Energiewende: Gaskraftwerke, Primärenergie, Industriestrompreis

Gerade habe ich einen hörenswerten Podcast “Geladen - Batterien vs. Gaskraftwerke” mit Dirk Specht gehört. Hier werden verschiedene Themen von Primärenergie, Nutzenergie, Industriestrompreis und die geplanten Subventionen für 8 GW Gaskraftwerke behandelt.

Vor dem Hintergrund der geplanten Ausschreibung der Gaskraftwerke würde ich mir das Thema noch einmal in der Lage der Nation wünschen.

Viele Grüße aus Hamburg,
Klaas

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Ein sehr guter Podcast. Danke fürs Posten.

Ergänzen will ich noch:

Bitte versucht, kurz den Inhalt wiederzugeben, wenn ihr Videos oder Artikel postet.

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Kurzzusammenfassung:

Lasst die bestehenden Kohlekraftwerke und Gaskraftwerke weiterlaufen, baut keine neuen Kraftwerke, baut mehr Energiespeicher vor allem an netzdienlichen Knoten. Es kommt bei bestehenden fossilen Kraftwerk darauf an die Laufzeiten zu reduzieren und nicht Kraftwerke aus dem Netz zu nehmen. Die Kette der Gasförderung bis zur Verbrennung ähnlich umweltschädlich wie Kohlekraftwerke. Herr Specht sieht keine Notwendigkeit neue Kraftwerke zu bauen, wenn keine alten stillgelegt werden.

Reduziert bürokratische Hürden z.b beim Aufbau von Energiespeichern durch Netzbetreiber (kauf doch einfach einen Container bei BYD und stellt ihn auf).

Ändert die Auflagen auf Basis der Berechnung der zulässigen Spitzenlast vor einem Zugangsknoten, dahinter kann mehr ausgebaut werden und mehr Kapazität vorhanden sein als der Knoten in seiner Spitzenlast verträgt, da diese Spitzenlast in einer Kombination mit Wind, Photovoltaik und Batteriespeicher eh nicht gleichzeitig anliegen wird.

Neue Gaskraftwerke besitzen im Gegensatz zu Batteriespeichern keine negative Regelkapazität, das heißt sie können keinen überschüssigen Strom aufnehmen und sind daher wahrscheinlich überflüssig.

Edith: Text

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Genau das funktioniert ja nicht bei Kohlekraftwerken, die nicht ausrechend flexibel sind, nach meinem Wissen. Also laufen sie auf einem Minimum weiter und dann hat man Stromüberschuss im Netz und EE wird abgeregelt.
Oder es gibt nur noch so wenig Laufzeit, dass der Betreiber es, weil unrentabel, abschalten möchte. Kohleausstieg bis 2038. Das war ein politischer Kampf, das wird nicht zurückgenommen werden. Mit der Realität muss er arbeiten. Und dann hat man die Kapazitätslücke.

Zudem setzt er darauf, dass Speichertechnologien sich noch so stark weiterentwickeln, so dass Gaskraftwerke nicht mehr gebraucht werden. Mag sein, aber ist eben eine Wette. Und wie er das Backup für die Dunkelflaute bereitstellen möchte, erschließt sich mir nicht.

Ich bin dabei, dass man nicht jetzt schon 40 GW Gas ausschreiben sollte, sondern hier einen Mechanismus haben sollte, der das kleinteilig verfolgt. Aber ganz kann ich ihm nicht folgen.

Dürfte schon erledigt sein
Netzüberbauung bei Netzanschluss für Erneuerbare Energien: Cable Pooling jetzt möglich | Gleiss Lutz

Das würde ja im Prinzip darauf hinauslaufen, dass Gas und Kohlekraftwerke von der Privatwirtschaft wirtschaftlich nicht mehr zu betreiben sind, und diese in staatlich Hand überführt werden und als reine Backup und Reservekraftwerke dienen. Außer man subventioniert.

Spannend ist auch die Klarstellung, dass Merit Order NICHT ein sich automatisch einstellendes System, sondern ein spezieller künstlicher Markt.

Die Merit Order ist kein Marktversagen, sondern das ökonomisch korrekte Preismechanismus für ein synchrones Stromnetz. Der einheitliche Clearing Preis bildet Knappheit korrekt ab, sichert jederzeit ausreichende Erzeugung und schafft Investitionssignale für Grenzkraftwerke. Für Strom gilt systemisch, Entweder ist er verfügbar oder nicht. Deshalb ist es ökonomisch richtig, dass der teuerste noch benötigte Anbieter den Preis setzt.
Die heutigen Probleme entstehen nicht aus dem Marktdesign, sondern aus der politischen Implementierung. Einspeisevorrang für erneuerbare Energien, garantierte Mindestvergütungen, Preisdeckel und administrative Eingriffe wie Redispatch sind mit der Merit Order nicht kompatibel. Der Markt soll Knappheit anzeigen, darf es aber faktisch nicht. Lokale Netzengpässe werden bürokratisch statt über Preise gelöst, wodurch Preissignale verzerrt oder unterdrückt werden.
Systemisch ist das widersprüchlich Einheitliche Preise, physikalisch lokale Knappheit, entkoppelte Erzeugungskosten und gleichzeitige Versorgungssicherheit lassen sich nicht in einem einzigen Preismechanismus vereinen. Die Merit Order wird dabei fälschlich zum Sündenbock für politische Zielkonflikte gemacht.
Die technisch saubere Lösung wäre ein nodales Strommarktdesign kombiniert mit einem CfD-System für erneuerbare Energien, wie in Großbritannien. Nodalpreise würden reale Knappheiten und Netzrestriktionen abbilden, Investitionen lenken und Redispatch reduzieren. CfDs würden Investitionssicherheit schaffen, ohne den Spotmarkt zu verzerren. Diese Lösung wäre extrem teuer, nicht weil sie Kosten erzeugt, sondern weil sie die tatsächlichen System-, Netz- und Fehlsteuerungskosten sichtbar machen würde. Regionale Preisunterschiede, Ausgleichszahlungen und die Offenlegung politischer Fehlentscheidungen der letzten Jahrzehnte wären unvermeidlich.
Genau deshalb ist sie politisch nicht gewollt. Sie würde Fehler transparent machen, Umverteilung offenlegen und Verantwortung klar zuordnen. Das aktuelle System ist kein kaputter Markt, sondern ein bewusst inkonsistenter Hybrid, der reale Kosten verdeckt, statt sie korrekt abzubilden. Darum Subventioniert man nun stark gegen.

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Die neu gebauten Gaskraftwerke sind genauso unrentabel. Dann kann man auch die alten Kohlekraftwerke stehen lassen und bei Bedarf wieder in Betrieb nehmen. Und ich spare mir die Kosten für den Neubau. Sein Argument ist, die paar Stunden die die Kraftwerke laufen machen die Welt jetzt auch nicht kaputt.

Schließlich ermöglichen ja Wettervorhersagen auf eine gewisse Planbarkeit, zusätzlich zur variablen Kapazitäten von Batteriespeichern. In einem Endzustand gibt es genug Batteriespeicher oder variable Verbraucher, damit EE nicht abgeregelt werden muss.

Also müsste man eigentlich nur die Kraftwerke, die durch den Kohleausstieg in die Reserve gehen in den Kapazitätsmarkt überführen. Mit dem Kohlausstiegsgesetz vereinbar?
Zu seinen Aussagen würde ich gerne mal eine Studie haben, die das mit den konkreten Standorten und Mengen etc. untersucht hat.

Die Frage ist, ob es günstiger ist am Ende flexible Kraftwerke zu haben, die einspringen, wenn EE nicht liefert oder Speicher, die für den Fall vorgehalten werden. Denn im Endausbau muss alles CO2-neutral sein. Und wenn man dafür Kraftwerke braucht, dann ist es einfacher bei Gas Überschüsse in Speicherbare Stoffe zu umwandeln und zu speichern als bei Kohle.