Oh, das alte Spiel:
Bei vielen ‚konservativen‘ Positionen ist es einfach so, dass die wissenschaftlich und gesellschaftlich überholt sind und die politische Gegenwehr immer schwerer wird (weil es immer mehr informierte Bürger gibt) bzw. man immer radikalere Partner braucht:
- Gleichgeschlechtliche Ehe: Anerkannt inn sehr vielen Ländern.
- Forschung zum Thema ‚Gender‘ und Familienbild - eigentlich sehr konsequent alles Bestätigt was nicht auf konservativer Linie steht.
- Abtreibung - Hoffentlich bald einfacher in D. möglich und dann endgültig.
- Schwarze Pädagogik: Durch eine neue, bessere Generation Jugendlicher (siehe Statistik Gewaltdelikte im Vergleich zu z.B. den 90ern) - einfach widerlegt.
- Klimawandel. …
etc …
Das ganze Weltbild. was durch konservative Jahrzehntelang, sektenartig aufrechterhalten wurde, wird im letzten Jahrzehnt durch die Realität kurz und klein geschlagen und es braucht immer radikalere und autoritärere Gruppen (AFD, Bolsonaro, Orban, Trump, evangelikale Christen) um sich dafür einzusetzen. Die normative Kraft des Faktischen setzt sich halt durch …
Und jetzt mal zur moralischen Überlegenheit: Meine Toleranz für offensichtlichen Bullshit (Sexismus, Rassismus, Klassismus, Transphobie) ist sehr sehr klein und würde jemand so etwas in meinem Haus, auch als geladener Gast, wiedergeben - ich würde nicht viel diskutieren. Diese Ismen sind nunmal ein klares Zeichen für eine aggressive Kultur, die oft anderen das Lebensrecht abspricht und ich will das nicht „Ad Nauseam“ behandeln mit Menschen die angebliches’Unverständnis’ als Strategie benutze - Es gib dann den Hinweis für die Tür. Und ich bin 45 … wenn ich mit Freunden spreche, die eher so 24 sind: Die haben noch viel weniger Toleranz für Intoleranz. Genaus Freunde und Mitmenschen die im Genderqueeren Bereich unterwegs sind: Die sind täglich Angriffen ausgesetzt und ich als privilegierter Mensch (weil ich keine Gewalt wegen meiner Sexualität fürchten muss) sehe mich da schon auch in der Pflicht klare Grenzen zu setzen. Was bei mir am Esstisch noch als Diskussion geführt wird, das ist anderswo aktiv ausgeführte Gewalt oder eben Unterstützung von eben dieser. Siehe auch ‚Great Replacement‘ und so. Entsprechend behandele ich dich dann auch.
Ich habe durchaus auch eher konservative Freunde, versteh mich nicht falsch. Aber sie wissen auch, dass ich bereit bin Freundschaften zu beenden oder auch für meinen Standpunkt einzustehen - was meinen Freundeskreis auch stark von ‚Bürgi‘ wegverändert hat. Darum halten sie halt vielleicht bei einigen Themen die Klappe oder diskutieren sie nicht mit mir. Is mir auch recht so. Denn zu sagen gibts da oft nicht viel.
Was du hier versuchst ist so eine Tucker Carlson Nummer und ich finde sie nicht besonders spannend. Das einzige was oft noch für die konservativen Positionen spricht, ist das sie von vielen Menschen vertreten werden. Das Problem erledigt sich mit der Demographie teilweise auch von alleine. Die ganzen Babyboomer sind alle schon älter und danach werden die Menschen im Schnitt liberaler.
Ergo: Bloß weil es momentan viele alte, konservative Menschen gibt, die auch mal Wahlen gewinnen, heißt das einfach nicht automatisch, dass die im Recht sind aka Recht haben. Sie können Recht gestalten, das ist aber was anderes.