Diversität im Lage-Forum

Unser politisches System basiert auf der Annahme und mindestens dem Versuch, die Wahlentscheidung zur freisten Entscheidung überhaupt zu machen. Dafür hat dann erstmal jeder selbst die Verantwortung zu tragen. Deine deterministische Perspektive teile ich inhaltlich nicht. Und wenn wäre das umso mehr ein Grund, alle anderen vor AfD-Wählern zu schützen.

Doch, es ist abwegig. AfD-Wähler sind nicht marginalisiert als AfD-Wähler.

Es gibt mit Sicherheit die von dir angesprochenen marginalisierten Menschen, die AfD wählen, aber die Marginalisierung beruht auf anderen Merkmalen (z.B. ethnische Herkunft), nicht auf der Wahlentscheidung für die AfD.

Also anstatt darüber nachzudenken, wie es gelingen kann, dass sich hier mehr Menschen äußern, die bspw. von Rassismus betroffen sind, sollen wir darüber nachdenken mehr jene Menschen einzubinden, die ebendiesen Rassismus ausüben/verbalisieren, der die erstgenannte Gruppe dann abschreckt? Ich verstehe nicht wie das ein Zugewinn in Bezug zur Ausgangsfrage sein soll

Da muss ich dir widersprechen. Ganz so einfach ist das nicht.

Ähnliche Argumente gibt es in zahllosen Bereichen, in denen weiße Männer dominieren. Ja, sicher steht allen - so sie die Noten haben - z.B. frei, ein Studium in Maschinenbau aufzunehmen, dem CCC beizutreten, oder eben in leicht nerdigen Politikforen zu diskutieren. Nun kann man sich darauf zurückziehen, dass z.B.Frauen ja niemand (außer z.B. ihrer Care-Verpflichtungen) davon abhält und sie sich einfach nicht dafür interessieren.

Wären da nicht in all diesen Bereichen Stimmen und Studien die sagen: Es macht einen signifikanten Unterschied, ob ich das Gefühl habe, in einem Raum einen Fremdkörper - wortwörtlich - darzustellen, sozialen Gepflogenheiten ausgesetzt zu sein, an denen ich aufgrund meiner Sozialisation, der Sozialisation der Männer um mich herum oder einer Mischung aus beidem nicht gleichberechtigt teilnehmen kann und erstmal nicht als Individuum sondern als demografische Kategorie wahrgenommen werde. Kann aus Erfahrung bestätigen: Egal, wie viel Interesse Du mitbringst, das macht keinen Spaß.

Der letzte Punkt mag widersprüchlich klingen, wenn es um die Frage geht, ob mit Betroffenenstimmen anders umgegangen werden sollte, was ich meine ist: Leider hängt die fehlende Beachtung solcher Stimmen häufig mit ihrer Gruppenzugehörigkeit zusammen. Bei Frauen z.B. die Wahrnehmung als empfindlich, etwas zu emotional, nicht so logik-affin, verschiedenste Annahmen darüber, was so alles zu unserer Natur gehört, und - bewusst oder unbewusst - idR einfach nicht so wichtig.

1 „Gefällt mir“

Was ist dein Vorschlag zur Lösung?

1 „Gefällt mir“

Ich verstehe was du meinst und verstehe auch das Ziel dahinter, aber man muss sich in der Konsequenz dann aber auch eingestehen, dass man bei bestimmten Themen gerne möchte, dass mit Betroffenen gesprochen wird statt über sie, bei anderen Themen dagegen spricht man gerne über Menschen ohne deren Perspektive zu hören.

Es wäre ein durchaus interessantes Experiment, wenn sich in einem Thread zur AFD mal jemand als „Betroffener“ zu erkennen geben würde und dann aus seiner Sicht schildern würde, wo seiner Ansicht wir falsche Ansichten vertreten und wo die wahren Probleme liegen. Mich würde das interessieren.

Gesamtgesellschaftlich? Da sehe ich angesichts des aktuellen Roll-backs erstmal auf Jahre ziemlich schwarz.

Konkret? In Diskussion würde es manchmal schon helfen, wenn Männern selbst auffällt, wenn eine Runde die gemischt begonnen hat, plötzlich ziemlich homogen wird und zumindest in Erwägung zu ziehen, ob das was mit dem Umgang zu tun haben könnte.

Das lässt sich auch auf ganze Bereiche übertragen. Die Informatik war nicht immer eine Männerdomane – im Gegenteil: In ihren Anfängen war sie stark von Frauen geprägt. Erst im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Fach zunehmend zu einem männlich dominierten Bereich. Das könnte man(n) zum Anlass nehmen, Zuschreibungen wie “Frauen interessieren sich halt einfach nicht so für Technik” in Frage zu stellen und sich offener für andere Erklärungen zu zeigen.

Das lässt sich auch auf andere marginalisierte Gruppen übertragen.

EDITs: Buchstabensalat

Naja, Menschen die die AfD-Wählen wählen damit ja auch ein medial stark präsentes Sprachrohr. Ich habe nicht den Eindruck, dass AfD-Wähler eine in der öffentlich unterrepräsentierte Gruppe darstellen. Und möchte ich mit AfD-Wählern direkt sprechen, dann melde ich mich bei z.B. der Kommentarfunktion der Welt an und werde relativ schnell fündig. Dort wird mir idR auch mehr oder weniger unaufgefordert die entsprechende Gegenwartsanalyse mitgeteilt.

Die finde ich schwer erträglich - schwer zu finden aber nicht.

AfD-Wähler sind nicht “Betroffene”, so wie Menschen, die Rassismus/Sexismus erleben Betroffene sind

Die Standpunkte/Perspektiven von AfD-Wählern sind im politischen Diskurs nun wahrlich nicht unterrepräsentiert. Wenn irgendjemand es tatsächlich für sinnvoll erachtet, zu versuchen im Lage-Forum mehr AfD-Wähler(Innen) einzubinden - bitte.
Ich persönlich bin vollkommen fein damit, wenn im Lage-Forum rechtsextreme Perspektiven unterrepräsentiert sind. Ich finde es aber wünschenswert, wenn die Perspektiven von Diskriminierung Betroffener mehr Gehör finden.

Als Vater einer siebenjährigen Tochter die sehr an Mathe interessiert ist und zwei Sportarten betreibt die eher als „Männersport“ gelten kann ich berichten, dass Kommentare das sei doch eher für Jungs oder gar das sei nichts für Mädchen (teils auch auf Mathe bezogen) ziemlich häufig vorkommen.

Auch heute ist man noch sehr weit davon entfernt Geschlechterklischees hinter uns zu lassen.

Und natürlich wirkt sich das später auch auf Berufsweg, Einstellung, zu welchen Themen man sich traut Position zu beziehen etc. aus.

1 „Gefällt mir“