Energiewende? Nicht als Mieter!

Ich möchte dieses Thema vorschlagen, weil da aus meiner Sicht von Gesetzgeber-Seite noch einige Luft nach oben ist.
Zwei Beispiele aus meinem Leben als Mieter:

Balkonkraftwerk
Vor über einem Jahr haben wir uns entschieden, ein 800 W Balkonkraftwerk an unserem Balkongeländer anbringen zu wollen.
Unser Vermieter ist begeistert von Solarenergie und hat uns in dem Entschluss bestärkt.
Dazu lag sogar schon ein Beschluss der WEG vor. Grundsätzlich ist demnach das Anbringen von Balkonkraftwerken gestattet, allerdings mit Auflagen. Eine dieser Auflagen sieht vor, dass die Panels in keiner Richtung über das Balkongeländer hinausragen dürfen. Leider ist unser Balkongeländer sehr klein, da es pro Seite des Balkons noch jeweils von einem Betonpfosten unterbrochen wird. Jedenfalls konnten wir nach ausführlicher Recherche und auch Beratung beim Fachhändler keine Panels finden, die die geforderten Maximalmaße nicht überschreiten und auch nur annährend an die 800 W herankommen. Nach Rücksprache mit dem Vermieter haben wir deshalb bei der WEG den Antrag gestellt, das Anbringen von handelsüblichen Panels zuzulassen, die bei vertikaler Positionierung jeweils einige Zentimeter über und unter die Balkongeländer hinausragen. Nach einigem Hick-Hack, auf den ich hier jetzt nicht eingehen möchte, wurde nun über ein Jahr später (!) in einer Eigentümerversammlung (Umlaufverfahren war angeblich nicht möglich) über unseren Antrag abgestimmt (natürlich in unserer Abwesenheit, als Mieter werden wir dort ja nicht eingeladen) - er wurde abgelehnt, mit nur einer Gegenstimme (von unserem Vermieter) und einer Enthaltung.
Wir haben uns daraufhin bei einem Anwalt für Baurecht über mögliche Schritte informiert, was wir gegen diesen Beschluss tun können, da dieser aus unserer Sicht aufgrund der beschriebenen Auflagen unser Recht auf ein Balkonkraftwerk aushöhlt. Turns out: Als Mieter können wir da überhaupt nichts machen, allein der Vermieter könnte den Beschluss anfechten (und das auch nur innerhalb einer gesetzlichen Frist von vier Wochen). Aber: Warum sollte der Vermieter das tun? Er hat uns zwar unterstützt und unseren Antrag vor der WEG vertreten, aber warum sollte er ernsthaft nun für uns eine Klage anstrengen?
Wir sind hier als Mieter vom Gesetzgeber also alleinegelassen worden.

Wallbox
Wir würden uns außerdem gerne ein E-Auto anschaffen, das wir natürlich gerne auf unserem Tiefgaragenstellplatz laden würden. Aktuell haben wir an unserem TG-Stellplatz keinerlei Stromanschluss. Dieser müsste zunächst verlegt werden, um dann eine Wallbox anbringen zu können. Auch hier unterstützt uns unser Vermieter und hat bei der Hausverwaltung nachgefragt.
Es gibt in der TG schon einige wenige Wallboxen von anderen Eigentümern. Gemäß bereits erfolgter Lastmessung sei es möglich, dass wir eine weitere Wallbox in der TG anbringen. Allerdings handele es sich dabei um eine bauliche Maßnahme, die - Überraschung! - einen Beschluss der WEG erfordere und auch keinen Beschluss im Umlaufverfahren zuließe. Unser Antrag werde auf die Tagesordnung der nächsten Eigentümerversammlung gesetzt. Diese sei terminiert für das zweite Quartal 2027. Sprich, wir müssen jetzt ein ganzes Jahr warten, bis überhaupt über unseren Antrag auf die Anbringung einer Wallbox abgestimmt wird. Auch hier sind wir der Meinung, dass der Gesetzgeber das Vorgehen deutlich verbessern könnte, wenn er wollte.

Kurzum: Wir sind extrem frustriert und würden uns wünschen, wenn das Thema in einer LdN Folge aufgegriffen werden könnte.

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Das klingt wirklich sehr frustrierend.
Ich kenne mich mit WEGs nicht sonderlich aus. Aber für mich wäre da naheliegend, dass solche Beschlüsse doch irgendwie schneller möglich sein müssten.

Ich hatte schon mal länger danach recherchiert; welche Abmessungen hat denn euer Balkon Geländer? Ich denke, da müsste es schon was passendes geben, auch wenn es dann vielleicht nicht ganz für 800 W reicht :slight_smile:

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Ich finde das Thema spannend - aber eigentlich beschreibt das in erster Linie die Probleme mit WEGs… also das wäre genauso nervig, wenn ihr irgendwas anderes am Parkplatz ändern müsstet (bspw. barrierefreiheit) aber vielleicht wären WEGs tatsächlich ein interessantes Thema für sich

(generell könnte ich mir einen Lage-Ableger zu Themen rund um Wohnen/Mieten/Vermieten usw. gut vorstellen, da würde das dann perfekt passen)

Danke für eure Antworten.
Die Beschreibung unserer Erfahrungen war zu Illustrationszwecken.
Worum es mir geht:

Wie soll in einem Land, in dem über die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnt (Quelle: Statistisches Bundesamt) die Energiewende (im Bereich Gebäude und Verkehr) gelingen, wenn die rechtliche Situation so ist, dass man als Mieter komplett auf Vermieter und WEG angewiesen ist und zusätzlich keinerlei rechtliche Handhabe hat, um zum Beispiel rechtswidrige WEG Beschlüsse anzufechten? (Das Thema Heizen ist davon natürlich auch betroffen)

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Habt ihr Euch auch mal nach flexiblen Solarpanellen umgeschaut? Die gibt es auch in kleineren Abmessungen, ggf. passt es dann auch zu Eurer Einbausituation (ohne „hinausragen“).

Der Wirkungsgrad von flexiblen Paneelen ist etwas geringer, dafür wiegen sie deutlich weniger und sind dann auch leichter zu befestigen.

Danke für eure Empfehlungen. Ja, darüber hatten wir uns auch informiert.
Aber nochmal: Es geht mir mit meinem Post nicht um unseren speziellen Fall, sondern um das Problem, das dahinter liegt :slightly_smiling_face:

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Wie bereits geschrieben verstehe ich deinen Frust und sehe die Probleme, ich glaube aber dass die von dir beschriebenen Themen weniger Energiewende-spezifisch sind und mehr mit generellen Problemen mit WEGs zu tun haben (was nicht heißt dass man sie ignorieren sollte, sondern einfach nur den Fokus von einer Energiewende-Debatte zu einer Debatte der Wohnungspolitik verlagert)

ein rechtswidriger Beschluss deines Vermieters ist zwischen euch, da kann man dann im Zweifel direkt klagen usw. bei den WEG kommt ein völlig neues Element von Fristen usw. ins Spiel und wie schon gesagt, wäre das bei Barrierefreiheit oder ähnlichem ein ähnlich großes Thema

Finde es schon leicht irritierend, dass die gesamte WEG über PV Module an meinem edit: Balkon (sagen wir mal ich wohne in der Wohnung selbst) oder Änderungen an meinem Garagenstellplatz entscheiden darf. Das ist doch eher das Problem.

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