MarkusS
266
Ich weiß nicht ganz, wie ich das jetzt einordnen soll. Nein natürlich bringt jede Form von zusätzlichen Einnahmen nichts, wenn man diese dann anschließend verschwendet. Wofür das Geld verwendet werden soll, wurde hier ja aber recht klar definiert.
Leistungsloses Einkommen zu besteuern, um Geringverdiener gezielt zu entlasten ist m.E. eine Maßnahme, die sowohl verhältnismäßig fair als auch Konjunktur-fördernd ist.
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Tris
267
Wurde in der letzten Folge des Politikpodcasts des DLF besprochen.
Selbst wenn die Chips doch benötigt werden von der Autoindustrie, dann soll diese doch bitte selbst Geld reinstecken, als Joint Venture zum Beispiel. Ist ja nicht so als wäre diese Branche am verarmen.
Ich habe jetzt das Zitat nur als Aufhänger genommen. Vielleicht sollte man in einem anderen Diskursstrang darüber diskutieren, ob eine Subvention nur dann vergeben werden darf wenn zeitgleich Anteile am Unternehmen erworben werden. Quasi eine Kapitalerhöhung für das Unternehmen. Das würde sicherstellen, dass die Subvention gegebenenfalls wieder zurückfließen kann man kann ja in Erwerb der Anteile an gewisse Bedingungen knüpfen.
Zur Diskussion der Einkommensunterschiede möchte ich nur beitragen, dass der Staat durch den Mindestlohn eine Untergrenze bestimmen sollte, und durch die steuerliche Absetzbarkeit von Lohnzahlungen bis zu einer gewissen Höhe sinngemäß die Obergrenze setzt.
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LeoWom
269
Genau das wird mit der neusten Fabrik gemacht, ist ein Joint Venture.
Keine Ahnung wieviele Fabriken da gerade geplant werden
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Ingfu
270
Habe ich aufgenommen.
Um nochmal auf die „hohen“ Sozialabgaben zurückzukommen: Beim Mindestlöhner sind das 436€ oder 20% vom Brutto bei 1504€ Nettogehalt. Ich gehe mit, das ist nicht viel Geld zum Leben, aber für 20% Abgaben für u.A. Kranken- und Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung und Beitrag zur Rente finde ich irgendwie in Ordnung. Daher bin ich eher für einen höheren Mindestlohn, als mit den Sozialabgaben zu hantieren.
Ich sehe vor allem das Problem, dass die Arbeitslosenversicherung bei dem Gehalt nicht mehr als Bürgergeld bringt und später die Rente aufgestockt werden muss.
MarkusS
271
Das würde ich von den makroökonomischen Folgen einer Mindestlohn-Erhöhung abhängig machen, die sich realistisch betrachtet nur experimentell bestimmen lassen. Sprich: wenn man bei der schrittweisen Erhöhung des Mindestlohns irgendwann z.B. auf signifikant steigende Arbeitslosigkeit trifft, dann ist es ggf. klüger die Abgabenlast zu reduzieren als den Lohn weiter zu erhöhen. So vermeidet man einerseits, dass das Beschäftigungsverhältnis unwirtschaftlich wird und kann andererseits das gewünschte Netto-Lohnniveau absichern, ohne dass der Betroffene zum Amt muss.
faust
272
Der Begriff Neiddiskussion/Neiddebatte ist eine der schlimmsten Verunglimpfungen, die sich in der deutschen Debattenkultur finden lassen. Da werden Menschen mit Forderungen nach mehr Gerechtigkeit konfrontiert, und alles, was ihnen einfällt, ist, der Gegenseite niedere Instinkte zu unterstellen.
Zum Einen würde ich erwarten, dass auch viele von denen, die hier für höhere Bsteuerung von Einkommen pläderien, selbst eher auf der gutverdienenden Seite sind. Aber auch wenn nicht - was tut es zur Sache, über die Motivation zu spekulieren? In einer politischen Diskussion sollte es um die vorgebrachten Argumente gehen.
Ich könnte jetzt auch unterstellen, dass hier von Seite der Besserverdiendenden eine Gierdebatte geführt wird. Hilft uns das dann weiter?
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MarkusS
273
Guter Ansatz. Warum also sollte uns die noch stärkere Besteuerung von Einkommen mehr Gerechtigkeit bringen und nicht die von Vermögen / Erben?
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pitus
274
Bitte lies richtig, @faust. Ich sprach von der
und meine damit, dass kaum über die Besteuerung von Vermögen diskutiert wird.
Ich kann mir das nur so erklären, dass viele hier wohl irgendwann auf ein höheres Erbe hoffen oder selbst ein gewisses Vermögen angehäuft haben und daher vor hohen Steuern darauf Angst hätten. Denn schließlich hat man sich dieses vom Munde abgespart und es soll ja mal an die nächste Generation weitergegeben werden.
Unglücklicherweise macht eine hohe Einkommensbesteuerung für die junge Generation überhaupt keinen Sinn. Denn so erschwert man ihr eher den Start, in einer Zeit, in der man meist niedrigere Löhne hat und höhere Fixkosten. Von den Erbschaften hat jedoch vor allem die Altersgruppe mit 50-70 Lenzen etwas, deren Fixausgaben geringer und die Löhne in aller Regel deutlich höher sind.
Und so würde eine Vermögens/Erbschaftssteuer sogar für noch mehr Gerechtigkeit sorgen, denn hohe Steuern aufs Einkommen behindern sozialen Aufstieg. Es bleibt schlicht weniger brutto vom netto.
Demgegenüber haben wir so geringe Steuern auf Vermögen und Kapitalerträge, dass man in Deutschland auf Arbeit verzichten kann und stattdessen von der „Arbeit“ seines Vermögens (Mieteinnahmen, Dividenden, Spekulationsgewinne) allein leben kann.
Die Logik dessen, dass hohe Einkommen böse (Steuern drastisch erhöhen) und hohe Vermögen gut (Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer sind egal, lässt uns Einkommen besteuern) sind, muss mir so erstmal jemand glaubhaft erklären. Zumal fast alle OECD Länder erfolgreich Einkommen niedriger besteuern und dafür bei Vermögen und Erbschaft zugreifen.
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faust
275
Ich wollte hier mehr einen generellen Punkt einbringen. Aber ich sehe nicht, warum man sich zwischen Einkommensbesteuerung und Vermögen-/Erbschaftsbesteuerung entscheiden müsste; idealerweise passiert beides.
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faust
276
Das ist doch ein Scheinargument. Wer hier hat denn argumentiert, dass Vermögen nicht höher besteuert werden sollten, Einkommen aber schon?
Das sich hier auf die Besteuerung von Einkommen fokussiert wird, könnte auch daran liegen, dass der Threadtitel „Einkommensunterschiede“ ist…
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pitus
277
Es zieht sich hier seit Monaten durchs Forum. Wir können gern mal zählen, wie viele Beiträge im Forum das Thema hoher Einkommen betrifft und wieviele Vermögenssteuer. Ich bin mir sicher, dass es da ein Missverhältnis gibt.
Zumal ja auch die Wissenschaft nicht für eine höhere Belastung der Einkommen plädiert, sondern für Vermögen.
Fratzscher: Für mich ist es sinnvoll, die Belastung von Arbeitseinkommen auf Vermögen zu verschieben – erstens, weil das international absolut üblich ist, zweitens, weil es uns helfen würde, viele der Potenziale Deutschlands zu heben. Wir haben viele Menschen, die wenig arbeiten oder gar nicht arbeiten. Gerade Menschen mit geringen und mittleren Einkommen werden steuerlich sehr stark belastet. Ein Steuersystem muss so gestaltet werden, dass es diese Potenziale heben hilft, und das bedeutet nun mal, dass es aus einer wirtschaftlichen Perspektive sehr viel Sinn macht, Arbeitseinkommen, Menschen, die arbeiten, zu entlasten, und vor allem die, die geringe Einkommen haben. Das wäre eigentlich eine kluge Wirtschaftspolitik, wenn man so gesehen diese Belastung, diese steuerliche Belastung stärker auf Vermögen und weniger auf Arbeit hat.
Es stellt sich also die Frage, warum man sich hier so auf die Einkommen versteift.
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Größtenteils aus praktischen Gründen.
Die Einkommen lassen sich mit verhältnismäßig wenig Aufwand höher besteuern. Eine grundgesetzkonforme Vermögenssteuer hingegen erfordert massiven Erhebungsaufwand. Tatsächlich wäre die Erbschaft weiterhin der Punkt, der am einfachsten höher besteuert werden könnte, aber die BILD-Schlagzeilen beim letzten Reformversuch („DIE REGIERUNG WILL IHNEN IHR HAUS WEGNEHMEN!!!“) zeigen ganz gut, dass das ganz schnell zum neuen Heizungsgesetz werden könnte.
Dass eine Vermögenssteuer generell sinnvoller wäre als höhere Einkommensteuern ist glaube ich fast unbestritten. Aber die Realisierung ist halt ungleich schwieriger, da Vermögen zu erfassen - gerade zu Zeiten des Datenschutzes - nicht ganz unproblematisch ist.
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MarkusS
279
Absolut einverstanden. Es geht aber um das Verhältnis und wir haben einen Status quo mit hohen Abgaben auf Einkommen und geringen auf Vermögen. Wenn ich jetzt mehr Geld suche, sollte ich das erstmal bei letzterem tun.
Formal hast du Recht. Wenn aber natürlich für den Ausgleich höherer Einkommen nur höhere Abgaben für höhere Einkommen genannt werden, ist der Hinweis auf nicht genannte Vermögensabgaben m.E. schon sehr berechtigt.
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pitus
280
Nichts für ungut @Daniel_K, aber ich nehme hier schon einige so, dass sie einen Fokus auf die Besteuerung von Einkommen legen möchten.
Mir ist klar, dass die Besteuerung von beweglichem Vermögen schwieriger ist, aber sie ist machbar. Und Deutschland hat es ja gut 70 Jahre erfolgreich hinbekommen.
Zumal bei den meisten Normalbürgern der Hauptteil des Vermögens (sofern vorhanden) in Immobilien steckt und somit gut abschätzbar ist. Meinst du nicht, Deutschland macht es sich hier wieder schwerer als nötig weil man die 100% Lösung sucht?
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Und eigentlich muss man auch über die Abgeltungssteuer reden. Es kann doch nicht sein, dass Geld, das für einen arbeitet, weniger besteuert wird als von Menschen ausgeführte Arbeit.
Auch scheint das ganze Thema Finanzn-Transaktionssteuer auch komplett vom Tisch zu sein.
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Absolut, also versteh mich nicht falsch, ich bin absolut für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer und für eine massive Erbschaftssteuer mindestens in Höhe der Einkommensteuer („nicht erarbeitetes“ Einkommen muss mMn mindestens so hoch besteuert werden wie „erarbeitetes“ Einkommen).
Du hast nur gefragt, warum der Fokus so stark auf dem Einkommen liegt und ich denke, dass das tatsächlich zumindest zum Teil an der Einfachheit der Lösung liegt. Eine Einkommenslösung ist eben definitiv einfacher (aber auch ungerechter!) als eine Vermögenslösung. Das heißt nicht, dass eine Vermögenslösung unmöglich wäre.
Das ist wiederum problematisch, weil eine Vermögenssteuer zwar in der Tat von 1952 bis 1995 erhoben wurde, diese aber zumindest von 1974 bis 1995 auf einem später als verfassungswidrig befundenen Gesetz beruhte (die Vermögenssteuer von 1952 bis 1974 wäre mit der gleichen Argumentation wohl ebenfalls verfassungswidrig gewesen). Also anders gesagt: nur weil lange Jahre niemand geklagt hat, heißt das nicht, dass man es „erfolgreich hinbekommen“ hätte.
Das Problem ist vor allem die Union. Eine Vermögenssteuer wäre ein Zustimmungsgesetz und die Union im Bundesrat wird dem niemals zustimmen. Aufgrund der problematischen Lage des Bundesrates (dh. die Regelung, dass man sich enthält, was als Ablehnung gilt, wenn eine Partei der Landesregierung dagegen ist) ist nicht davon auszugehen, dass wir in absehbarer Zeit jemals einen Bundesrat bekommen werden, welcher eine Vermögenssteuer in irgend einer Form zulassen wird. Faktisch ist die Vermögenssteuer daher aktuell politisch nicht durchsetzbar, Änderungen der Einkommenssteuer schon eher…
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pitus
283
gab es die Vermögenssteuer nicht schon seit 1923? Klar, das war die Weimarer Republik, aber dessen Rechtsnachfolger ist die BRD ja eigentlich.
Das muss ja nicht so bleiben. Wir erinnern uns, Hauptkritikpunkt war, dass Immobilien zu gering besteuert waren. Doch statt Korrekturen anzustreben, hat man die Erhebung der Vermögenssteuer ausgesetzt. Das Gesetz gibt es meines Wissens noch.
Übrigens, warum hat man die Vermögenssteuer damals lieber ausgesetzt als angepasst? Tja, weil man der Meinung war die Besteuerung der Einkommen sei schon zu hoch und eine weitere Besteuerung von Vermögen sei nicht zu rechtfertigen.
Daraus ergibt sich auch für heute eine eindeutige Strategie. Die Einkommenssteuer sollte gesenkt werden und durch eine Erhöhung der Vermögenssteuer gegenfinanziert werden.
Da wären unter Umständen sogar FDP und Union dabei, denn ihre Wähler würden plötzlich spürbar mehr Gehalt auf dem Lohnzettel sehen. Tatsächlich würde es auch die Binnennachfrage erhöhen, denn plötzlich lohnt sich sparen ab Erreichen der Freibeträge nicht mehr so doll (wir Deutschen sind Sparweltmeister).
Dass es dafür aber nicht einmal Hinterbänklervorstöße gibt zeigt, dass SPD und Grüne an einem solchen Umverteilungsinstrument keinerlei Interesse haben. Erstere aus mir unbekannten Gründen, denn schließlich machen sich die Gewerkschaften dafür stark. Vielleicht liegt es an der Angst vor den Rentnern, die durch weniger Einkommenssteuer kaum gewinnen, einige durch die Vermögenssteuer jedoch deutlich verlieren. Letztere (möglicherweise) weil es ihre Wählerschaft teuer zu stehen käme.
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Für eine korrekte Berechnung müsstest du dem Bruttolohn den Arbeitgeberanteil (ohne Umlage) draufschlagen und vom neuen Brutto dann die gesamten SV-Beiträge ermitteln (so rechnet auch die viel zitierte OECD)
Bei 2.424,80€ brutto sind das also
2.934,01 € echtes Brutto
1.018,42 € Gesamt-SV-Beiträge = 34,7%
210,25 € Lohnsteuer (Stkl1, kinderlos) = 7,2%
Die Steuersätze berechnen sich aber vom zu versteuernden Einkommen.
Das liegt in etwa bei max. 22.300€
Einkommensteuer: 2.553€ (11,45%, wenn er eine Einkommensteuererklärung macht, was leider meist nicht der Fall ist)
SV-Beiträge AN: 6.110,52€ (mind. 27,4%, würde man die gleiche Berechnung wie bei der Einkommensteuer zu Grunde legen)
Gesamt (ohne Arbeitgeberanteil) 38,85% des zu versteuernden Einkommens
Edit: Fehler bei der Einkommenssteuer