlich sei Fan der Welt der Weine.

Eines muss ich aber noch ansprechen: hast du, lieber Ulf, in der letzten Folge nebenher Lebkuchen gegessen? Oder klang es nur so? Das fand ich fast noch befremdlicher als die Facebook Werbung, die mich auch sehr irritiert hat, die ich aber nach Drübernachdenken als Part of the Deal empfinde.

Vielen Dank Euch für alles, was ich durch Euch gelernt habe, habt schöne Weihnachten!

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