Dieses Statement ist auf mehreren Ebenen falsch.
Erstmal ist es völlig unrealistisch, dass Deutschland langfristig „500.000 oder 1 Mio pro Jahr“ Geflüchtete müsste. Es gibt derzeit gut 31,6 Millionen Flüchtlinge im Sinne der Definition des UNHCR weltweit. Ein erheblicher Teil dieser Population bleibt aus freien Stücken in der Nähe ihrer Herkunftsländer in der Hoffnung, bald wieder zurückkehren zu können.
Selbst wenn Deutschland eine völlig neue, offene Flüchtlingspolitik praktizieren würde, in der jeder, der gegenüber dem UNHCR seinen Flüchtlingsstatus nachweisen kann, automatisch auch ein Visum für Deutschland kriegen würde, würden im Schnitt deutlich weniger als 1 Mio Menschen im Jahr auf diese Weise einreisen. Nach einem ersten Ansturm vermutlich deutlich weniger als 500.000 Menschen im Jahr. Und für viele wäre es wohl nur das Sprungbrett in andere Länder, die aus unterschiedlichen Gründen viel attraktiver sind, also z.B. die USA, Kanada usw.
Natürlich wollen aber auch viele Menschen zu uns kommen, die keine Flüchtlinge im Sinne des juristischen Begriffs sind. Diese Menschen kommen, weil sie hier arbeiten und Geld verdienen wollen (wobei natürlich auch sehr viele Flüchtlinge gerne arbeiten). Und bei dieser Gruppe, gerne als „Wirtschaftsflüchtlinge“ bezeichnet, muss man klar feststellen: es wollen deutlich weniger kommen, als wir brauchen.
Ich hatte das mal vor einiger Zeit spaßeshalber durchgerechnet, und wir brauchen wenn ich mich richtig erinnere mindestens 750.0000 Zuwanderer jährlich für mindestens die nächsten 15 Jahre, wenn wir unsere Sozialsysteme in der heutigen Form erhalten wollen. Und das können schon zahlenmäßig nicht nur „Fachkräfte“ sein. Wir brauchen auch viele Menschen, die ungelernte oder wenig qualifizierte Tätigkeiten aufnehmen oder denen wir hier eine Ausbildung zur Fachkraft finanzieren können.
Der aktuelle Trend sieht so aus, dass in 15 Jahren ein Arbeitnehmer 6 Rentner finanzieren muss. Vor ein paar Jahrzehnten war das Verhältnis noch 1:1. Man muss doch kein Wirtschaftsforscher sein um festzustellen, dass das so nicht funktioniert.
Entsprechend gibt es keine real existierende „Grenze“, bei der die Aufnahmefähigkeit Deutschlands erreicht ist. Es ist ausschließlich eine Frage unserer gesellschaftlichen Fähigkeit und Willigkeit, ein für uns unterm Strich positive Entwicklung zuzulassen und so zu gestalten, dass sie für alle Beteiligten vorteilhaft ist. Die „Grenze“ entsteht nur dadurch, dass irgendwelche dämlichen Ängste vor „Überfremdung“ produziert und projiziert werden.