Erfahrungen mit Gesundheitsämtern und Teststationen i.Z.m. Corona

Liebe Lage-Fans,
untenstehend ein zugegebenermaßen sehr umfangreicher Erfahrungsbericht zum Thema Gesundeitsamt, Testmöglichkeiten und Teststationen in Sachen Corona. Verfasst wurde er nach einem sehr frustrierenden Tag in Quarantäne an dem ich unter anderem, trotz Brief der Behörde, an einer Teststation abgelehnt wurde.

Am Sonntag den 20.09.2020 hatte ich persönlich Kontakt zu einem Corona-Infizierten bei einem Fußballspiel. Bei dem Infizierten handelte es sich um einen Mitspieler aus meiner Mannschaft mit dem ich nach dem Spiel noch eng zusammen saß und ein Gespräch führte.

Am Montag den 21.09.2020 reiste ich gemeinsam mit einem Freund zuerst nach Bonn, dann nach Hamburg.

Ebenfalls am Montag den 21.09.2020 wurde besagter Mitspieler im Rahmen einer Routinetestung seines Arbeitgebers auf den neuen SARS-CoV-2 getestet.

Am Mittwoch den 23.09.2020 teilt der infizierte Mitspieler abends in der privaten WhatsApp-Gruppe der Mannschaft mit, dass sein Test positiv ausfiel, woraufhin ich selbstständig begann mich von Menschenansammlungen fern zu halten, bis ich wieder im Hostel war.

Am Donnerstag den 24.09.2020 checken mein Freund und ich aus dem Hostel aus und fahren an die Nordseeküste. Dort halten wir nur an, um Luft zu schnappen und verschiedene Landschaften anzuschauen. Während der ganzen Zeit haben wir kaum Kontakt zu Menschen.

An diesem Donnerstag um 17:29 Uhr teilt mir eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes telefonisch mit, dass ich nun in Quarantäne bin.

Vom Gesundheitsamt aus werden alle Kontakte der infizierten Person in den letzten 48(!) Stunden zurückverfolgt und kategorisiert.

Alle als Kategorie 1 eingestuften Kontaktpersonen müssen sich unverzüglich in Quarantäne begeben und sich ebenfalls auf das Virus testen lassen. So werden Menschen die gemeinsam mit dem Infizierten in einem geschlossenen Raum waren automatisch in die Kategorie 1 eingestuft.

Ich falle in die Kategorie 1 aufgrund des Gesprächs mit dem infizierten Mitspieler nach dem Spiel.

Als Kategorie 2 eingestufte Kontaktpersonen müssen sich erst beim Auftreten von Symptomen in Quarantäne begeben. Viele Mitspieler, welche sich nach dem Spiel zum Beispiel nicht mit dem Infizierten unterhalten haben, werden als Kategorie 2 eingestuft.

Außerdem wird mir mitgeteilt, dass die Quarantäneanordnung auch dann gilt, wenn ein Test negativ ausfällt.

Wir, die wir uns noch an der Nordsee befinden, begeben uns nach dem Anruf des Gesundheitsamtes mit dem Auto unverzüglich zurück nach Süddeutschland und in Quarantäne. Mein Freund, welcher mit mir auf dieser Reise war, gilt von behördlicher Seite nur als Kontaktperson einer Kontaktperson (mir), weshalb er nicht amtlich unter Quarantäne gestellt wird. Trotzdem entscheidet er sich, aufgrund des permanenten Kontakts zu mir, selbstständig in Quarantäne zu begeben.

Da viele von uns Fußballern weder am Mittwoch, noch am Donnerstag einen Anruf vom Gesundheitsamt erhalten, rufen sie selbstständig dort an. Unter anderem wird einem Teamkollegen mitgeteilt, dass die Infektion des Mitspielers erst am Mittwoch bestätigt worden sei und er sich deswegen keine Sorgen machen müsse, weil eben nur die letzten 48(!) Stunden (Aus Sicht des Gesundheitsamtsmitarbeiters also ab Montag) vom Gesundheitsamt zurückverfolgt würden.

(Am Folgetag erhielt dieser Teamkollege einen Anruf vom Gesundheitsamt in dem er immerhin als Kategorie 2 eingestuft wurde.)

Am Freitag den 25.09.2020 befinde ich mich zuhause und warte vergeblich auf einen Brief des Gesundheitsamtes. Der Brief wird an den meisten Teststationen benötigt um einen kostenfreien Test machen lassen zu können. Viele Mitspieler werden an diesem Tag erstmals von Seiten der Behörde über die Lage informiert. Meine Corona-Warn-App ist inzwischen rot hinterlegt und zeigt Risikobegegnungen am vergangenen Sonntag an. Inzwischen melden sich weitere Teammitglieder welche positiv auf das Corona-Virus getestet wurden.

Am Samstag den 26.9.2020 befinde ich mich zuhause und warte vergeblich auf einen Brief des Gesundheitsamtes.

Da ich mir bereits Sorgen um meinen Freund von der Reise mache, versuche ich mich bereits am Samstag testen zu lassen. Von meinem Heimatort in Oberschwaben ist die nächste Teststation an Wochenenden mindestens 1 Stunde Fahrzeit entfernt.

Von Seiten des ärztlichen Notdienstes wird ein Test verweigert, da ich keine Symptome aufweise. Alle Teststationen welche ich (nur sehr schwer!) im Internet ausfindig machen kann, bieten Tests nur für Reiserückkehrer oder „Berechtigte“ an. Da ich noch keinen Brief vom Gesundheitsamt oder meinem Bürgermeisteramt habe, gehe ich zu dem Zeitpunkt davon aus, dass ich nicht ofiziell berechtigt bin. Erst am nächsten Tag finde ich heraus, dass manche Teststellen auch Leute testen, bei denen die Corona-Warn-App rot leuchtet.

Die meisten Seiten im Internet geben keinerlei Auskunft wann eine Teststelle besetzt ist, nach einigen mühsamen Versuchen werde ich auf die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) aufmerksam, welche alle Teststationen übersichtlich in einer Map veranschaulicht.

Am Sonntag den 27.09.2020 erhalte ich endlich den Brief des Bürgermeisteramtes in dem steht, was ich zuvor schon telefonisch erfahren habe. Weiter ist dort vermerkt, dass nach ca. 5-7 Tage nach Erstexposition ein zweiter Test erfolgen sollte, um eine Infektion Ausschließen zu können. Mittlerweile ist der 7. Tag nach Erstexposition und ich wurde noch nicht getestet. Keine Pointe.

Als ich mich am selben Tag auf den 1-stündigen Weg an eine Teststation an der Autobahn mache, von der es bei der KBV heißt, sie teste Reiserückkehrer und „Berechtigte“, werde ich dort nach 30 Minuten Wartezeit trotz roter Corona-Warn-App und Brief der Behörde abgelehnt. Mir wird ein Zettel ausgehändigt ich solle mich an den ärztlichen Notdienst wenden. Noch immer keine Pointe.

Mein Freund aus dem Urlaub befindet sich weiter tapfer in selbstgewählter Isolation und will mein Testergebnis abwarten. Ich fühle mich schuldig, weil ich ihm keine Erkenntnisse liefern kann.

Ein weiterer Freund arbeitet mit schwerbehinderten Kindern und hatte sowohl Kontakt zum Infizierten als danach auch zu den Kindern. Bis zum jetzigen Zeitpunkt (Sonntag 27.09.2020, 22:49 Uhr) konnte auch er sich nicht testen lassen.

Am Montag den 28.09.2020 kann ich mich endlich testen lassen. Es bleibt die Wartezeit bis zum Ergebnis.

Mein Freund aus dem Urlaub wird sich nicht auf das Virus testen lassen können, da er 48 Stunden vor meinem Test keinen Kontakt zu mir hatte und deshalb keine amtliche Quarantäneanordnung erhalten wird.

Meine persönliche Meinung:

-die Mannschaft hätte vollständig in Quarantäne gehen müssen, es ist völlig unklar, wer hier wen angesteckt hat. Die Infektion wurde einzig und allein durch Zufall bei eben jenem Mitspieler zuerst bemerkt, mit dem ich mich nach dem Spiel unterhalten habe.

-dass die Mannschaft in Teilen erst am Freitag von Seiten der Behörde über die Lage informiert wurde, grenzt an eine Frechheit. Man stelle sich vor, ein Arbeitgeber zeigt kein Verständnis für eine selbstgewählte Quarantäne. Einige meiner Mannschaftsmitglieder arbeiten weiter als wäre nichts passiert.

-viele Aussagen von Gesundheitsamtsmitarbeitern zeigen von erschreckender Unkenntnis, in der Folge entstehen Verwirrung und Unsicherheit bei den Betroffenen

-dass es nur schwer möglich ist Corona-Teststationen mit gültigen Informationen im Internet zu finden, ist bei der Bekämpfung der Pandemie mehr als hinderlich

-Die Teile der Bevölkerung, die keine Rücksicht nehmen und in Zeiten wie diesen in Risikogebiete strömen, bekommen Zugang zu einem kostenlosen Test während es für Menschen wie PolizistInnen, Pflegekräfte, KindergärnerInnen u. a. mit von Natur aus vielen Sozialkontakten ähnlich schwer ist sich testen zu lassen, wie für mich

-die Information der Betroffenen muss wesentlich schneller erfolgen, nur so kann eine Pandemie erfolgreich bekämpft werden

Es ist schon schwer erträglich, aber logisch, dass es nach einer Testung welche am Montag erfolgt erst am Mittwoch zu einem Ergebnis kommt.

Es ist ebenfalls schwer erträglich, aber noch einigermaßen verständlich, dass eine vollständige Erfassung und Rückverfolgung der Kontakte eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt. Allerdings gilt es an dieser Stelle zu sagen, dass die privaten Handynummern von allen Mannschaftsmitgliedern bekannt waren, weshalb zu erwarten wäre, dass auch all diese Menschen spätestens am Donnerstag über die Lage informiert werden.

Es ist nicht hinnehmbar, dass unmittelbare Kontaktpersonen nicht so schnell wie möglich getestet werden können.

Es ist insbesondere nicht hinnehmbar, dass die Kontakte nur über 48 Stunden zurückverfolgt werden. Das ist natürlich an allererster Stelle schon rein medizinisch vollkommener Schwachsinn. Weiter führt es dazu, dass mein Freund mit dem ich zwar nach dem wahrscheinlichsten Punkt einer möglichen Ansteckung gemeinsam im Urlaub war, aber nicht zusammen war in den letzten 48 Stunden im Falle eines positiven Testergebnisses, kein Recht auf eine Testung hat.

Ich hoffe mein Frust trieft nicht zu sehr aus diesem Text;)

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Danke Max für den ausführlichen Beitrag! Mich würde sehr interessieren, welche Erfahrung andere Lage-Hörende in ähnlichen Situationen gemacht haben.

Anfang September war ich mit meiner Familie im Urlaub in Frankreich, genauer gesagt in der Provinz Ozitanien. Diese wurde einen Tag vor unserer geplanten Abreise zum Risikogebiet erklärt, weswegen wir uns auf der Rückfahrt auch testen lassen wollten. Wir sind mit dem Auto aus Baden-Württemberg angereist, weswegen es für uns naheliegend war, uns an einer Autobahn-Teststation uns testen zu lassen. Wir riefen beim BaWü-Landesgesundheitsamt um uns zu erkunden, wobei uns die Teststation Neuenburg Ost empfohlen wurde, welche ihren Angaben zufolge von 8.00-22.00 Uhr offen sei (stand im Internet auch so). Am nächsten Tag machten wir uns auf die Rückfahrt und kamen gegen 20.00 Uhr an der Teststation an, und siehe da: die Security-Leute sagten uns, dass die Teststation bis um 20.00 Uhr geöffnet sei, die letzten Testpersonen seien gegen 19.00 Uhr angenommen worden. Wir waren vollkommen entrüstet und beschlossen, unserem lokalen Krankenhaus anzurufen und nachzufragen, ob bei ihnen am Samstag ein Corona-Test zu machen sei, was der Kollege aus der Ambulanz bejahte; er meinte sogar, wir sollen möglichst früh, gegen 7.30 Uhr kommen.
Am nächsten Tag machten sind wir dann gegen 8.00 Uhr aufgestanden (man muss sich ja auch von der Rückfahrt erholen) und brachen dann auf ins nahe gelegene Krankenhaus. Dort meinte der Arzt aus der Notfallaufnahme, dass diese Tests nur unter der Woche angeboten werden, und er schlug uns vor, in eine Warteliste für umliegende Praxen einzutragen. Wir lehnten ab, denn bereits in zwei Tagen fing ja die Schule wieder an und wir wollten nunmal nicht unnötig lang in Quarantäne sitzen, nur um unsere Tests zu machen. Nach einigem Zureden auf den Arzt entschied er sich, den Test doch durchzuführen. Dieser verlief kurz und sehr unangenehm.
Am Sonntag dann, innerhalb von 24 Stunden und schneller als vom Arzt vorausgesagt, erfuhren wir dann über eine Webseite von unseren (Gott sei Dank) negativen Testergebnissen.
Diese Geschichte zeigt eins: die Regierung macht drankonische Strafen für jene, die denen Corona-Richtlinien sich widersetzen, tut dann allerdings wenig bis garnichts, um entsprechende Testmöglichkeiten gescheit zu organisieren. Eine Odysee war das, nichts anderes!

Es gab die Möglichkeit, dass ich mich am 23.07. bei einer Geburtstagsfeier (20 Leute im Freien) angesteckt haben könnte.
Die Information bekam ich auf privatem Wege am 27.07.
Daraufhin habe ich meinen Hausarzt angerufen, dieser hat dann einen Test durchgeführt. Ich saß auf dem Parkplatz im Auto und er hat durch das Autofenster getestet.
Am 30.07. bekam ich mein negatives Ergebnis.

Ich komme aus Bayern, deshalb gab es keine Probleme beim testen.
Allerdings gab es zu keiner Zeit einen Kontakt zum Gesundheitsamt.

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Wir waren letzte Woche zu zweit in Tirol wandern und saßen zu zweit eingeschneit auf einer Berghütte. Wir waren die einzigen Gäste. Da während unseres Aufenthalts Tirol zum Risikogebiet erklärt wurde haben wir uns anschließend testen lassen. Der Test ging problemlos beim Hausarzt. Der hatte alle Corona Test Patienten um 11 Uhr her bestellt und ist dann im Vollkörperschutz zu uns vor die Tür gekommen und hat die Abstriche gemacht. Am nächsten Tag um 12:00 Uhr hatte ich das Ergebnis in der Corona Warn App (negativ).
Für das Gesundheitsamt in Göttingen musste ich einen Meldebogen ausfüllen. Später musste ich per Email das Ergebnis meines Tests mitteilen, was mich etwas irritiert hat.

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Mein Test war ganz unkompliziert.
Ich hab bei meiner Ärztin angerufen und gesagt das ich mit Erkältungssymptomen krank bin und ich die länger als sonst habe. Dann hat meine Ärztin mich zum Kollegen weitergeleitet, da Sie selber kein Corona-Tests macht. Beim Kollegen hab ich gleich online ein Termin (zwei tage später) gemacht. Das Ergebnis konnte ich am Abend nach dem Test in der Corona App an sehen.

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Ich habe mich in München testen lassen. Sind mit dem Bus aus Slovenien am Busbahnhof angekommen und gleich zur Teststelle dort spaziert. Das ganze hat maximal 5 Minuten gedauert. Das Ergebnis kam einen Tag später als angekündigt (vielleicht wegen Sonntag). Der Test war negativ, Kontakt zum Gesundheitsamt gab es keinen.

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Hallo bei der Lage!

Ich bin völlig unbefriedigt von einer Situation aus meinem Freundeskreis: Bei einem guten Freund gab es einen positiven Fall auf der Arbeit. Er hatte Kontakt zu ihm, ist in Quarantäne, und hat einen Test machen lassen, von dem nach ein oder zwei Tagen das Ergebnis da war: negativ. Soweit, so erfreulich.
Nun ist es aber so, dass das Gesundheitsamt (Darmstadt) ihm, trotz des negativen Testergebnisses, weiterhin bis der Kontakt zum positiv getesteten Kollegen zwei Wochen her ist, Quarantäne verordnet. Mit üblicher Strafandrohung bei verstoß. Das ist mir vollkommen unverständlich und klingt ziemlich bescheuert in meinen Ohren!
Darüber hinaus war der Test den er hat machen lassen freiwillig! Manche seiner Kollegen haben sich nicht testen lassen (aus welchen Gründen auch immer…), und sind weder verpflichtet dazu, noch haben sie einen Anreiz, da die Quarantäne auch bei negativem Ergebnis besteht.
Seine „Betreuerin“ vom Gesundheitsamt habe nicht wirklich auf die Frage geantwortet – vielleicht aus Unwissen – warum das so sei („so sind halt die Regeln“).
Sehr unbefriedigend und unverständlich. Ich hoffe anderswo läuft es sinnvoller oder wenigstens wird der Hintergrund erklärt. Den wüsste ich wirklich gerne. Mein Freund wirkte bis jetzt damit zum Glück entspannter als ich es bin, obwohl ich garnicht betroffen bin - bisher.

Viele Grüße aus Darmstadt
Timm

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Ich habe auf einer Probenphase mit einem Chor (mit einem guten Hygiene Konzept) Corona bekommen. Ich habe mich testen lassen und das Testergebnis hat die Projektleitung selber direkt zum Labor gefahren, damit es möglichst schnell geht. Am nächsten Tag konnte ich durch einige Anrufe mein positives Ergebnis auch direkt erfahren. Das zuständige Gesundheitsamt schickte noch am selben Abend Ärzte zu uns und ließen den ganzen Chor testen. Sehr gut!
Bis die mein positives Ergebnis allerdings an das Gesundheitsamt in meiner Heimatstadt Bremen weiterleiteten, vergingen mindestens ein bis zwei Tage. Dabei sollte es doch bei der Nachverfolgung so schnell wie möglich gehen. Mein heimatliches Gesundheitsamt meldete sich gar nicht bei mir und ich konnte dort auch niemanden erreichen. Nach einer Woche wurde ich endlich nach meiner Kontaktliste gefragt. Diese Kontakte wurden nun (zwei Wochen nach der Infektion) noch immer nicht offiziell informiert, dass sie in Quarantäne sollen. Niemand hat mit denen gesprochen. Ich habe die alle selbst informiert und Glücklicher Weise haben sich dennoch alle an die Quarantäne gehalten. Das Gesundheitsamt bei mir in Bremen scheint heillos überlastet zu sein.

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Als Leiter eines Pflegedienstes musst ich die Erfahrung machen, das die Pflege im Testverfahren keine besondere Berücksichtigung findet.
Eine Mitarbeiter wurde von ihrer Hasuärztin in Quarantäne geschickt, da die Tochter angeblich Kontakt in der Schule hatte. DIes ist soweit auch erst einmal in Ordnung. Per Überweisung wurde sie in die Coronaambulanz der KV verwiesen. Dann passierte nichts mehr. Von Donnersatg bis Montag hette sie keinen Termin bekommen. Am Dienstag schickte ich sie dann zu unserem Betriebsarzt. Die Kosten hierfür tragen wir als Pflegedienst, genauso wie die Kosten für den Ausfall der MA.
Bis heute hat die Mitarbeiterin keinen Termin bei der Ambulanz erhalten.
Auch ein Anruf bei der KV brachte nichts.

Was mich stört ist diese Fahrlässigkeit aller Beteiligten in diesem Verfahren. Das Gesundheitsamt gibt die Bestimmung raus, dass alle in der Pflege arbeitendenden Person mit jeglichen Erkältungssymptomen nicht arbeiten dürfen. Eine beschleunigte Testung findet dann nicht statt.
Wir können so nicht den Betrieb aufrecht erhalten und die Pflegebedürftigen zu Hause weiterversorgen, denn jede Schnupfnase soll zu Hause bleiben. Davon haben wir aber sehr viele…
Auf der anderen Seite wird eine mögliche Infektion unserer pflegebeürftigen Kunden durch eine laxe Vergabe der Testtermine verschleppt, weiterr Schutzmaßnahmen können so nicht in der gebotenen Eile umgesetzt werden. Es ist dann eine Frage der Zeit bis ein positiver Fall diese Menschen ansteckt und durch die Verzögerungen eine Schaden entsteht der nicht gewollt sein kann.

Wenn wir gesellschaftlich davon reden die Risikopatienten besonders schützen zu wollen fängt es bei der Testung der versorgendene Menschen an.
Das Gesundheitsamt gibt Anweisungen raus die befolgt werden sollen, hat aber keine Idee wie das umzusetzen ist. Ein strafferes Regime was die Testung von Pflegekräften angeht würde einige Risiken minimieren.
Sollten wir als Pflegedienst nicht mehr handlungsfähig sein, weil ein das Gros der Mitarbeiter*innen in die Quarantäne muss, sind nach aktuellen internen Berechnungen ca. 80 Menschen stationär zu versorgen. Diese Plätze gibt es nicht also müssen die ins KH. Steigen die Infektionsszahlen wären dies zusätzliche, unnötige Belastungen dieser Gesundheitsbetriebe.
Hier ist meiner Meinung ganz klarer Handlungsbedarf, um die Versorgung der Risikopatienten zu Hause über den Winter zu gewährleisten.

Viele Grüße!

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Meine Freundin hatte Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Wir kommen aus München und es war gar kein Problem einen Test zu bekommen. Beim Hausarzt hatte sie einen Termin noch am selben Tag und ich am nächsten Tag auf der Theresienwiese obwohl wir keine Symptome hatten. Warten mussten wir vor Ort gar nicht und die Ergebnisse waren jeweils innerhalb von 24h da.

Der Anruf vom Gesundheitsamt hat etwas gedauert (ca. eine Woche) weil sie gerade mit Schulklassen überlastet waren.

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Ich wohne in Hessen und habe Ende Juni an einem Freitag bei meiner Hausärztin angerufen weil ich Symptome hatte. Wurde am gleichen Tag zurückgerufen und habe einen Termin im Testzentrum bekommen. Die Ansage war „Wenn wir bis Samstagmittag nichts gehört haben, kriegen Sie das Ergebnis am Montag“ (so war es dann auch). Das geht natürlich noch ein klein wenig schöner, war aber völlig ok…

Ende September hatte ich nochmal eine Situation in der ich unsicher war, wieder Anruf bei der Hausärztin, die Sprechstundenhilfe hat die Situation kurz mit mir durchgesprochen und wir haben verabretet, dass ich erst mal abwarte. Wenn ich sehr besorgt gewesen wäre, hätte ich aber auch noch am gleichen Tag kommen können.

Ich habe von Leuten, die in der gleichen Stadt wohnen aber auch gehört, dass sie von anderen Ärzt*innen einfach abgewimmelt wurden, selbst mit Risikokontakt. Scheint extrem davon abzuhängen, an welche Person man gerät.

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Mein Mann und ich bekamen vor drei Wochen die Warnung von der Corona App: fünf Risiko-Begegnungen. Die Warnstufe sprang auf Erhöhtes Risiko/rot. Wir riefen in dem Hotel an, in dem wir am Wochenende zuvor gewesen waren und der Besitzer sagte uns, dass sich ein Gast, der in dem Hotel an einer Familienfeier teilgenommen hatte, gemeldet habe mit dem Hinweis, dass er positiv getestet worden sei. Auf unsere Nachfrage, warum er uns nicht benachrichtigt habe sagte er, das Gesundheitsamt habe dies nicht empfohlen.

Wir riefen daraufhin unser Gesundheitsamt (bzw. die vorgeschaltete Hotline) in Essen an. Nach wirklich vielen Versuchen, dort durchzukommen, teilte man mir schließlich mit, solange die App nur auf „erhöhtes Risiko“ und nicht auf „hohes Risiko“ stünde, müsse ich nichts tun. Das bestätigen mit zwei verschiedene Personen. Fakt ist allerdings, dass es „hohes Risiko“ bei der App gar nicht gibt.

Wir wollten auf Basis dieser offensichtlich falschen Information nicht einfach in den Normalmodus schalten und begaben uns daher mit unseren Kindern freiwillig in Quarantäne. Eine Woche war nun seit den RisikoBegegnungen vergangen. Wir waren alle symptomfrei, eine Infektion also extrem unwahrscheinlich. Dennoch rief ich montags noch mal beim Gesundheitsamt an, um einmal offiziell das GO zu kriegen, die Kinder wieder In Kita und Schule zu bringen. Ich ließ wohl das Stichwort „Familienfeier“ fallen und das (nicht die App Warnung) schien die Behörde zu alarmieren. Nun sollten wir doch getestet werden und mussten, bis das negative Ergebnis da war, noch drei weitere Tage in Quarantäne bleiben.

Der Test selbst wurde professionell und bei uns zu Hause durchgeführt. (Familien-Service-Info: Bei kleinen Kindern wird nur ein Rachen- und kein Nasenabstrich gemacht, was weitaus weniger unangenehm ist, und bei Babys eine Stuhlprobe genommen.) Das Ergebnis gab es nur mündlich. Eine Verknüpfung des Gesundheitsamtes mit der App gäbe es nicht, sagte man mir.

Mich hat es ziemlich schockiert, am eigenen Beispiel mitzuerleben, wie wenig professionalisiert der Umgang zumindest in diesem Fall war. Eine Mitarbeiterin der Stadt Essen versicherte mir im Nachgang, dass die Stadt Personalengpässe gehabt habe, was aber gerade Schritt für Schritt behoben würde. Hoffen wir das Beste.

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Habe mich Mitte September nach Rückkehr aus dem Urlaub in Portugal (zu der Zeit kein Risikogebiet) freiwillig am Flughafen München testen lassen, da ich leichten Reizhusten hatte. In Bayern Tests ja weiterhin für jeden jederzeit möglich.

Anmeldung zum Test hat problemlos online geklappt. Am Flughafen hat alles super funktioniert, hat vielleicht 5 Minuten gedauert im Testzentrum ohne Wartezeit, Ergebnis kam ca. 24 Stunden später per Email: Positiv. Bis dahin lief also alles super.

Aber: Leider kein QR Code beim Testergebnis dabei, konnte also nichts in die Corona App einspeisen. Habe dann bei der App Hotline angerufen, nach längerer Zeit in der Warteschleife konnte ich mein positives Ergebnis mitteilen und es wurde in der App vermerkt. Was mir auffiel ist, dass überhaupt keine Details nachgefragt wurden. Es hieß ja mal, dass psychologisch geschultes Personal die Angaben auf Glaubwürdigkeit kontrollieren soll. Meines Erachtens wäre hier ein Missbrauch im Sinne von „haha ich lauf mal durch die Stadt und melde mich dann positiv“ ohne Probleme möglich.

Habe mich natürlich unmittelbar isoliert. Beim Gesundheitsamt kam ich telefonisch lange nicht durch und als ich es schließlich geschafft hatte, hatte ich das Gefühl, dass man an Leute geriet die keine Ahnung hatten (wahrscheinlich schnell angelerntes Personal): „ich kann ihnen nichts genaues sagen, bleiben Sie einfach daheim und warten Sie bis sich jemand meldet der dafür zuständig ist“.

Nach 3 Tagen kam ein Brief vom Gesundheitsamt: (…) wir ordnen Ihnen eine 10tägige häusliche Quarantäne an (…) Wir werden auch noch ein Telefongespräch mit Ihnen führen.

Es stand leider nicht genau dabei bis zu welchem Datum die Quatantäne gehen soll.

Gilt als erster Tag das Testdatum, der Tag der Ergebnisübermittlung des Tests, das Datum des Briefs vom Gesundheitsamt, oder Datum des Briefeingangs? Das war natürlich für mich und meinen Arbeitgeber sehr relevant, da ich nur so entscheiden konnte wann ich wieder raus darf und wie lange ich nicht arbeiten darf. In der Hotline des Gesundheitsamts hat mir diesbezüglich auch niemand weiterhelfen können, da offensichtlich keine Ahnung.

Bis heute hat mich niemand vom Gesundheitsamt kontaktiert. Von Kontaktpersonenverfolgung keine Spur.

Ich arbeite seit April als Studentin in der „Corona Einheit“ in meinem lokalen Gesundheitsamt und würde gerne mal aus dieser Perspektive berichten. Ich möchte die aktuelle Situation nicht verteidigen und kann den Unmut sehr gut verstehen, aber vielleicht finden sich hier für andere Leute ein paar Erklärungen.
Unser Team besteht aus Praktikanten, Studenten, Ärzten in der Rente und vielen mehr die alle zur Corona Unterstützung eingestellt wurden und nicht zum festen Team des Gesundheitsamts gehören, da diese schon Mitte April stark überarbeitet waren und ihrer eigentlichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen konnten. Wir sind alle hoch motiviert und machen viele Überstunden, besonders in letzter Zeit, aber ich merke wie auch meine jungen Kollegen so langsam an ihre Grenzen kommen.
Vor einigen Monaten hatten wir auch viel Arbeit, aber es war zu kontrollieren. Ab und zu hat man Überstunden gemacht, um noch einen Fall abschließen zu können, aber damals war die Kontaktpersonenermittlung noch nicht so Umfangreich. Durch die Aufhebung vieler Beschränkungen (Partys, Familienfeiern, Öffnung der Schulen), sitze ich zum Teil einen gesamten Tag daran die Kontaktpersonen nur eines positiven Falls zu ermitteln und zu kontaktieren (2 Tage um eine Schulklasse in Quarantäne zu schicken). Durch die steigenden Zahlen und die umfangreiche Arbeit die mit einem Fall zusammenhängt, schaffen wir es an manchen Tagen nicht alle positiven Fälle abzuarbeiten, die absolute Priorität haben.
Dabei fällt dann das Kontaktieren von KPs die aus anderen Kreisen zugesendet werden, die Bearbeitung der Reiserückkehrer, das Antworten des Telefons oder andere Anfragen hinten weg.
Es wird auch am laufenden Band neu eingestellt (der Einstellungsprozess ging wohl noch nie so schnell), aber eine Einarbeitung wird nicht erleichtert wenn Regelungen sich wöchentlich ändern und auch wir dann unsere Prozesse wieder umstellen müssen.
Es muss sich einiges bei uns tun damit die Situation zu stemmen ist aber ohne eine gewisse Eigenverantwortung der Bürger wird es wohl nicht funktionieren. Und für die, die versuchen es zu sein und trotzdem abgewiesen werden tut es mir Leid. Versucht daran zu denken, dass die meisten Mitarbeiter wirklich motiviert und bemüht sind.

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Ausgangssituation: Freundin eines Bekannten, P., macht Praktikum auf einem Fotoset und schminkt ein Model (dauert länger, naher Körperkontakt). Gegen Ende bekommt das Model einen Anruf: Ihre Mitbewohnerin ist positiv. Agentur schickt Model und P. nach Hause. P. wohnt mit meinem Bekannten und einer 3. Person in einer WG.

Verantwortliches Handeln wäre m.E.: Da das Model sich schon vor Tagen angesteckt haben und Infektiös sein könnte, könnte auch P. angesteckt worden sein. Daher begibt P. sich in freiwillige Selbst-Quarantäne, bis ein negatives Ergebnis vom Test am Model, der sofort gemacht wurde, vorliegt. Mein Bekannter und die Mitbewohnerin ziehen solange aus der WG aus. Sollte das Modell positiv sein, muss P. einen Test machen und in die gesetzlich vorgeschriebene Quarantäne.

Auskunft der Corona Hotline der Stadt Hamburg: „Das ist ein Kontakt 3. Grades. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie sich angesteckt hat. Es besteht kein Handlungsbedarf“ …und, erst auf Nachfrage: „Sie kann natürlich freiwillig in Selbstquarantäne, aber das ist weder vorgeschrieben noch notwendig …“.

Heute wurden wieder 11.300 Neuinfektionen gemeldet … und ich versteht langsam, warum!

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Weil es immer so viele negative Rückmeldungen zu den Coronatests gibt, dachte ich mir ich gebe mal ein positives Feedback:

Das Testzentrum für Duisburg ist das Theater am Marientor, das dafür umfunktioniert wurde. Man kann da nicht einfach hingehen, sondern muss vom Hausarzt oder Gesundheitsamt vorher angemeldet werden.

Das TaM ist offensichtlich gut gewählt, es ist gut über die A59 und A40 angebunden, es gibt Parkplätze, einen Vorplatz um die Schlangen zu bilden und ein großes Foyer für die Tests.

Ich hatte einen Fall in meinem Fitnessstudio und wurde gestern Mittag darüber informiert, dass ich Freitag kontakt hatte. Also habe ich gestern Abend bei meinem Hausarzt angerufen, die haben mich für heute angemeldet.

Ich bin um kurz vor 8 da aufgeschlagen, am Parkplatz steht ein Einweiser, der mich zu einem der drei Testbereiche zuweist:

Angemeldet vom Hausarzt (ich) /

Angemeldet vom Gesundheitsamt (Reiserückkehrer etc.) /

Leute die aus Berufsgründen getestet werden (Lehrer etc.)

Draußen auf dem Vorplatz sind große Zelte mit offenen Seiten, unter denen die Schlangen bei Regen durchgeführt werden. Alles ist mit Kreisen auf dem Boden markiert.

Die Schlange wird geordnet in das Foyer geführt, immer schön mit Kreisen auf dem Boden, ein Einweiser schickt die Leute zu einem der Anmeldeschalter (etwa ein Dutzend) bei denen ich dann über den Test informiert werde, meine Krankenkassenkarte und meine Telefonnummer hinterlege.

Ich bekomme einen Garderobenchip mit einer Nummer, der andere Garderobenchip wandert in einer Schale mit meinen Testunterlagen zu einer der Teststationen.

An einer der Teststationen wird meine Nummer aufgerufen, ich gehe hin und werde kurz vorgewarnt. Mir wird das Teststäbchen in Rachen und Nase gerammt, ich bekomme den Testzettel mit Barcode und gehe einfach wieder raus.

Um kurz vor 8 war ich in der Schlange, um 8 begannen die Tests, um Viertel nach 8 war ich bereits auf dem Weg zu meinem Auto.

Auf dem Testzettel ist zwar kein QR für die Corona-app, aber ein Barcode für eine Selbstauskunft den ich auf der Seite Covid19.labor-daten.de scannen bzw. Eine Nummer eingeben kann und dafür einen Befund bekomme.

Dafür, dass Duisburg so einen schlechten Ruf hat und in der Top5 der Neuinfektionen ist - ein sehr effizienter Prozessablauf, habe ich ehrlich gesagt nicht mit gerechnet.