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Das obige Diagramm zeigt das Verhältnis zwischen angespartem Vermögen und der eingezahlten Summe aller möglichen Anleger wie oben beschrieben, mit insgesamt etwa 2000 Datenpunkten.
In der darunterliegenden Tabelle sind die Mittelwerte dieser Verhältnisse dargestellt, außerdem das Verhältnis, das die unteren 20% der Anleger erzielen konnten, sowie die jährlichen „Renditen“ beider. „Rendite“ bezeichnet hierbei eben nicht die jährlichen Kursgewinne, sondern die jährlichen Rendite der finanziellen Entscheidung, sein Geld in den ETF anzulegen, anstatt sie unter dem Kopfkissen zu horten.
Welche Schlüsse lassen sich aus diesen Daten ziehen? Grundsätzlich haben Anleger in ETFs am Ende ihres Anlagezeitraums mehr Geld, als wenn sie es unter dem Kopfkissen horten würden. Bei kurzen Anlegezeiträumen von 5 und selbst 10 Jahren sind aber nicht nur die durchschnittlichen Gewinne überschaubar; mit einer 20%igen Wahrscheinlichkeit würde der Anleger sogar vernachlässigbar geringe Gewinne oder gar Verluste machen. Wenn man einem Anleger diesen Sachverhalt mithilfe eines fünfseitigen Würfels im Beratungsgespräch vermitteln würde, würde er dann in einen ETF investieren, oder sein Geld vielleicht doch lieber im Tages- oder Festgeldkonto belassen? Ich möchte auch erneut darauf hinweisen, dass bei dieser Darstellung überaus begünstigende Vereinfachungen gemacht wurden.
Wenn wir „lang“ mit „sicher“ gleichsetzen, sollten Anlagehorizonte unter 20 Jahren als „kurz“ gelten. Und auch bei längeren Anlagehorizonten schwanken die erzielbaren Gewinne erheblich, wie unschwer zu erkennen ist. So kann eine langfristige Anlage in ETFs vielleicht als „sicher“ gelten, in dem Sinne dass man sein Geld nicht verliert; „verlässlich“ im Sinne von planbaren Gewinnen, um beispielsweise eine Altersvorsorge zu dimensionieren, sind sie jedoch keineswegs.
Als weiteren Punkt muss außerdem in Frage gestellt werden, inwiefern aus Daten des 20. Jahrhunderts Aussagen über lange Anlagehorizonte im 21. Jahrhundert getroffen werden können. Die jüngsten Daten von 30-jährigen Anlagestrategien stammen schließlich von Anlegern aus den 90er Jahren. Ist die politische, demographische, wirtschaftliche Lage der 90er überhaupt in irgendeiner Weise vergleichbar mit der der 2050er? Ich möchte auch noch zu bedenken geben, dass der Anlagehorizont in der Realität nicht mit dem Stichtag der Sparphase endet. Eine Altersvorsorge, deren Sparphase mit 30 begonnen und mit 65 endet, geht ja noch 25 Jahre weiter - die Auszahlungsphase nämlich, in der dieselben detrimentalen Einflüsse weiterhin auf sie einwirken.
Zum Schluss meines Beitrags möchte ich einen Ihrer absehbaren und berechtigten Einwände vorweggreifen.
„Ja, ETFs sind nicht so sicher, rentabel, oder verlässlich wie es Kursgewinne vermuten lassen. Aber von allen Dingen, die man mit seinem Geld anfangen kann, sind sie die doch immer noch die beste Alternative.“
Dem möchte ich widersprechen. Insbesondere möchte ich Ihrer Aussage in der ersten Folge zu ETFs widersprechen, dass auch Ihre Kinder, in Ihren 30ern, in egal welcher Lebenslage, gut beraten wären, einen ETF zu besparen.
Eine Person in ihren 20ern oder 30ern, die einen ETF besparen kann, könnte zum Beispiel auch in Wohneigentum investieren. Und mit Wohneigentum kommen auch Investitionsmöglichkeiten in Schuldenabbau, Heiz- und Stromkosten, Mobilität, Versorgung. Inflation, Konjunkturschwäche, steigende Energiekosten - all die Dinge, die das Vermögen des ETF Anlegers aufzehren, wirken zugunsten des Wohneigentümers. Jetzt mögen Sie erwidern „Ja, aber es ist doch kein Entweder-Oder“, aber das ist es meiner Meinung nach eben doch. Ressourcen sind endlich. Nicht nur finanzielle, sondern auch politische. Wenn es zum Beispiel um die Altersvorsorge geht, stehen Bemühungen um eine ETF-basierende Rentenkasse nicht in einem Vakuum. Man könnte auch Wohneigentum fördern, sowohl rechtlich, politisch, informativ, als auch finanziell. Die jährliche Anzahl an Bundestagssitzungen ist endlich. Es müssen Themen priorisiert werden, die die größte Wirkung erzielen.
Ich freue mich auf eine konstruktive Diskussion.
Viele Grüße,
LM