„Einheitsbrei“ in der Lage?

Während ich mich in früheren Zeiten noch durch die Lage informiert gefühlt habe, habe ich mittlerweile nur noch das Gefühl eine Zusammenfassung der seriösen Medien zu erhalten, wobei leider nur noch selten etwas hinterfragt wird oder zumindest versucht wird kritisch zu sehen.

Wo kommen wir hin, wenn wir nicht mehr kritisch denken?
In eine schwarz-weiß Gesellschaft, wie wir sie jetzt schon haben. Anhand des aktuellsten Beispiels gibt es die sogenannten „Schwurbler, Verschwörungstheoretiker, Covidioten und Wissenschaftsleugner“ und auf der anderen Seite die „Guten“, die alles, was die Politik glauben für wahr halten gut befinden. Dass man Corona ernst nimmt, aber sich gegenüber mancher Maßnahmen trotzdem kritisch äußert, scheint es nicht mehr zu geben. Dann wird nämlich direkt in die schwarze Schublade gesteckt und als Leugner, Schwurbler oder Idiot tituliert. Schade.
Leider befeuert die Lage mMn diese Situation auch noch - wenn auch nicht bewusst.

Es wäre wünschenswert wenn hier wieder von verschiedenen Seiten berichtet wird.

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Kannst du das etwas konkreter machen? Welche „Seiten“ fehlen dir denn in der Lage?

Wir blenden denke ich nur diejenigen Sichtweisen aus, die sich außerhalb eines rationalen Diskurses bewegen (Impfskeptiker, Corona-Leugner etc). Aber vielleicht übersehe ich auch was.

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Ich möchte meinen Standpunkt anhand der beiden Begriffe (Impfskeptiker und Corona-Leugner) konkretisieren.

  • Impfskeptiker: Wieso ist es außerhalb eines rationalen Diskurses skeptisch gegenüber einer Impfung zu sein, für deren Entwicklung und Testung nur ein Bruchteil der Zeit aufgewendet wurde verglichen mit dem normalen Prozedere. MMn ist es seltsam, sich nicht auch skeptische Gedanken dazu zu machen. V.a. vor dem Hintergrund der nicht wirklich tollen Ergebnisse der Schweinegrippe-Impfung.

  • Corona-Leugner: Gibt es das wirklich??? Ich bin noch keinem Menschen begegnet der die Existenz der damit verbundenen Erkrankung leugnet. Es gibt Menschen die äußern sich gegenüber einem Teil der Maßnahmen kritisch. Das heißt doch nicht, dass sie ein ganzes Krankheitsbild leugnen.

Das ist deswegen dumm, weil man inzwischen wirklich schnell und einfach nachlesen kann, dass die kürzere Entwicklungszeit nichts mit einer schlechteren Qualität oder weniger genauen Tests o.ä. zu tun hat. Es wurden einfach eine Reihe von Schritten parallel durchgeführt, die man normalerweise aus ökonomischen Gründen aufeinander aufbauen lässt. Außerdem konnten Erkenntnisse von anderen Corona-Viren übernommen werden. Schließlich waren wegen der galoppierenden Pandemie die Quoten an Testpersonen, die krank geworden sind, sehr schnell erreicht - und diese Infektionen braucht man wiederum, um die Wirksamkeit berechnen zu können. Diese Umstände kannst du beispielsweise in der aktuellen Folge des Corona-Updates von NDR Info nachhören, sie sind aber auch sonst wirklich kein Geheimnis.

Wer also ernsthaft noch mit der Entwicklungszeit argumentiert, der betreibt Desinformation, selbst wenn er nur „Fragen stellt“.

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An dieser Stelle möchte ich milde widersprechen.
Es ist das jetzt gängige Narrativ das nur die Anzahl der Phase 3 Teilnehmer zählen würde um seltenere UAWs zu entdecken.
Der Zeitfaktor spielt aber schon eine (wenn auch viel geringere) Rolle, gerade bei der Entdeckung seltenerer mittelfristiger UAWs.

Die Ansicht, das mit der Kürze der Beobachtungszeit schon ein geringes aber vertretbares Risiko eingegangen wurde vertritt auch Dr. Martin Terhardt Mitglied der STIKO.
Es ist also nicht völlig ausserhalb des fachlichen Diskurses.

Nachzuhören im Amboss-Podcast:
Kapitel * Informationen zu den UAWs (zwischen Minute 17 und 20).

Es ist trotzdem in der Risikoabwägung absolut sinnvoll sich Impfen zulassen.

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Ich gehe mit dir in sofern Konform, als dass ich glaube „Impfskeptiker“ ist der falsche Begriff.

Für mich sind die eher „militante Impfverweigerer“ die alles versuchen um Zweifel zu säen.

In einem anderen Forum bin ich so jemandem begegnet, dem keine Auslassung zu Schade ist um Stimmung gegen die Impfung zu machen. Obwohl es ihm eher darum geht die deutsche Regierung in jedem Fall zu diskreditieren.

Hier im speziellen Fall wären es dann Meldungen aus Israel über 240 Erkrankte nach Impfung, wobei noch nichtmal die Diagnose abgeschlossen war ob die Überhaupt mit der Impfung im Zusammenhang stehen und auch, dass die 240 von 1Mio geimpften stammen.

Das hat nichts mit Skepsis zu tun, was da getrieben wird!

Was die Kritik an Maßnahmen angeht, so kommt diese in der Lage schon durchaus, aber eben nicht mit dem Grundton alle Maßnahmen grundlegend zu kritisieren und auch nicht die Aufforderung diese durch Mißachtung zu torpedieren.

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Bei der Überschrift “Der Einheitsbrei der Lage“ und der offenen Einladung fehlende Aspekte zu benennen, hatte ich eine höhere Erwartungshaltung, als eine neuverpackte Kritik der „Covid-Lage-der-Nation“.

Zwar kann ich deine Überschrift „Einheitsbrei… “ jetzt besser einordnen, aber überhaupt nicht nachvollziehen! Wie kann man auf häufig gestellte Fragen zu Covid-Maßnahmen und Covid-Impfung, die mittlerweile gut beantwortet sind, einen abweichenden Standpunkt dazu erwarten? Im Gegenteil, ich würde sofort mein Abo kündigen, wenn es so wäre…

Wenn es sich also um Ängste handelt, die zu Unsicherheit und Bedenken führen, kann man die durch Transparenz und Informationen eigentlich gut abbauen. Man muss sich natürlich auch um Antworten zu den Fragen bemühen…
Hierzu gibt es gut strukturierte FAQ`s:

Dort heißt es unter anderem: Wenn Menschen ihr Verhalten im Umgang mit dem Coronavirus auf falsche Informationen stützen, können Des- und Fehlinformationen zum Risiko werden. Insbesondere über soziale Netzwerke werden derzeit viele Falschmeldungen verbreitet. Daher ist es wichtig, Informationen zum Coronavirus aus zuverlässigen Quellen zu beziehen.
[… Die im Anschluß gelistet werden…]

Im FAQ des Paul Ehrlicher Institut findest du vielleicht die genaueste Antwort auf deine Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit. Findest du deine Fragen hier unzureichend beantwortet, sind die Betreiber sicher sehr an deinem Feedback interessiert und bei neuen Erkenntnissen bereit ihre FAQ’s zu verbessern, damit sie ihren Zweck der Aufklärung erfüllen.

Deswegen die Bitte: Informiere dich, bevor du über Fragen zur Quelle von Desinformation wirst :wink:
Die Quellen waren bestimmt schon mal in den Shownotes. Falls nicht könnte man sich überlegen sie standardmäßig im Corona-Update aufzunehmen.

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Erstmal volle Zustimmung an @vieuxrenard.

Und an @Lothar: Ich habe weiterhin nicht verstanden, welche Sichtweise fehlt. Das Beispiel

hilft hier ja nicht weiter. Denn nach @vieuxrenard bewegen die sich außerhalb des rationalen Diskurs, und nach @Lothar gibt es die ja gar nicht. Sollte man wirklich auch Sichtweisen beleuchten, die es gar nicht gibt?

Ein konkretes Beispiel aus einer aktuellen Lage würde uns vielleicht weiterbringen.

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Wie unschwer zu erkennen, habe ich einfach die beiden Begriffe von Ulf aufgegriffen, um anhand dessen zu konkretisieren.

Dennoch hier auch Mal eine andere Sichtweise:

Auch wenn ich das Thema nicht gestartet habe, versuche ich es mit einer Antwort. Zunächst, ich bezweifle absolut nicht, dass es COVID-19 gibt oder das es eine schwere Erkrankung auslösen kann. Auch die Diskussion über die Impfung an sich finde ich wenig sinnvoll.

Aber ich habe bei vielen der anderen Maßnahmen wirklich Bauchschmerzen. Leider bekomme ich gerade nicht mehr alle Quellen zusammen, gegebenenfalls reiche ich da noch was nach.

Derzeit findet immer noch keine effektive gerichtliche Kontrolle der Maßnahmen statt. Das liegt zum einen daran, dass die Maßnahmen bisher nur im Eilrechtsschutz überprüft werden können, weil sie sich andauernd ändern, zum anderen an einer für mich nicht mehr verständlichen Zurückhaltung der Gerichte, die Einschätzungsprärogative des Gesetz- bzw. Verordnungsgebers auch bei offensichtlich ungeeigneten Maßnahmen oder komplett fehlenden gesetzlichen Grundlagen zu überprüfen oder zu beschränken. Da würde ich Dir auch in dem was Du im Augstein-Thema geschrieben hast, zumindest teilweise widersprechen – langsam wird das eine Verfassungskrise, wenn der Wesentlichkeitsgrundsatz und die Geeignetheit in der Verhältnismäßigkeitsprüfung ausgehebelt werden und es keinen funktionierenden Rechtsschutz mehr gibt. Konnte man vor 10 Monaten noch damit argumentieren, dass es eine neue Situation war, in der man Fehler machen durfte und auch noch auf sehr dünner Datenlage entscheiden musste, trifft das nach fast einem Jahr Pandemie langsam nicht mehr zu. Zumindest muss sich der Verordnungsgeber vorhalten lassen (der Gesetzgeber bleibt größtenteils leider untätig), er habe die Zeit nicht genutzt, um die Erkenntnisgrundlage zu verbessern. An anderer Stelle (eventuell im Verfassungsblog, ich bin noch auf der Suche), habe ich gelesen, dass die Verordnungsgeber es durch die lange Untätigkeit im Sommer geschafft haben, sich in eine Situation zu bringen, in der sie fast alle Maßnahmen nun als alternativlos durchzubringen. Auch haben manche Politiker schon klar zu verstehen gegeben, dass sie bewusst diese Einschränkungen im Rechtsschutz ausnutzen (besonders deutlich Sebastian Kurz im April).

Dann sind die Maßnahmen ziemlich im Ungleichgewicht, sowohl zwischen Privat und Beruflich (keine Homeofficepflicht, aber starke Einschränkungen schon beim Familienbesuch), als auch zwischen Soloselbstständigen, Künstlern, kleinen Unternehmen einerseits und Großkonzernen andererseits (auch auf der Kompensationsseite).

Viele Maßnahmen sind auch hauptsächlich Symbolpolitik. Welchen Nutzen hat es, meinen Eltern, beide Krankenhausärzte in Bayern, zu verbieten, nach der Arbeit noch spazieren zu gehen (nächtliche Ausgangssperre)? Oder am Wochenende 20km mit dem Auto zum spazieren gehen zu fahren? Beide Maßnahmen halte ich für sinnlos (ebenso meine Eltern). Ich würde mich freuen, wenn die Lage da etwas kritischer wäre. Wenn es Belege für die Sinnhaftigkeit gibt, nur her damit, aber sinnlose Maßnahmen untergraben meiner Meinung nach auch die Akzeptanz sinnvoller Regelungen. Ein anderes Beispiel ist die Einreisequarantäne in der Schweiz, an der die Regierung lange festhielt, obwohl sie wusste, dass es nichts bringt ( https://www.travelnews.ch/tourismuswelt/17450-der-bund-wusste-schon-lange-von-der-wirkungslosigkeit-der-quarantaeneliste.html ).

Weitere Kritik findet sich unter anderem auf Twitter, z.B. bei Niko Härting (Anwalt), Christoph Herrmann (Uni Passau) oder im Verfassungsblog (z.B. die Beiträge von Thorsten Kingreen oder Oliver Lepsius oder der hier: https://verfassungsblog.de/wen-soll-das-schutzen/ )

Viele Grüße aus dem einsamen Homeoffice

Konstantin

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Mein Eindruck ist, dass in der Lage durchaus auch Corona-Maßnahmen kritisiert, wenn sie als nicht zielführend empfunden werden.

Ich glaube, viele Menschen sind es nicht gewohnt, dass man sich bei politischen Entscheidungen so nahe an von wissenschaftlichen ExpertInnen empfohlenen Vorgaben orientiert und verwechseln das mit Einseitigkeit. Verständlich, da wir Jahrzehnte lang unter dem Deckmantel der Vielfalt und vermeintlichen Neutralität beigebracht bekommen haben, dass zunächst ja jeder Meinung eine Bühne präsentiert werden muss.

Daher wurden SchwurblerInnen mit ihrer Meinung über Globulie etc. in Talkshows neben ÄrztInnen gesetzt, beim Thema Abtreibung muss ja auch immer irgendein Kirchenvertreter ausgekramt werden, um seinen Senf dazuzugeben, auch wenn keiner der Beteiligten überhaupt religiös ist und AFDlerInnen aus dem allerrechtesten Rand müssen natürlich zu politischen Diskussionen eingeladen werden.

Ich finde auch nicht alle Maßnahmen gut, aber wenn ich mir die aktuellen Todeszahlen anschaue, muss man schon ein ziemlicher Egoist oder Idiot sein, um sich dem zu verweigern, selbst wenn die ein oder andere Maßnahme vielleicht unterm Strich besser hätte umgesetzt werden können. Ich bin daher dafür, lieber eine „überflüssige“ Maßnahme mehr zu ertragen, als nur einen Toten mehr zu riskieren.

Und natürlich gibt es Corona-LeugnerInnen. Da reicht doch ein Blick auf so eine Quer“denker“-Demo. Ob ich jetzt die Existenz des Virus leugne oder „nur“, dass es zwar ein Virus gibt, dieses aber nicht tödlich ist, ist doch Haarspalterei. Jeder, der/die dort ohne Maske steht (was die Allermeisten sind), leugnet das Virus, sonst würden sie nicht ohne Maske dastehen.

Man muss sich doch nur anschauen, welche Fanbase Leute wie Bodo Schiffmann, Wendler, Xavier Naidoo und Michael Wendler, Ballweg etc. seit der Pandemie haben. Selbst wenn nicht jeder so extrem ist wie diese Kandidaten, bleibt es so, dass etwas grundlegend nicht stimmen kann in der Denkweise der „KritikerInnen“, weil, wenn mir klar ist, dass ein über Aerosol übertragbares potentiell ziemlich tödliches Virus existiert und ich mich der Eindämmung dieses Virus verweigere oder die Impfung dagegen diskreditiere, dann zeige ich damit, wie wenig mir das Leben anderer Menschen wert ist.

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Ich kann dieses Gefühl überhaupt nicht nachempfinden.

Kann Dein Gefühl eventuell damit zusammenhängen, dass der Podcast LdN und die mehr oder weniger unfreiwilligen Stunden zuhause dazu führen, dass wir uns insgesamt einfach sehr viel besser und aus mehr Quellen informieren und daher in der LdN nur noch wenig echte „News“ aus der Welt der Realität und Fakten finden? So geht es zumindest mir.

Überhaupt nicht nachempfinden kann ich den Vorwurf, Ulf und Phillip wären unkritisch. Das kann man nun wirklich nicht behaupten! Ja, in Bezug auf die Pandemie stehen Ulf und Phillip im Großem und Ganzen hinter den Maßnahmen der Regierung (wobei sie schon das eine oder andere in Frage gestellt haben).

Über die Maßnahmen Abstand, Maske, Hygiene, Kontaktvermeidung und Impfen wollen wir hier doch nicht wirklich ernsthaft diskutieren, oder? Inwieweit diese Zwischenziele mit den einzelnen Corona-Maßnahmen effektiv, effizient und ausgewogen (in Bezug auf die Belastung) erreicht werden, wird von Ulf und Phillip immer wieder diskutiert.

Wünsche würde ich mir mal einen konstruktiven Rückblick. Siehe dazu mein separater, neuer Thread.

Ich weiß nicht, auf welcher Basis Du diese Behauptung aufstellst. Auf Fakten beruht sie nach meinem Empfinden in diesem Podcast in aller Regel nicht.

Und das klingt doch arg nach dem üblichen „Ich bin ja kein *, aber“-Argument, wobei Du * wahlweise ersetzen kannst mit Ausländerfeind/Rassist, Klimaleugner, Corona-Leugner, … :slight_smile:

Also, ganz unrecht hast Du insofern nicht, als das Argument, was Ulf in seiner Antwort bringst, nach meiner Erinnerung in der LdN bislang nicht angebracht wurde (aber hier im Forum sehr umfangreich diskutiert wurde). Nur: Die Antwort von Ulf wie auch die Diskussion im Forum zeigt: Es gibt keine Basis für eine solche Skepsis.

Nicht Dein Ernst, oder? Such mal 10 Sekunden auf Youtube und findest Aussagen, die Du auch mit höchster Fantasie nicht für Möglich halten würdest. Die stehen den völlig fakten-fernen Behauptungen von Trump-Fans in nichts nach … Und zwar nicht nur von irgendwelchen verblödeten Wirrköpfen, sondern auch von z.B. studierten Medizinern.

Hierzu möchte ich auf einen separaten Thread hier im Forum verweisen, den Du leicht unter dem Stichwort „Langzeitfolgen“ findest. Auch im aktuellen NRD Corona Podcast findest Du hierzu klare Aussagen: Es gab bei keinem früheren Impfstoff „Langzeitfolgen“, die erst Monate oder Jahre später entdeckt worden wären! Der Begriff wird von grundsätzlichen Impfskeptikern und -gegnern als Todschlagargument missbraucht, weil jeder intuitiv denkt: Wie kann man in weniger als einem Jahr Folgen feststellten, die erst sehr viel später auftreten? Einfache Antwort: Kann man nicht, denn es gibt sie nicht! Siehe dort.

Und ich bemühe immer wieder das m.E. unschlagbare Argument: Die Wahrscheinlichkeit, unter den Langzeitfolgen von Corona (LongCovid oder Tot) zu leiden ist sehr, sehr, sehr viel höher als irgendwelche Nebenwirkungen der Impfung.

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Mir persönlich fehlt zunehmend die Analyse der Auswirkungen der Maßnahmen in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. Jede Woche die Zahlen zu wiederholen und über Impfgegner zu klagen, ist ja ganz nett.
Allerdings wird die ökonomische Seite für Restaurants, Friseure etc. micht beleuchtet, als ob das „kalt“ oder „böse“ ist.
Die Auswirkungen von Armut durch den Zusammenbruch der gesamten Supply Chain auch im Ausland und die Verarmung dort wird kaum angesprochen. Systemisch gesehen wird das zum Verlust von Lebenszeit führen.

Armut macht krank. Das problem ist, wer so argumentiert, kommt in die „kalt und herzlos“ Ecke, weil Wirtschaft wird gerade in deutschen intellektuellen Kreisen traditionell eher mit Mißtrauen und Befremden betrachtet wird.

Die Folgekosten werden hoch. Es ist aber natürlich leichter, auf die Fallzahlen zu schauen. Es ist halt nur zu wenig, und da ist die Lage analytisch leider aif einer Linie mit Spiegel, ZON etc. mir Springer spricht die Themen ansatzweise an, und es ist schlimm, dass ihnen das Feld überlassen wird.

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Danke, ich bin sowohl mit dem Diskurs als auch mit den Folgen des Coronavirus-Update vertraut.
Der Punkt ist, das wie im meiner Quelle von Dr. Martin Terhardt angesprochen, es schon sein kann das mit zusätzlicher Zeit weitere Sicherheitsinformationen hätten gewonnen werden können. Das Risiko das etwas übersehen wurde ist aber sehr gering.

Um auf das Beispiel Pandemrix einzugehen, das in der aktuellen Folge der Coronavirus-Update besprochen wurde. Obwohl man 30 Mio. Menschen mit dem Impfstoff geimpft hat ist die mögliche Verbindung zur Narkolepsie erst nach etwa einem Jahr hergestellt worden und die Empfehlung zur Anwendungseinschränkung der EMA erfolgte nach 2 Jahren. Bloß weil UAWs in relativ nahem zeitlichem Zusammenhang zur Impfung auftreten heißt es nicht das sie sofort als solche erkannt und aufgearbeitet werden. So etwas braucht neben Fallzahlen eben auch etwas Zeit.
(Nebenbei bemerkt sprach auch Frau Prof. Ciesek richtigerweise davon das die Narkolepsie Wochen bis Monate nach der Impfung auftrat, solch ein Zeitraum ist mit mittelfristigen UAWs gemeint.)

Es ist aber nun so das die aktuellen Situation so das die SARS-CoV2 Impfstoffe unter einer so genauen Beobachtung stehen wie noch nie ein Impfstoff in der Geschichte der Menschheit. Es werden sicher ganz viele vermeintliche UAWs gemeldet werden, von denen die allermeisten sich als zusammenhangslos herausstellen werden. Sollte der sehr unwahrscheinliche Fall auftreten das noch eine sehr seltene Schwerwiegende UAW entdeckt wird, wird es sehr schnell aufgearbeitet werden. Auch das spricht für die Sicherheit der Impfstoffe.

Und ich bemühe immer wieder das m.E. unschlagbare Argument: Die Wahrscheinlichkeit, unter den Langzeitfolgen von Corona (LongCovid oder Tot) zu leiden ist sehr, sehr, sehr viel höher als irgendwelche Nebenwirkungen der Impfung.

Das Argument habe ich am Ende meines letzten Post selbst gebracht, ich würde dich bitten ihn aufmerksam zu lesen.

Ich wiederhole mich gerne, ich halte die Impfstoffe für sicher und würde mich selbst sofort Impfen lassen und es ist lediglich einer formalen Frage geschuldet das ich es noch nicht bin.
Aus oben genannter Risikoabwägung die weit in Richtung Impfung ausschlägt.
Nur dem Narrativ, das die Fallzahl den Zeitfaktor zu 100% sticht folge ich nicht ganz.

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Eins vorweg: Auf die ganze Diskussion zu Impfgegnern oder Coronaleugnern gehe ich hier bewusst nicht ein, denn ich finde das gehört gar nicht direkt zu diesem Thema, das m.E. als konstruktive Kritik gedacht war.

Ich muss einer Aussage (leider) zustimmen: die Lage hat in letzter Zeit gefühlt mehr zusammengefasst, als hinterfragt und weniger zusätzliche Aspekte aufgegriffen.

Mir fällt das an einer Sache ganz konkret auf: ich habe früher bei der LdN mehr Neues erfahren, mehr dazugelernt, meinen Wissenshorizont spürbar erweitert (und das bei konstantem sonstigen Nachrichtenkonsum und Informationsverhalten).

Ich würde mir wünschen, dass bei der LdN auch öfter mal entschieden wird: „haben wir oder andere Medien schon umfassend beleuchtet, gehen wir nicht weiter drauf ein, selbst wenn es ein aktuelles Top Thema ist.“

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Wie hätte der Verordnungsgeber die Erkenntnisgrundlage denn verbessern können?
Auch international kommen die Erkenntnisse sehr langsam (die Schulstudie aus England ist von November).
Die erfolgreichsten Länder haben diesen Erfolg durch ausgedehnte Lockdowns erzeugt (Taiwan, China, Neuseeland, Australien) und erhalten diesen Erfolg durch Quarantäne und Tests bei Einreise.
Dem liegen keine Erkenntnisse über Hoch- und Niedrigrisikobereiche zugrunde.

Dem würde ich für Deutschland mit Blick auf die Schulen durchaus zustimmen.

Ich habe die Frage schonmal in einem anderen Thread gestellt und würde mich weiterhin über eine Juristenantwort freuen:
Bedeutet ein verpasster Erkenntnisgewinn (falls vorhanden, siehe oben) wirklich, dass wir im Zweifel keine Maßnahmen mehr erlassen dürfen und der Pandemie tatenlos zuschauen müssen?

Den Nutzen solcher „sinnlosen“ Maßnahmen sehe ich vor allem darin, dass sie leichter durchzusetzen und zu überprüfen sind, als das, was man eigentlich prüfen und durchsetzen möchte.
So kann man jeden sanktionieren, der nachts draußen herumläuft, und muss nicht nachweisen, dass er von einer unzulässigen Feier kommt.
Ich nehme an, dem Juristen rollen sich bei einer solchen Rechtfertigung die Fußnägel hoch.

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Ich finde schon, dass diese Auswirkungen „analysiert“ werden.
Auch werden diese Auswirkungen gegenüber den Einschränkungen abgewogen, auch unter Berücksichtigung juristischer Voraussetzungen.

Restaurants, Kinos, Theater, Menschen die ihren Job verlieren, Menschen mit geringem Einkommen in kleinen Wohnungen, alles regelmäßig Thema, inklusive Forderungen, diese Gruppen besser zu unterstützen.

Was nicht passiert, ist, dass man zu dem Ergebnis kommt, dass wir lieber wieder alles öffnen, um dieses Leid zu beenden. (Und das scheint dein Wunsch zu sein.) Zumindest nicht in der Lage; andere sehen das ja durchaus anders und kommen damit auch in relevanten Medien vor.

Diese Strategie hat übrigens noch kein Land durchgehalten und sie immer mit mehr Einschränkungen, mehr Toten, und mehr Leid bezahlt. (UK, USA, Brasilien, Schweden)

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Hallo Martino,
es geht ja nicht darum, dass ich glaube, dass „alles geöffnet“ werden soll. Das glaube ich nicht. Bei diesem Thema geht es ja um den „Einheitsbrei“, und in der letzten Zeit arbeiten sich die Macher der Lage an Wasserstandsmeldungen zu Zahlen, Impfgegnerdiskussionen und Aufrufen zum Befolgen von Regelungen ab. Das ist meine Wahrnehmung.

Die großen Analysen, die sie einst ausgezeichnet haben, finden nicht mehr statt. Was sind die Folgekosten? Ab wann sind die gesellschaftlichen Kosten bei Arbeitslosigkeit, Isolation etc schwerwiegender als die Coronakosten? Sind die Maßnahmen zielführend? Boris Palmer hatte vor kurzem dazu erhellenderes gesagt als Ulf und Philip in den letzten Wochen. Warum ist Tübingen so viel besser als der Rest der Republik?

Wie gesagt, diese Gesamtperspektiven inklusive Wirtschaft fehlt, nicht nur in der Lage. Der Tenor ist „jetzr muss die Wirtschaft erst mal ruhen“, und das seit Monaten mit einem sehr staatstragenden Duktus. Und der Einwurf „die Hilfen müssen schneller gehen“ sei ja immer wieder erwähnt, ersetzt für mich keine Betrachtung und bieter auch keinen Erkenntnisgewinn.

Das ist halt schade, weil ich die Lage früher ob der klugen Analysen gern gehört habe.

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Hallo Marion,
Das empfinde ich genauso. Nicht nur bei Corona. Ein Beispiel ist die US Wahl. Ich kann ja entsetzt sein, dass Trump über 70 Mio Stimmen bekommen hat. Aber dabei ist es früher nicht geblieben. Da hätte es Analysen gegeben zur Verfasstheit der Demokraten, der Strömungen der letzten 30 Jahre, was Trump Anhänger antreibt, erst mal ohne zu werten. Das hat für mich früher die Lage ausgemacht, aber das ist gefühlt verlorengegangen. Zumindest für mich.

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Die Antwort darauf gibt die Lage seit spätestens Mitte Dezember, sie gefällt dir nur nicht. Und diese Kosten werden nicht in Euro benannt.

Wird bei jedem Maßnahmenbündel von Ulf und Philip bewertet. Zum Beispiel die November-Maßnahmen, bei denen Ulf vor allem mit der juristischen Brille diese noch so haarscharf für legitim bewertet hat, nachzuhören in LdN 212.
Und seit den Dezember-Maßnahmen ist die der Tenor der Lage „die Zahlen müssen jetzt runter“ und „es reicht eben noch nicht“.

Es gab mal die Erkenntnis, dass die gute Lage in Tübingen vor allem auf einem Datenfehler basiert. Meinst du das mit „so viel besser“?
Ansonsten kann ich auf den ersten Blick jedenfalls nicht erkennen, dass es in Tübingen nennenswert besser ist als in anderen Kreisen. (Wenn man nicht gerade mit Sachsen oder Thüringen vergleicht.)
https://www.morgenpost.de/vermischtes/article231100822/Wie-Tuebingen-seine-Alten-vor-dem-Coronavirus-schuetzt.html
Was sagt Boris Palmer denn Erhellendes zu dem Thema? Ich höre nur „wir können nicht ewig im Lockdown leben“, ohne dass er eine (realistische) Alternative anbietet. Solange er diese nicht liefert, gehe ich davon aus, dass sein Alternativvorschlag eine (mehr oder weniger) ungehinderte Verbreitung des Virus ist.
Die Folgen dessen sind bekannt; und damit meine ich auch „gesellschaftliche Folgekosten“, wie du es so schön nennst.

Der Tenor „jetzt muss die Wirtschaft erst mal ruhen“ ist das Fazit einer differenzierten Analyse (!) der Situation seit mindestens November, die sich zudem mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und übrigens auch der Wirtschaft deckt.

Für mich zeigt dieser Thread, und das drückt sich ja schon im Eingangspost aus, dass der Vorwurf „Einheitsbrei“ nur deshalb aufkommt, weil die Lage beim Thema Corona eben mit der Regierung auf Linie ist, eigentlich sogar noch stärkere Maßnahmen und Einschränkungen fordert, anstatt wie sonst häufiger „dagegen“ zu sein und mehr Freiheiten zu fordern.