Ich finde es nicht ideal, Renteinbeiträge zu erheben, aber keine (Grenz-)Gegenleistung dafür zu geben. Stattdessen sollte man allgemeine Steuern entsprechend erhöhen. Erstens weil das wesentlich transparenter (und sachgerechter) ist und zweitens weil sonst Ungerechtigkeit zwischen Versicherten und nicht-Versicherten entsteht.

Also ich finde, dass ein neues System, was insbesondere die Punkte
1 OnePot
3 (Einheitsrente)
4 Beitragshöchstgrenzen fallen lassen (und progressiver umgestalten)

…kombiniert, sich um einiges gerechter anhört als das bisherige System.

Warum sollte es nicht funktionieren, das so umzugestalten?
Natürlich können nicht alle Dinge sofort auf alle übertragen werden.
Aber ab 1.1.2024 (haha) könnte doch die Umstellung für alle Neuen Systemeinsteiger eingeführt werden.

Dann musst du auf Steuerfinanzierung gehen. Die Beitragsbemessungsgrenzen werden Verfassungsrechtlich kaum noch zu heben sein.
Einheitsrente ebenfalls verfassungsrechtlich kaum machbar sein, wenn es eine Versicherung bleibt.

Aber man kann so ein System über den Umweg Steuer schon gestalten. Dabei bitte beachten, dass dann die Private Vorsorge, bei der Einheitsrente, stark wird und wieder die „reichen“ profitieren werden (Siehe Niederlande).
Und die Umstellung wird weitere Milliarden für Jahrzehnte kosten und die positiven Auswirkungen werden erst ab ca. 2070 sichtbar.
Bis dahin hat sich das heutige System wieder erholt, weil dann die Babyboomer von uns gegangen sind.

Was mich generell an der Diskuson in diesem Beitrag gestört hat ist der Begriff der „Rente“. Der Beitrag scheint ausschließlich auf das gesetzliche Rentensystem zu zielen. Auf Pensionen und Berufsständischen Versorgungswerke wurde nicht eingegangen. Das führt aus meiner Sicht zu einer Verzerrung des Problems und der diskutierten Problemlösungen, denn die Aufwände für die Beamtenversorgung - gerade in den Bundesländern - hat sich in den letzten Jahren dramatisch nach oben entwickelt. Anders als bei den gesetzlich rentenversicherten Arbeitnehmerinnen müssen Beamte keine Beiträge für ihre Altersversorgung zahlen. Dafür dürfen sich Pensionäre gegenüber Rentnerinnen auf ca. drei mal so hohe Altenbezüge freuen. Zu diesem Sachverhalt kein Wort in dem Beitrag.

Im Schnitt ungefähr doppelt so hohe Bezüge gegenüber den Renten erwirtschaften Berufsständische Versorgungswerke. Ärzte, Anwälte, Notare, Apotheker, Architekten und andere eher gut bezahlte Berufsgruppen sind i.d.R. Mitglieder in ihren eigenen Versorgungswerken. Diese wirtschaften nicht nur geschickter als der Bund, die Versorgungswerke sind auch bezüglich Ihrer Mitgliederstruktur im Vorteil. Dem gesetzlichen Rentensystem werden somit Beitragszahler mit hohen Einkommen generell entzogen.

Ich würde mir für zukünftige Beiträge zu diesem Thema wünschen, dass das Wording „Rente“ alle Versorgungsstrukturen einbezieht. Gesetzlich Rentenversicherte erzielen mit im Schnitt 1400€/Monat nicht gerade hohe Einkommen. Zudem steigt gerade schrittweise der zu versteuernde Anteil der Alterseinkommen. Ab 2040 steht dann eine 100%-ige Besteuerung der Einkommen an. Dann bleibt noch weniger Netto vom Brutto.

Mir hat der Beitrag suggeriert, dass (künftige) Rentner*innen ein Problem darsellen. Als Lösungsvorschlag Beamte schrittweise mit Beiträgen zur Altersversorgung zu belasten wurde nicht angesprochen. Das wundert mich auch nicht, denn man darf annehmen, dass Fr. Schnitzler als Inhaberin eines Lehrstuhls auch verbeamtet sein dürfte. Und wenn man sich die Abgeordneten Struktur im Bundestag anschaut, dann kann man davon ausgehen, dass sich an der Art der politischen Diskussion nichts ändern wird. Gut 200 Abgeordnete - mehrheitlich verbeamtet - zählen zum öffentlichen Dienst und repräsentieren damit die größte Berufsgrupe im Bundestag. Und dann sind da noch ca. 100 Abgeordnete aus Rechts-, wirtschafts- und steuerberatenden Berufen. Damit sind auch die Versorgungswerke gesichert. Es wird vermutlich bei der Debattenkultur der gesetzlichen Rente bleiben. Sehr bedauerlich!

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Die Pensionen und die Versorgungswerke wurde hier auch schon mehrfach angesprochen. Die hohen Beamtenpensionen sehe ich auch als großes Problem an. Vielen (auch den Beamten in meinem Bekanntenkreis) ist überhaupt nicht bewusst, welchen finanziellen Vorteil Beamten genießen. Rechnet man die Pensionen eines verheirateten Lehrers mit 2 Kindern ein, braucht man als Angestellter ein Jahresgehalt über 100.000€, eher 120.000€, um ein vergleichbares Einkommen zu erzielen.

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Jetzt kommen wir dem Pudelskern näher. Ich habe mich mal aus Interesse bei der Bundeswehr als Seiteneinsteiger beworben. (Die Bundeswehr nimmt wirklich jeden der MINT studiert hat und unter 50 Jahre ist). Beim Videogespräch mit dem Personaler (rein informativ) wurde ich als Seiteneinsteiger sofort als Oberstleutnant eingestuft. (Die wirklichen Tests würden erst nach Bewerbung usw. beginnen, was auch bedeutet, dass die genaue Einstufung auch erst dann folgt).
https://bewerbung.bundeswehr-karriere.de/erece/unregattach?param=Y2FuZF9ocm9iamVjdD0wMU5CMDAzNjg1NTkmYXR0YWNobWVudD0wMDAwMDE=&sap-client=300&sap-language=DE
Jetzt passt dieses letzte Gehaltsvorbild fast gut zu mir (keine Kirche und erst 42 und ein Kind).
Da kommt dann aber „nur“ 4468€/Monat Netto raus. Das ist deutlich weniger als ich jetzt als Angesteller in der freien Wirtschaft erhalte. (Bitte keine Reichen Debatte an dieser Stelle).
ABER, dann hat mir der Personaler die Pensionsansprüche gezeigt. Puhhh, da bin ich fast vom Stuhl gefallen. 70% des letzten Gehaltes!!! Selbst bei meinem jetzigen Gehalt, ist der Rentenbescheid deutlich tiefer, als die Pensionsansprüche als Soldat. Dazu kommt noch, dass Soldaten mit 61 Jahren in den Vollzeitruhestand gehen, es sei denn man ist General, dann 65 Jahre.

Zusammengefasst ist der Verdienst eher bescheiden im Vergleich zu freien Wirtschaft, aber das wird zügig aufgeholt sobald man in Rente geht. 6 Jahre früher Rente und gut 1/3 mehr Pension.

Das kann man sicherlich nicht auf alle Beamten soo anwenden, aber wenn diese Zahlen nur ansatzweise anwendbar sind, dann verstehe ich den Frust vieler Arbeiter und Angestellten. Besonders bei Lohn- und Gehaltsklassen von 45- 80k€/Jahr.
Es zeigt aber auch, warum es bei der Bundeswehr (Offiziere) und anderen hohen Beamtenfunktionen soviele freie Stellen gibt. Da zahlt die freie Wirtschaft halt wesentlich besser und die Karriere ist zu einem hohen Grad selber beeinflussbar.

Die Pensionen aber anfangen zu beschneiden, müsste zur Folge haben, dass die Besoldung sehr sehr deutlich nach oben geht. Sonst wird der Mangel auf diesen Positionen noch größer.

Entspricht dem Alimentationsprinzip. d.h. Beamte haben Pflichten und werden dafùr versorgt. Der Staat zahlt etwas geringere Gehälter und spart sozusagen den Arbeitgeberanteil zur Renten/Sozialvers.

Das ist klar, aber die Spreizung ist extrem groß geworden im Vergleich zur freien Wirtschaft.
Und das in beiden Bereichen Entlohnung und Rente/Pension

War nur zur allgemeinen Erklärung angefügt, denn als ich früher Beamtin war, wurde immer betont, dass Gehälter insofern deutlich niedriger seien (was nicht vergessen werden sollte).

Ich persönlich plädiere für ein Rentensystem (und ein Krankenversicherungssystem) für alle.

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Genau, es geht um eine angemessene Versorgung. Wie hoch die ausfällt und was angemessen ist, kann aber durchaus diskutiert werden.

Leider hat man da eben das Gefühl, dass dich Abgeordnete eben nicht am Ast Sägen auf dem die sitzen.

Ich verstehe das Argument nicht. Angenommen, die Beiträge (bzw. dann Steuern) bleiben gleich, aber die Bezüge werden einheitlich auf z.B. 1200€ gesetzt. Das bedeutet dann eine massive Kürzung für Gutverdienende und keinen Unterschied zu aktuellen Situation für Arme. Wie kann man dann davon reden, dass die Reichen profitieren?

Da zahlt die freie Wirtschaft halt wesentlich besser und die Karriere ist zu einem hohen Grad selber beeinflussbar.

Sorry, wenn das etwas Offtopic ist. Aber ich höre das so oft. Vielleicht lebe ich ja in einer komischen Blasen, in der alles anders ist. Aber wo zahlt die „freie Wirtschaft“ denn quasi generell immer besser? Um auf die hier genannten rund 4500 € Netto zu kommen, muss man in der „freien Wirtschaft“ ja schon gute 100.000 € Jahresgehalt verdienen. Meines Wissen ist das zwar durchaus möglich, aber bei weitem nicht so einfach.
Wenn ich mir Statistiken anschaue, mit welchem Einkommen man zu den Top 10% gehört, dann liegt diese Schwelle z. B. darunter. Wir reden also eher über die Top 5% aller Verdienste. Diese pauschale Aussage, dass man in der Wirtschaft immer deutlich (sic!) mehr verdienen würde, halte ich für extrem gewagt.

Wen ich aber schon mal dabei bin, gerne auch noch was zu Thema:

Was mich als „Millenial“ generell an der Debatte stört ist, dass quasi alle diskutierten Maßnahmen zu Lasten der nachfolgenden Generationen wären. Dabei ist das Problem an sich ja bereits seit Jahrzenten absehbar. Man hat aber, aus meiner Sicht, mit der politischen Mehrheit der „Boomer“ keine Maßnahmen ergriffen, weil sie zu diesem Zeitpunkt gegen den eigenen Geldbeutel gespielt hätten.
Jetzt, da das Finale naht, stellt man die nötigen Beitragserhöhungen, Arbeitszeitverlängerungen und Rentenkürzungen für die nachfolgenden Generationen als alternativlos dar. Ich finde das einfach unehrlich und unfair. Aber diese Generationenungerechtigkeit wird vermutlich durch die politische Mehrheit der „Boomer“ so oder in einer anderen Form kommen.

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Das Problem ist ja, das wir jetzt schon 18,6% Rentenversicherungsbeitrag und 14,6% Krankenversicherungsbeitrag haben. In Zukunft wird das Rentenniveau auf 45% sinken, man sollte aber 80% vom letzten Nettogehalt in der Rentenzeit zur Verfügung haben. Ich frage mich nur, wie ein Normalverdiener nochmal 15% vom Netto, also 350-400€ monatlich zurücklegen soll (ab dem 30. Lebensjahr, wer später anfängt braucht mehr).

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Da bin ich ganz bei dir. Ich finde die Belastungsgrenze ist erreicht und ich frage mich auch, wie das noch verfassungsrechtlich haltbar sein soll? Viele sind ja gezwungen in den Systemen zu sein und müssen dann auch noch mehr zahlen bei sinkender Leistung. Das kann rechtlich wirklich nicht mehr OK sein.

Woher kommt eigentlich die Fixierung auf das letzte Nettogehalt?
Ich kann mir gut vorstellen, dass auch diese Fixierung mehr für Besserverdienende nützlich ist als für alle anderen:
Weil Besserverdienende während ihrer ganzen Laufbahn mMn mehr Aufstiegschancen und Chancen zu Gehaltserhöhungen haben als Normal- und geringverdienende.

Ist es nicht ggf. sinnvoller das Lebenseinkommen als Basis zu nehmen?

Auch hier kann der Median eine Hilfe sein:
Median Einkommen + Median arbeitsleistende Monate = Median Lebenseinkommen.

Wenn überhaupt, sollte eine fixe Orientierung sich an solchen oder ähnlich gelagerten Werten orientieren.

Das ist ja nur ein Richtwert, mit dem man abschätzen kann, wie viel Geld man zurücklegen sollte. Individuell hängt das natürlich von jeweiligen Ausgaben ab, wie Miete, Lebensmittel, PKW, Reisebedürfnis, Freizeit, Hobby, etc. Ich kann ja jetzt nicht abschätzen, wie das in 30 Jahren aussieht.

Wenn ihm eine Stelle als Oberstleutnant (OTL) angeboten wurde, dann handelt es sich hier nicht um einen üblichen Dienstposten, den jeder inne hat. Ein OTL ist A14 und gehört damit bereits zum höheren Dienst. Diese Positionen sind die Ausnahme, nicht die Regel. Im Allgemeinen beginnt man mit A3/A4. Er wird daher schon über solch eine Erfahrung / Ausbildung verfügen, das auch in der freien Wirtschaft die angesprochen 100.000 Euro möglich sind und er nicht vergleichbar mit einem „normalen Angestellten“ ist.

Da hast du dich definitiv verhört. Du meinst Oberleutnant, nicht Oberstleutnant.

Oberleutnant ist der Einstiegsrang für Menschen mit technischem Hochschulabschluss, die als Seiteneinsteiger zur Bundeswehr kommen. Aufstieg ist für diese Fachoffiziere i.d.R. nur bis zum Stabshauptmann möglich (dh. die Laufbahn sieht vor, dass du als Oberleutnant anfängst, dann irgendwann Hauptmann und im Glücksfall Stabshauptmann wirst, da endet es dann, weiter geht es nur nach einem Lautbahnwechsel vom militärfachlichen Dienst zum Stabsoffizier, der nur selten vorkommt!).

Ein Oberstleutnant ist hingegen ein solcher Stabsoffizier - und nur zwei Ränge unter dem ersten Generalsrang. Also ein verdammt hoher Stabsoffizier.

Bei dem angegeben Nettogehalt wird es sich aber um einen Dienstposten als OTL gehandelt haben. Ich bin selbst mit A11 entlassen worden und das war doch deutlich entfernt von den über 4.400 Euro monatlich. Selbst kann ich mich auch noch daran erinnern, dass ausgebildete Geodäten damals als Major oder OTL begonnen haben. Jenseits von meiner Erinnerung, gibt das § 26 Abs. 2 Nr. 3 SLV derzeit auch noch her.