Passend zum Komplex: Tatsächlich würde mich hierzu nochmal ein ausführliches Wrap-up zum LkSG interessieren - als Nachhaltigkeitsmanager in einem Lebensmittel-KMU erlebe ich in den letzten Wochen viele Beispiele, wie vom Gesetz betroffene Unternehmen ihre unmittelbaren Lieferanten mit Anforderungen anschreiben. Die Tonalität dieser Anforderungen ist hierbei zu großen Teilen so gewählt, dass die Kernverantwortung zur Sorgfaltspflicht an die häufig deutlich kleineren unmittelbaren Lieferanten abgeladen wird. Im Kontext der Frage, wen dieses Gesetz aber hauptsächlich zur Verantwortung ziehen soll, ist hier aus meiner Sicht beobachtbar, dass die Kritik am Gesetz sich bewahrheitet.
Eigentlich wäre notwendig, das diejenigen Unternehmen für Transparenz und die Durchsetzung der Menschenrechte und Umweltschutzbestimmungen sorgen, denen zum einen die Ressourcen und zum anderen der Verhandlungshebel zur Etablierung und Finanzierung von lieferantenübergreifenden Managementsystemen zur Rückverfolgung der Supply Chain zur Verfügung steht. Ich beobachte jedoch momentan, dass das nicht passiert. Mal abgesehen davon, dass die Kontaktaufnahme unserer B2B-Kunden zum LkSG sehr spät und kurzfristig stattfinden (alle innerhalb der letzten 8 Wochen & ein großer Teil der eindeutig vom LkSG betroffenen Unternehmen hat sich bis heute (!) nicht bei uns gemeldet).
Kein einziges der Unternehmen, die sich bisher bei uns zum LkSG gemeldet haben, sprechen von eigenen Initiativen oder der Ankündigung tatsächlicher proaktiver Maßnahmen zur Schaffung von Transparenz in der Lieferkette. Denkbar wären hier Softwarelösungen, die wir mit dem Argument „unsere Kunden müssen das so umsetzen“ an unsere Lieferkette ohne Gemurre (mit)implementieren könnten, oder auch ein (eigentlich vom LkSG klar vorgesehenes) Meldesystem für Mitarbeitende und Arbeiter:innen, das von unseren nachgeschalteten Unternehmen gepflegt wird. Davon aber kein Wort. Aus der Praxis erwächst der Eindruck, dass das LkSG momentan nichts anderes bewirkt als eine Durchgabe von Willenserklärungen über die gesamte Lieferkette, während der enorme Preisdruck, der in der Lebensmittelindustrie existiert, genau das Gegenteilige bewirkt und sie weiter eine Hochrisikobranche für die Menschenrechte bleibt.
Das zeigt, wie wichtig weiterhin das Aufdecken von Menschenrechtsverletzungen durch NGOs und Journalist:innen bleibt. Die ersten, echt wirksamen Verbesserungen für die Menschen am Ende der Lieferkette wird es wohl erst dann geben, wenn die ersten saftigen Geldstrafen 8 Mio. € bzw. von 2% des Jahresumsatzes ausgesprochen werden - eben erst, wenn diese durch externe Akteur:innen nachgewiesen wurden.
Hier zeigt sich auch, wie wichtig die Nachschärfung auf EU-Ebene wäre, bei dem sich nicht mehr so herumgewunden werden kann und hier bieten die Erfahrungen, die wir hier in Deutschland mit der laschen Gesetzgebung machen, ja definitiv Argumentationsmaterial!
Mich würde hier die Sichtweise von anderen Unternehmen in ähnlichen Sitatuationen interessieren und eventuell ein:e Expert:in, die dazu mehr aus eine Makroperspektive sagen kann?