Eltern in Vollzeit, Familienversicherung abschaffen

Moin und vielen Dank für euren tollen Podcast. Ich freue mich immer wieder über eure umfassenden und perspektivreichen Darstellungen, bei diesem Thema fehlt mir aber eine ganz zentrale Sichtweise.

Bei der Diskussion um Möglichkeiten, mehr Mütter in Vollzeit zu bringen, wird immer nur darüber gesprochen, was die Gesellschaft und die Wirtschaft und evt. noch die Eltern brauchen, ich habe aber im letzten Jahr noch nicht einmal etwas dazu gehört, was für Kinder aus entwicklungspsychologischer Sicht die besten Bedingungen zum Aufwachsen sind. Es gibt mittlerweile eine gute Studienlage die belegt, dass frühe Fremdbetreuung von Kindern in der Krippe ein dauerhaft hohes Stresslevel zur Folge hat und Entwicklungsverzögerungen und Anpassungsstörungen nach sich ziehen kann. Wir sprechen zwar über marode Schulen, dass die frühkindliche Entwicklung aber gerade in den Krippen schwer gestört werden kann ist merkwürdiger Weise kein Thema. Ich würde mir wünschen, dass ihr das Thema aus dieser Perspektive noch mal beleuchtet.

Hier sind zwei Links zu interessanten Seiten zu diesem Thema:

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Nach meinem Verständnis ist die Studienlage differenzierter. Es gibt eine Reihe von Untersuchungen, die zeigen, dass sehr frühe und lange außerhäusliche Betreuung – insbesondere in den ersten drei Lebensjahren – mit erhöhten Stressmarkern (z.B. Cortisolanstieg im Tagesverlauf) einhergehen kann. Gleichzeitig finden andere große Studien, dass frühkindliche Betreuung, vor allem wenn sie qualitativ hochwertig ist, auch positive Effekte auf Sprache, Kognition und soziale Kompetenzen haben kann.

Die Effekte auf langfristige Entwicklungsverzögerungen oder klinische Anpassungsstörungen sind insgesamt eher klein, nicht einheitlich und stark abhängig von Rahmenbedingungen (Betreuungsqualität, Gruppengröße, Eingewöhnung, familiäre Belastungen, Umfang der Betreuungszeiten). Eine pauschale Aussage im Sinne von „frühe Krippenbetreuung führt zu dauerhaft hohem Stress und Entwicklungsstörungen“ spiegelt diese Studienlage nicht wider. Eher scheint zu gelten: Je jünger das Kind, je länger die tägliche Betreuung und je schlechter die Qualität der Einrichtung, desto eher können Belastungen zunehmen – umgekehrt kann gute, kindgerechte Betreuung auch entlastend und förderlich wirken.

Die Forschung zu früher Ganztagsbetreuung ist recht eindeutig darin, dass vor allem Kinder aus belasteten oder benachteiligten Familien von qualitativ guter, umfassender Betreuung deutlich profitieren – etwa bei Sprache, Schulbereitschaft und späteren Bildungs- und Erwerbschancen. In Deutschland liegt der Anteil von Kindern in „schwierigen“ familiären Situationen, je nach Definition, bei bis zu einem guten Fünftel aller Kinder.

Letztlich gilt ganz profan: Wenn Kitas schlecht sind, schaden sie dem Kind. Gute Kitas und Kindergärten dagegen fördern die Entwicklung. Bei nicht wenigen Eltern kann das Kind nur gewinnen, wenn es eine Ganztagsbetreuung bekommt.

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Aus meiner Sicht würfelst Du ein bisschen viel durcheinander. Die Familienversicherung soll nicht abgeschafft werden, sondern die kostenfreie Mitversicherung des nicht sozialversicherungspflichtigen Partners in der GKV. Die Kinder bleiben kostenfrei mitversichert. Für den Partner, der bisher mitversichert war, ist dann ein eigener Beitrag zu zahlen. Mit Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit kann man eine „eigene“ Krankenversicherung begründen. Dafür muss man monatlich mehr als in einem Minijob verdienen, also mehr als 603 Euro pro Monat. Das ist kein Vollzeitjob.

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Aber die Abschaffung der Mitversicherung des Partners soll doch erst ab einem Alter der Kinder von 6 Jahren gelten.

Damit ist eine Diskussion um Krippenbetreuung in diesem Kontext doch hinfällig.

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Spannend fand ich, dass es drei Kategorien gab und keine davon hieß “Kostenreduktion gegen Verringerung des Leistungsumfangs. Dass die Abschaffung der FamVers für Ehegatten nicht in diese gehören würde, wird man wohl schlecht begründen können.

Davon abgesehen sind die Zuverdienstgrenzen für den Ehegatten so gering, dass ich da einige Folgefragen berechtigt finden würde.