Hallo zusammen,
erstmal vielen Dank für die tollen letzten Folgen - bin seit Jahren ein sehr begeisterter Lagehörer.
Bei den letzten Lagen ist mir aufgefallen, dass das Thema Geldverlust durch Steuerhinterziehung/-vermeidung + Mafiaaktivitäten kaum aufgekommen ist. In einer Lage wurde es kurz erwähnt.
Seit dem Interview mit Anne Brorhilker, zudem ich damals einen Post veröffentlicht habe, der etwas viral gegangen ist ( Mir sind fast die Ohren abgefallen, als ich das gehört habe. Das betrifft die gesamte Wirtschaft in Deutschland. Hier sind ein paar Key Points aus dem Interview mit einer ehemaligen… | Max Alexandrin | 82 Kommentare ), war es etwas still um das Thema (oder?).
Wenn man den Aussagen aber glaubt - und ich gehe mal davon aus, dass das alles weiterhin so stimmt - gehen dem Staat, also uns, jedes Jahr (!) schätzungsweise 200 Mrd.€ durch die Lappen.
Meine Bitte: Das ist so eine gewaltige Summe, dass sie bei jeder Diskussion um den Staatshaushalt eigentlich genannt werden müsste.
Gerade wenn im Land diese spalterische Diskussion um Mehrarbeit geführt wird, während die obersten Reichen immer reicher werden - es gibt 2,82 Millionen Millionäre in Deutschland laut Sparkasse - ganz zu schweigen von den Superrreichen - die Schere zwischen arm und reich wächst und sich die materielle Ungleichheit zementiert, während Diskussionen um die Teilpflegeversicherung und Transferleistungen unverantwortlich unkreativ geführt werden.
Meine Frage: Übersehe ich da etwas? Ist das der falsche Ansatz?
Hier nochmal die Punkte aus dem oben verlinkten Post zur Erinnerung:
Wenn bei Banken mit Durchsuchungsbefehl „durchsucht“ wird, setzen sich die Vorstände mit den Strafverfolgern an einen Tisch und werden nett gefragt, „ob ihnen denn ein Verbrechen“ aufgefallen wäre – bei anderen wird einfach die Tür eingetreten und durchsucht.
Es gibt ad hoc Services für Vermögende, die innerhalb von Minuten illegal hunderte „Anwälte“ auf die Tanzfläche zaubern, um aktiv Durchsuchungen zu blockieren.
Menschen werden eher für Ladendiebstahl und Drogendelikte verurteilt als für große Finanzverbrechen wie Cum Ex.
Der Staat bevorteilt klar große Vermögen und benachteiligt kleine Vermögen im Steuerrecht.
Uns gehen geschätzt 100 Mrd. € durch Steuerhinterziehung verloren – und auch 100 Mrd. € durch Geldwäsche – das wären jeweils über 20% des geplanten Bundeshaushalts 2025!
Behörden haben oft kein Interesse daran, richtig große Fälle zu bearbeiten und kommunizieren schlecht miteinander. Gründe: vermutlich komplizierte Bürokratie + Personalmangel.
Langfristige Stellenbesetzung in Finanzbehörden wird in der Laufbahn abgestraft statt belohnt.
Große Steuerhinterziehung mit Verbindung ins Ausland ist oft kaum strafverfolgbar.
Polizeistatistiken wurden und werden schöngefärbt, um höhere „Erfolgs"quoten zu erzielen.
"Große Fälle“ tauchen oft nicht in den entsprechenden Statistiken auf, was Realitäten schafft.
Finanzlobbyismus grassiert: Auf einen Politiker im Finanzausschuss kommen 10 Finanzlobbyisten – Finanzlobbyisten überziehen das Internet mit parteiischen und unwissenschaftlichen Publikationen.
Betriebsprüfungen und -prüfer wurden in den letzten Jahren sogar noch abgebaut, obwohl wir mehr davon benötigen.
Die CDU will die Bonpflicht abschaffen – dadurch wird Geldwäsche über Bargeldgeschäfte extrem vereinfacht.
Unter dem Framing „Bürokratieabbau“ sollen wichtige Kontrollmechanismen gegen Straftagen abgeschafft werden, um etwa Umsatzsteuerkarusselle besser zu ermöglichen.
Beste Grüße