Dass der Emissionshandel aufgeweicht wird, stört mich ehrlich gesagt nur bedingt - Hauptsache er wird endlich mal EU-weit eingeführt.
Aktuell haben Deutschland und Österreich einen klaren Standortnachteil, da beide Staaten als einzige in der EU einen nationalen Emissionshandel (nEHS) haben. Das ist nicht nur mit Mehrkosten verbunden, sondern natürlich auch mal wieder mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand.
Da ich diese Woche wieder in den Genuss kam einige Emissionsberichte erstellen/versenden zu dürfen, hier ein kurzer Umriss des Prozesses, damit ihr ein Gefühl dafür bekommt, was da alles mit dran hängt:
Vorab:
- Das Unternehmen benötigt ein Konto auf der DEHSt Plattform (= Poststelle), hier wird eine Signaturkarte benötigt (Lieferzeit 6-8 Wochen).
- Das Unternehmen benötigt ein Konto auf dem nEHS-Register (= Bankkonto), für die Registrierung von Dritten wird ein Führungszeugnis benötigt.
- Das Unternehmen benötigt ein Konto im FMS Formular-Management-System (= Berichterstellung)
Schritt 1 Überwachungsplan (einmalig):
- Schritt 1.1: Im FMS einen Überwachungsplan erstellen, welcher festlegt, wie, wann und wo welche Arten von Emissionen auftreten und wie diese gemessen werden. (Einmalig, außer bei Änderung)
- Schritt 1.2: Diesen Überwachungsplan im FMS exportieren und auf der DEHSt-Plattform hochladen
- Schritt 1.3: Den Überwachungsplan mit Hilfe einer Signaturkarte und einer virtuellen Poststelle zur DEHSt schicken
Unter Umständen ist noch eine Verifizierung verantwortlich, die Zertifizierungsstellen müssen ja auch was dran verdienen.
Schritt 2 Emissionsbericht (jährlich zum 31.07. über das Vorjahr):
- Schritt 1.2: Im FMS den Emissionsbericht erstellen über Emissionen zum Vorjahr
- Schritt 2.2: Den Emissionsbericht herunterladen und auf der DEHSt-Plattform hochladen
- Schritt 2.3: Den Überwachungsplan mit Hilfe einer Signaturkarte und einer virtuellen Poststelle zur DEHSt schicken.
- Schritt 3.3: Im nEHS-Register die Emissionen melden.
- Schritt 3.4: Über einen Händler die nötigen Zertifikate erwerben und dies im nEHS-Register verifizieren.
Unter Umständen ist noch eine Verifizierung verantwortlich, die Zertifizierungsstellen müssen ja auch was dran verdienen.
Der Leitfaden zu Überwachungsplan und Emissionsbericht ist bereits 248 Seiten lang und natürlich gespickt von Ausnahmen und Sonderfällen. Bestes Beispiel: Ich muss auch den ganzen Prozess durchlaufen, wenn ich nachhaltige Brennstoffe produziere, z.B. Biodiesel. Nur muss ich halt überall „0“ melden…
Nun aber die eigentliche Krönung: In Vorbereitung auf den EU-ETS 2 müssen Unternehmen in Deutschland seit diesem Jahr ZUSÄTZLICH auch schon mal Überwachungsplan und Emissionsbericht für den EU-ETS abgeben. Die sind inhaltlich zwar identisch, die Frist ist aber eine andere (30.04., dieses Jahr 30.06.), aber benötigen IMMER eine Verifizierung durch eine Zertifizierungsstelle. Also nochmal erhebliche Mehrkosten und Zusatzaufwände, insbesondere für jene, die aufgrund der Einfachheit der Anträge bisher von Zertifizierungspflichten befreit waren. Die Frist zum 30.04. ist auch höchst fragwürdig, da für manche Energieträger z.B. Erdgas manchmal noch gar keine Jahresabschlussrechnung vorliegt.
Wie bei vielen EU-Anforderungen übernimmt Deutschland mal wieder eine Vorreiter-Rolle und setzt alles früher, umfangreicher und mit mehr Prüfpflichten um, als alle anderen. Mein anderes Lieblingsbeispiel dafür ist das Energieeffizienzgesetz, bzw. die EU-Richtlinie EED: Während deutsche Unternehmen bereits seit 3 Jahren fleißig Energiemanagementsysteme einführen, das BAFA bereits fleißig Nachweise verlangt und Strafen verhängt, haben z.B. Frankreich und Österreich die Verpflichtungen immer noch nicht ins nationale Recht übernommen. Und selbst wenn - von französischen Unternehmen höre ich „die Pflicht kann gerne kommen, aber bestrafen tut mich eh keiner.“
Fazit: Ja, ich finde es ok wenn der Emissionshandel leicht aufgeweicht wird. Mit den aktuell geplanten Preisen würde das in einigen weniger wohlhabenden EU-Staaten von heute auf morgen die Spritpreise, Heizkosten usw. deutlich erhöhen, das mindert Akzeptanz und treibt die Wähler Richtung Russland. Hauptsache wir führen das Ding endlich mal ordentlich ein und lassen nicht jedes Land die eigenen Regeln aufstellen.