Du hast den Punkt hier nicht verstanden:
Es ist in Ordnung, zu sagen, dass man die Meinung eines anderen falsch findet.
Es ist nicht in Ordnung, eine „feindliche“ Motivation hinter dieser Meinung statuieren.
Wenn jemand z.B. sagt, dass er für weniger Migration ist, ist es völlig korrekt, zu sagen: „Das finde ich falsch, ich lehne deine Meinung ab, ich denke, Migration ist nicht das Problem, für das du sie hälst!“, aber es wäre falsch, dieser Person direkt zu unterstellen: „Du bist doch nur gegen Migration weil du Rassist bist und Ausländer hasst!“. Denn es gibt natürlich auch innerhalb des demokratischen Spektrums Gründe, aus denen man Migration ablehnen kann, ohne, dass man dadurch direkt zum Nazi wird.
Gleiches gilt hier: Es gibt Gründe, das Vorgehen Israels zu kritisieren - einige davon sind definitiv Antisemitisch, aber es gibt auch Gründe, die definitiv nicht antisemitisch sind. Die israelische Linke kritisiert das Vorgehen der Netanyahu-Regierung ebenso und es wäre ein klassischer antidemokratischer Move, wenn man diesen nun direkt unterstellt, „Vaterlandsverräter“ zu sein (wie damals im Vietnam-Krieg die Kriegsgegner diskreditiert wurden). Ebenso ist es falsch, jedem, der den Kurs der israelischen Regierung kritisiert, indirekt Antisemitismus zu unterstellen, indem man zwischen den Zeilen klar andeutet, dass diese Leute aus irgendwelchen bösartigen Motivationen („Israelhass“, „Antisemitismus“) handeln würden.
Der demokratische Konsens ist, dem Diskussionsgegner, sofern er im Lager der Demokratie und Menschenrechte steht, zuzugestehen, dass er auch das Beste für alle Beteiligten will, wenn auch auf einem ganz anderen Weg. Daher: Ich als eher Linker lehne die Politik der FDP oder auch der CDU nahezu vollständig ab, aber ich unterstelle ihnen nicht, „das Land zerstören zu wollen“ - ich glaube ihnen, dass sie tatsächlich denken, dass ihre Politik dem Land als Ganzen dienen würden, auch wenn ich bezweifle, dass ihre Politik dieses Ziel erreichen würde. Das ist der demokratische Konsens.