Danke
Das ist interessant und erfreulich!
Ich verstehe die von Dir angebrachten Gegenargumente und sehe, dass Du alle Seiten sehen willst, sehr aber Du wirst mir verzeihen, wenn ich dennoch auf diese eingehe:
Es stimmt, dass in (oft autogerechten) Randbezirken das Platzproblem entschärft sein kann. Allerdings spricht auch vieles dagegen. Die geringere Siedlungsdichte senkt die Wirkung von Verleihsystemen. Gehwege sind oft in Randgebieten noch schmaler, zugebauter und zugestellter. Die „letzte Meile“ wird seit jeher in der Regel zu Fuß zurückgelegt. Das hat auch den Vorteil, dass man Einkäufe, einen Regenschirm, oder eine Sporttasche tragen kann. Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die keine Meile zu Fuß laufen können, werden auch keinen Scooter nutzen. Es scheint, als hätte man ein neues, meist überflüssiges Verkehrsmittel gefunden und sucht nun nach einer Anwendung.
Valider Punkt. Mehr Daten sind immer wünschenswert und ich stimme Dir zu, dass das Unattraktivmachen des privaten Autobesitzes der Schlüssel zur Verkehrswende wäre. Allerdings ist das doch völlig von E-Rollern unabhängig. Diese tangieren den motorisierten Verkehr nicht, machen aber die Alternativen unattraktiver und gefährlicher. Gleichzeitig habe ich immer noch keine relevante Nische erkannt, die man durch E-Roller schließen müsste: Kurze Wege werden zu Fuß zurückgelegt, mittelkurze Wege mit dem (privaten oder geborgten) Rad und Menschen mit eingeschränkter Mobilität (Behinderungen, Kinderwagen oder schwere Tasche) sind schon heute im Fußverkehr oder im ÖPNV unterwegs sein.
Das liegt aber doch weniger an den Menschen selbst, sondern am Modal Split in Städten, wo der Umweltverbund dominiert.
Es stimmt, dass die Kritik an E-Rollern oft in einem sehr herablassenden Ton vorgetragen wird. Ich halte das auch nicht für schlau. Das ist aber eine Stilfrage und hat nichts mit der eigentlichen Problem zu tun.
Natürlich sind falsch geparkte Autos auch gefährlich und ich engagiere mich in meiner Stadt sehr stark dafür, Falschparken stärker zu ahnden, sowie die Gehwege planerisch frei und sicher zu halten. Allerdings denke ich, dass derzeit falsch abgestellten E-Roller in schlecht regulierten Verleihsystemen (und das sind quasi alle) das akutere Problem darstellen: Mir sind im Bekanntenkreis zwei Verletzungen bekannt, die durch Stürze auf dem Gehweg über abgestellte E-Roller verursacht wurden. E-Roller sind kleiner und schwieriger zu sehen und wurden in den letzten Jahren wurden mitten in den Schutzraum der zu Fuß Gehenden eingebracht.
E-Roller in free-floating Systemen ist Gehwegparken im Tarnkappenmodus und auf Stereoiden. Von daher halte ich dieses derzeit in Innenstädten für ein größeres und gefährlicheres Problem.