Erdkröte verhindert Batterie-Fabrik in Berlin

Ich wohne in NRW und würde gerne wissen, wie in Berlin darüber gesprochen / diskutiert wird.
Als Arbeitsloser in NRW kann man darüber schmunzeln, aber als Arbeitsloser in Berlin betrifft einen das ja viel direkter.

https://www.focus.de/regional/berlin/erdkroete-verhindert-batterie-fabrik-in-berlin_4c71b7f8-790e-4d74-a0fe-adce6850f47b.html

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Ich verstehe das Problem nicht so ganz. Die Fabrik wird ja gebaut – aber eben in Franken. Dort dann in “schon bestehender Infrastruktur”, also vermutlich sehr viel ressourcensparsamer und auch gegen Kröten abgesichert.

Die Arbeitsplätze entstehen also trotzdem und die Kröten dürfen am Leben bleiben. Win-Win würde ich sagen. Auf einen hypothetischen Berliner Arbeitslosen zu verweisen halte ich für eine unseriöse Argumentation. Den selben hypothetischen Arbeitslosen gibt es auch in Franken.

Das fränkische Lichtenfels ist übrigens nahe der ehemaligen innerdeutschen Grenze und damit in einem traditionell strukturschwachen Gebiet zwischen Bamberg und Coburg. Vielleicht ist da eine Batteriefabrik wirtschaftspolitisch sogar besser aufgehoben, so im Sinne der Förderung auch ländlicher Räume?

Und zur Kröte: hört sich natürlich toll an so eine Schlagzeile “Kröte vs. Arbeitsplätze”. Artenschutz ist aber kein linksversifter Öko-Luxus. Das Artensterben verursacht enorme gesellschaftliche Kosten. Ökosystemleistungen sind kaum durch staatliche oder privatwirtschaftliche Dienstleistungen kompensierbar. Und wir wissen schlicht nicht, wie viele tote Kröten eine Kröte zu viel sind und in einer Kettenreaktion zum Zusammenbruch ganzer Ökosysteme führen würden. Was kostet es, alle insektenbestaubten Pflanzen in der Landwirtschaft zukünftig von Hand zu bestäuben? Was kostet die Bildung von Humus für einen fruchtbaren Boden? Auch das will der “Berliner Arbeitslose” sicher nicht aus eigener Tasche zahlen.

Irgendwer regt sich sicher ordentlich auf. Sollte das in irgendeiner Form die eigene Beurteilung der Situation beeinflussen, egal in welche Richtung?

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Der “Berliner Arbeitslose” ist immerhin in guter Gesellschaft mit den “Berliner Wohnungslosen”; konkret mal wieder an einem Beispiel:

Berlin sticht tatsächlich besonders hervor mit Artenschutz-Baustops.

Aus meiner Sicht ist es schon geboten, über Sinn und Unsinn z.B. von Verbandsklagerecht zu sprechen und wie Güterabwägungen (inkl. Umsiedlungen) getroffen werden oder individuenbezogener Artenschutz gefordert wird.

Überspitzt auch gesagt: Milliarden von Insekten auf Autoscheiben zermatschen ist okay, aber drei (nur über Kotfunde Vermutete) Zauneidechsen verhindern Infrastrukturprojekte der Bahn? Nunja.

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Also weil Verbände klagen und Gerichte dann rechtswidriges Verhalten/Entscheidungen unterbinden, schaffen wir das Verbandsklagerecht ab? Was ist das für ein Rechtsverständnis? Wenn die AfD erfolgreich in Köln klagt, entziehen wir ihr demnächst auch einfach das Klagerecht, weil uns das Ergebnis nicht passt?

Den Unwillen, auch ökologische Grenzen zu akzeptieren, bevor die Ökosysteme abstürzen, die wir zum Überleben brauchen, ist auch so eine sonderbare Haltung. Wenn man sich anschaut, wie schnell wie viele Tierarten aussterben, weil der Mensch es noch in den reichsten Staaten überhaupt jemals, immer etwas bequemer haben will und noch mehr Lebensraum monopolisiert, ist die Geringschätzung des Artenschutzes schon etwas irritierend. Für den (Wohn-)raum gilt in Deutschland ähnlich, wie für Geld: Es wäre reichlich für alle da, es wird nur nicht fair verteilt, sondern zunehmend dynastisch oligarchisiert. Das auch noch mit dem Argument zu begründen, dass man anderswo ja noch mehr Tod und Zerstörung in der Tierwelt verursacht, ist bemerkenswert.

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Also auf meiner Windschutzscheibe zermatschen praktisch überhaupt keine Insekten mehr, was ein Anzeichen für die Katastrophe ist, in die wir hineinsteuern.

Diese platte „Kröte vs Arbeitsplatz“ Rhetorik zeigt ganz deutlich: Problem nicht verstanden, also auch keine Chance, eine sinnvolle Lösung zu entwickeln. Solche sinnvollen Lösungen gibt es ja. Das Verbandsklagerecht abzuschaffen gehört mit Sicherheit nicht dazu.

Im Zusammenhang mit Windrädern wurde in der Lage beispielsweise diskutiert, wie man die Einschränkung eines Lebensraums durch die Schaffung anderer Lebensräume kompensieren kann. Sicher auch für Kröten möglich, kostet aber Geld und Planung. Die Batteriefirma hat scheinbar lieber eine Alternative umgesetzt, die nicht mit Kröten in Konflikt gerät. Auch ok.

Würde mich wundern. Vielleicht wird das mehr berichtet, aber wir mussten auch im ländlichen RLP beim Renovieren einer Scheune ein Artenschutzgutachten machen lassen. Generell dürfte davon auszugehen sein, dass Konflikte mit Artenschutz vor allem dort auftreten, wo es Arten gibt. Sowohl von der Fläche, als auch dem existierenden Bebauungsgrad ist Berlin dafür nicht prädestiniert.

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geeignete Ausgleichsmaßnahmen geben, also die Schaffung eines geeigneten Habitats in der Nähe. Oder Freilassung des gefundenen Habitats inkl. Zu- und Abwanderungskorridoren. Für den Bau kann es auch noch weitere Einschränkungen bedeuten, z.B. ein Bau außerhalb bestimmter Zeiträume. Die Einschränkung kann schon sehr extrem und kostspielig werden. Hier war es anscheinend so kostspielig, dass eine Alternative attraktiver wurde.

Den vorliegenden Fall kann ich nicht bewerten, es gibt aber auch extreme Absurditäten. Bei einem unserer Solar-Freiflächenprojekte musste eigens ein Amphibienkonzept erstellt werden, dass 1 Jahr Verzögerung bedeutete und uns letztlich nur ein 2 Monate längeres Baufenster gibt bei massiven Begleitmaßnahmen wie kilometerlangen Schutzzäunen. Dabei hatten wir schon angeboten, dass innerhalb der Laich- und Wanderzeit (März bis November!!) keine Aktivitäten vorgenommen werden, die die Tiere mehr einschränken als die landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die dort momentan stattfindet. Soll heißen die Landwirtschaft darf die Tiere einschränken aber finalisierende Arbeiten eines Solarparkbaus sind nicht zulässig.

Also manchmal hat der Ansatz des Individuenschutzes (die tatsächlich vorhandenen Tiere sollen geschützt werden anstatt ein Gesamtbestand in einer Region verbessert) extreme Auswirkungen.

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Die übliche Hypermoralisierung. Ich spreche ausdrücklich von Güterabwägung und bin der Meinung, dass diese nicht immer sinnvoll geschieht. Ein ganzer “Absturz der Ökosysteme” wegen drei Zauneidechsen, fünf Großohrfledermäusen oder zwei Erdkröten, die eventuell sogar inmitten urbaner Lebensräume gefunden werden, ist wohl kaum zu befürchten.

Da möchte ich doch mal Daten, Fakten und ein Vorgehen zu sehen, wenn du diese steile Behauptung als Argument gegen Bauvorhaben in den Raum stellst.

Verbandsklagerecht in der gegenwärtigen Form ist die deutsche Unsetzung der Aarhus-Konvention. Meines Wissens sind nur die Niederlande und Schweden in ihrer Umsetzung ähnlich rigoros, Österreich zum Beispiel weiß ich, ist deutlich restriktiver. Dort werden Lücken durch staatliche institutionalisierte Umweltanwaltschaften geschlossen.

Warum man unbedingt NABU und DUH zugestehen muss, komplexe Infrastrukturprojekte zu sabotieren, leuchtet mir deshalb nicht ein. Es gibt andere, kontrolliertere Lösungen.

Alternativ kann man natürlich auch Artenschutzgesetze in ihrer spezifischen Form kritisch hinterfragen. Hier gilt in Deutschland Individuenschutz und nicht Populationsbetrachtung. Spätestens wenn Artenschutz und Klimaschutz (konkret Vogelschutz vs Windkraft) in Konkurrenz stehen, wird offensichtlich, dass natürlich immer eine Güterabwägung stattfinden muss.

Weshalb du hier die AfD heranziehen musst, ist mir nicht klar. Verbandsklagerecht hat damit überhaupt nichts zu tun.

Recht fällt nicht vom Himmel, sondern ist eine gemeinsame gesellschaftliche Entscheidung und darf natürlich diskutiert werden. Wie gesagt: Güterabwägung.

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Kein Problem:

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts hat sich die Fläche für Siedlung und Verkehr von 1992 bis 2024 von 40.305 auf 52.266 Quadratkilometer (km²) ausgedehnt.

Quelle: Umweltbundesamt

Das entspricht einem Zuwachs von ca. 505 m2 auf 625 m2 pro Einwohner. Gleichzeitig ist die land- und forstwirtschaftlich genutzte Fläche etwa stabil. Diese Flächen sind übrigens weitgehend nutzlos aus Sicht der Artenvielfalt.

Der Schluss liegt nahe, dass wir immer mehr Platz brauchen, weil ein relativ kleiner Teil der Bevölkerung immer mehr in Beschlag nimmt. Die Einfamilienhäuser werden immer größer, genauso wie die Autos. Industrie- und Gewerbebauten entstehen auf der grünen Wiese, anstatt vorhandene Infrastruktur neu zu nutzen – womit im Endeffekt die Kosten der Ökosystemzerstörung vergesellschaftlicht werden (denn diese Kosten stecken im Bodenpreis nicht drin und würden auch nicht der Allgemeinheit zugute kommen, wenn sie es wären), während die Kostenvorteile von den Eigentümern der Immobilien eingestrichen werden.

In der Güterabwägung kann es natürlich immer einzelne Projekte geben, in denen die Vorteile diese Nachteile aufwiegen. Wir haben in Deutschland aber einen massiven Einbruch der Artenvielfalt und der Ökosystemleistungen zu verzeichnen, was Kosten verursacht, die kollektiv getragen werden müssen. Gleichzeitig erleben wir eine zunehmende Vermögensakkumulation. Die Schlussfolgerung ist also eindeutig, dass hier überwiegend nicht angemessen abgewogen wird.

NABU und DUH klagen nur bestehendes Recht ein. Warum sollte es diese Möglichkeit nicht geben? Recht ist Recht und dem Gesetzgeber steht es frei, dieses Recht zu ändern, wo die Verfassung keine Grenzen setzt. Es scheint mir unglaublich einleuchtend zu sein, dass geltendes Recht durch Organisationen eingeklagt werden kann, die in dem jeweiligen Rechtsbereich Expertise haben.

Also Lösungen, in denen das geltende Recht nicht so effektiv durchgesetzt wird?

Da bin ich sogar bei dir. Ob das einzelne Bauprojekte immer vereinfachen würde, bezweifle ich aber. Denn dann müssten sehr aufwändige Populationsschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Ich vermute, dass Wirtschaftsvertreter hier eher darauf spekulieren, dass diese Maßnahmen dann durch die öffentliche Hand finanziert werden.

Aus meiner Sicht macht der Ansatz des Populations- und Lebensraumschutzes durchaus Sinn. Aber nicht, weil er weniger kostet oder Bauvorhaben vereinfacht (tut er nicht), sondern weil er die Möglichkeit bietet, übergreifende Artenvielfaltsstrategien umzusetzen, anstatt auf einzelne Populationen zu schauen.

Ich empfehle, sich mal mit Konzept der “Kipppunkte” vertraut zu machen. Wird im Kontext des Klimawandels viel diskutiert, gibt es aber auch bei der Artenvielfalt. Und wir wissen eben bei keiner Art und bei keinem Ökosystem, wo genau der Kipppunkt ist. Wir wissen nur, dass es ihn gibt.

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Wie viele solcher Ausweichflächen haben wir denn noch, die als dauerhafte Schutzflächen umgewidmet werden können?

Wäre hier nicht ein Bundesplan notwendig, der ein Gesamtbundesschutznetz mit Korridoren aufstellt, so dass die Tiere auch wandern und sich in neuen Gebieten ausbreiten können?

Hab mal von einem Projekt in Frankreich gehört, da würde ein Tümpel angelegt, der dann wiederum etliche Vogelarten angezogen hat.

Also mal fiktiv, der Bund stellt einen Bundestümpelplan auf. Z.B. pro x km2 ein Tümpel. Wer eine Ausgleichsfläche benötigt, der kann sich an dem Tümpelplan beteiligen. Oder wie werden aktuell Ausgleichsmaßnahmen “gefunden”?

Wenn man den Artikel liest, dann geht’s hier nicht nur um Artenschutz. Zumindest bei dem einen Artikel. Den anderen hab ich nicht gelesen.

Beantragt hatten den Stopp der Abrissarbeiten, die Anfang März beginnen sollen, die Verbände NaturFreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand. Sie wollen das zu DDR-Zeiten als Prestigeprojekt erbaute SEZ auch erhalten, weil es für viele Menschen aus Ostdeutschland große emotionale Bedeutung habe. Viele Bürger fühlten sich übergangen und missachtet. […] Anfang Dezember forderten mehr als 150 Wissenschaftler in einem offenen Brief den Erhalt des SEZ – wie zuvor schon eine Bürgerinitiative

Aber mal davon abgesehen. Ist das normale verfahren nicht, wenn man 3 schützenswerte Eidechsen findet, Fortpflanzungszeit abwarten, Eidechsen umsiedeln, bauen? So habe ich es zumindest schonmal von einem Landschaftsarchitekten gehört.

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Und was ist dein Lösungsvorschlag dazu? Boomer aus ihren Häusern werfen? Vermieter enteignen?

Ich bin mir sehr sicher, dass das betroffene Gelände des Cleantech Business Parks keinen besonderen Einfluss auf größere Ökosysteme hat bzw. die seltene Erdkröte genau dort keine Schlüsselart ist. Du kannst dir natürlich auch gerne sicher sein, dass es genau andersherum ist.

Es wird auch heute schon abgewogen, was wo gebaut werden darf und was dafür in Kauf zu nehmen ist. Ich bin der Meinung, dass man sich Naturschutz auch leisten können muss und dann gerne mehr Naturschutzgebiete ausweisen, aber dafür urbane Räume für Mensch und Wirtschaft nutzen.

Geht es nun um Krötenschutz oder sozialistische Gesellschaftsvorstellung?

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Ein Lastenausgleich hat mit Sozialismus nichts zu tun. Bitte erspare uns dieses ermüdende Framing einer notwendigen Vermögenssteuer.

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Hä? Du wolltest “Daten, Fakten” für die Behauptung haben, dass “reichlich [(Wohn-)raum] für alle da” ist. Die habe ich geliefert, denn pro Einwohner haben wir heute deutlich mehr Siedlungsfläche als noch vor 30 Jahren. Da unsere Spezies in diesen drei Jahrzehnten keine neuen biologischen Anforderungen entwickelt hat, die mehr Wohn-, Industrie- und Verkehrsfläche nötig machen würde, sollten wir also ohne Probleme mit der bisher besiedelten Fläche zurecht kommen. Stattdessen wird jedes Jahr mehr Fläche in Siedlungs- und Verkehrsgebiete umgewandelt.

Aber ich bin ja auch pro Lösungsvorschläge, also hier mal ein paar Ideen:

  • Wer neue Siedlungs- und Verkehrsflächen erschließt, der sollte neben den Kaufpreis an den Eigentümer auch die daraus resultierenden Umweltkosten an die Gemeinschaft zahlen. Und nein, die Grunderwerbssteuer reicht da nicht aus. Das würde einen starken Anreiz setzen, schon bestehende Wohn- und Nutzflächen effizienter zu nutzen, anstatt sich immer weiter in die Natur zu fressen.
  • Wir sollten anstatt der Grundsteuer eine Bodenwertsteuer einführen. Auch die wäre ein starker Anreiz, schon bebaute Gebiete möglichst effizient zu nutzen.
  • Es sollte konsequent das Verursacherprinzip angewendet werden. Also realistische CO2-Preise, aber die selbe Nummer auch für den übermäßigen Konsum anderer Ökosystemleistungen. Über die Verwendung der so erwirtschafteten Erträge kann man diskutieren, ich persönlich bin für eine Mischung aus Pro-Kopf-Auszahlung (denn das hat starke positive soziale Effekte) und die direkte staatliche Investition in Klima-, Arten- und Umweltschutzmaßnahmen.
  • Exzessiver Ressourcenkonsum sollte durch Besteuerung und Abgaben, in Extremfällen auch durch direkte Regulierung, unattraktiv bis unmöglich gemacht werden. Es gibt kein Grundrecht auf 500 m2 tiefgrünen Rollrasen im dritten Dürresommer. Jede:r kann sich gerne einen absurd schnellen Ferrari kaufen. Aber wer das Geld dafür hat, der kann es sich auch leisten, die dadurch entstehenden Umweltkosten zu tragen.
  • Neben der Energieeffizienz im Betrieb sollte beim Neubau auch die “graue Energie” in den Fokus genommen werden. Die konsequente Bepreisung von CO2 ist da sicher ein sinnvoller Ansatz, aber dann muss das auch die Emissionen einbeziehen, die bei Beton beispielsweise beim Aushärten anfallen (und nicht nur bei der Herstellung).

Nur mal so spontan.

Schön, dass du dir da sicher bist. Aber warum soll denn der “Cleantech Business Park” gegenüber anderen Bauvorhaben innerhalb Deutschlands bevorzugt werden? Entweder setzt man Artenschutz konsequent überall um, oder eben nirgends. Und für eine stark gefährdete Art kann es durchaus relevant sein, ob eine Handvoll Individuen durch so eine Aktion hopps gehen. Da spielen schließlich auch genetische Vielfalt und lokale Anpassung eine Rolle.

Wir sind was den Zustand unserer Ökosysteme angeht längst an dem Punkt angekommen, wo wir uns einen Verzicht auf Naturschutz nicht mehr leisten können. Nur wird die Zeche aktuell eben durch die Allgemeinheit auf sehr diffuse Weise gezahlt. Die Diskussion um den Klimawandel würde sicher anders aussehen, wenn nach der Ahrtal-Überschwemmung jeder Bundesbürger eine Rechnung über 375 Euro zugestellt bekommen hätte (30 Milliarden staatliche Hilfe geteilt durch 80 Millionen Einwohner, wobei die 30 Milliarden ja längst nicht die vollständigen Kosten dieses einen Ereignisses sind).

Wo ich das so schreibe: gute Idee. Nimm’s zu den Lösungsvorschlägen dazu. Bei jeder ausgestorbenen Art werden die daraus vermutlich resultierenden Kosten einfach direkt auf den jährlichen Steuerbescheid aufgeschlagen.

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Du kannst sehr gerne anderer Meinung als ich sein. Aber wenn du nicht verstehst, wo der Zusammenhang zwischen Krötenschutz und moderner progressiv-linker politischer Theorie ist, dann hast du da eine Bildungslücke. Wobei selbst ein rudimentäres Verständnis von Marx und Co. hier Hinweise liefern sollte. Und nein, mann muss einer politischen Ideologie nicht zustimmen um sich die Mühe zu machen, sie zu verstehen. Vielleicht kann man sogar ein paar interessante Dinge dabei lernen.

Ich würde mich selbst übrigens nicht als Sozialisten definieren. Ich bin Vermieter, Erbe, Unternehmer und Kind eines Unternehmers und habe damit keine ideologischen Probleme. Aber man muss kein Sozialist sein um zu sehen, dass unsere Gesellschaft auf vielen Ebenen in eine ziemlich ungesunde Richtung läuft, die für uns alle die Zukunft schlechter und nicht besser machen wird. Wenn ich für eine Lösung dieser Probleme mit einer Vermögenssteuer und weniger Neubaugebieten leben muss, dann finde ich das persönlich in Ordnung.

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So eine Batteriefabrik in Deutschland überlebt doch eh keine 5 Jahre.

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Auch wenn wir etwas nicht genau wissen, müssen wir bei Entscheidungen doch eine Güterabwägung vornehmen. Und dass ein paar Kröten ein bestimmtes Grundstücks betreten können, wird durch die Entscheidung als letztlich als für Berlin wertvoller als 380 Arbeitsplätze gehalten.

Dass dadurch, dass ein paar Kröten ein bestimmtes Grundstück nicht mehr betreten können, keine Insekten mehr Pflanzen bestäuben würden und kein Humus mehr gebildet würde, erscheint völlig unwahrscheinlich. Bevor man so etwas zu einer Entscheidungsgrundlage macht, sollte man diese Hypthese wohl Experten zur Beurteilung vorlegen.

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Ausgleichsflächen können so ziemlich alle momentan ökologisch unnützen Flächen werden, zum Beispiel Ackerflächen, die zum Tümpel werden (so ziemlich die teuerste Ausgleichsmaßnahme, da dieser Tümpel ganzjährig einen bestimmten Wasserstand plus spezifische Vegetation braucht).

Dabei sollte der Ausgleich möglichst nahe am Eingriff stattfinden, damit die betroffenen Individuen in die Ausgleichsfläche wandern. Teilweise ist es eine CEF-Maßnahme, bei der die Annahme des Ausgleichs durch die betroffenene Art nachgewiesen sein muss, BEVOR der Bau stattfinden darf. Das ist aus planerischen Sicht der Wirst Case, da man hier von den Individuen abhängig ist.

Die Idee von Artenschutzkorridoren ist auch fast von der EU beschlossen worden und wird in den UK schon umgesetzt. Das sind dann hunderte Meter breite und kilometerlange Flächen, in denen bestimmte Maßnahmen stattfinden. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist das ein reiner Traum , da wirklich wirkungsvoll.

In der EU ist aber realistisch die landwirtschaftliche Lobby viel zu stark als dass so etwas durchgesetzt wird. Die Korridore könnten zB durch Ausgleichszahlungen von Bauprojekten finanziert werden. Das würde allerdings auch eine Abkehr vom Individuenschutz bedeuten. Bestrebungen zur Abkehr vom Individuenschutz gibt es bereits und auch die Idee von Ausgleichszahlungen. Ich bin dabei nicht optimistisch, dass diese Zahlungen 1-1 für sinnvolle ökologische Projekte genutzt werden. Der Vorschlag kommt aus der CDU-Ecke und ich befürchte es geht nur um Planungsbeschleunigung + dass die Einnahmen dann zweckfremd eingesetzt werden. So meine Befürchtung

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Die übliche, falsche Verwendung des Moralbegriffs. Keine Ahnung wann es angefangen hat, das Moral als irgendwie unfaires Argument gilt. Mal davon abgesehen, dass mein Hinweis auf ökologische Grenzen überhaupt nicht im engeren Sinne ein moralisches, sondern ein zutiefst egoistisches Argument ist. Ich hab hoffentlich noch so in etwa die zweite Hälfte meines Lebens vor mir. Ich möchte mich in diesen Jahrzehnten wirklich lieber permanent als grünen Hysteriker verlachen lassen, als Recht zu behalten. Wo ist da das moralische Kriterium? Du kannst ja das Argument inhaltlich angreifen, aber es ist jedenfalls kein moralisches.

Sabotage läge doch nur vor, wenn Klagen missbräuchlich eingesetzt werden. Ansonsten sollen halt die zuständigen Regierungen und Behörden einfach geltendes Recht einhalten, dann können die Verbände klagen, soviel sie wollen.

Nur insofern, als mir manche Gerichtsentscheidungen auch nicht passen. Ich käme aber nicht auf die Idee, deswegen einem Kläger das Klagerecht zu entziehen. Wenn ich der Meinung bin, Gerichte würden dauernd aus meiner Sicht falsche Urteile sprechen, gibt es zwei rechtsstaatliche Reaktionen darauf: Ich kann Gesetze ändern, erneuern oder abschaffen, sodass die Gerichte in bestimmter Hinsicht eben anders abwägen müssen, oder ich kann mich einfach an Gesetze halten. Das Problem, um das es den meisten Kritikern des Verbandsklagerechts nämlich geht, ist ja nicht, dass die Verbände klagen können, sondern dass sie diese Klagen gewinnen (auch wenn bspw. Bayern sich dann einfach nicht an letztinstanzliche Urteile hält). Deswegen wollen die nicht, dass zukünftig geltendes Recht eingehalten wird, sondern dass Recht gebrochen werden kann, ohne dass diejenigen, die dagegen klagen wollen würden, noch dagegen klagen können.

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Ich erhöhe auf 8 Jahre, aber nur wegen üppiger Subventionen :grin:

Genau das ist der Punkt. Artenschutz wird in diesem Fall vorgeschoben, um die eigene Agenda (hier: DDR-Relikt-Liebe) zu unterstützen, ganz einfach deshalb, weil es geht.

Mein Verweis kommt genau aus obigem Punkt. Man versteckt sich hinter Artenschutz.

Ich schrieb: “Daten, Fakten und Vorgehen”. Die Behauptung, auf die ich mich bezogen habe, war, es gäbe genügend Raum für alles und jeden und man müsste nur die Verteilung ändern.

Soll er nicht. Artenschutz in städtischer Umgebung halte ich aber für Quatsch, da die Tiere sich von dort nicht mal fortbewegen können. Meinetwegen kann man gerne halb Brandenburg mit Erdkröten besiedeln, aber in der Stadt ist das ein unnützes Feigenblatt. Die Stadt ist für den Menschen geschaffen (d.h. Grünflächen, Kühlung etc. gerne als Ziel, aber nicht der Schutz von fünf Kröten vor Umsiedlung).

Ich verstehe es sehr wohl, halte es aber für falsch. Ich finde es nicht in Ordnung, wie du versuchst, herabzuwürdigen.

Ist das dann ein Salon-Linker, wenn schon kein Sozialist? Naja, egal, es führt vom Thema weg.

Zusammenfassend als Abschluss: Meiner Ansicht nach wird Artenschutz vielfach vorgeschoben, um die eigene (antikapitalistische?) Agenda durchzudrücken. Es gibt Fälle, da macht es Sinn; es ist gut, Naturschutzgebiete auszuweisen, aber ich teile nicht die Ansicht, dass man innerstädtisch Kröten schützen muss.

Die vorherrschende Meinung hier scheint aber zu sein, dass jegliche Artenschutzinitiative immer sinnvoll und richtig ist und wer das nicht teilt, hat eine Bildungslücke und ist schwer von Begriff.

Damit kann ich gut leben.

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