Diese Zahlen sind nicht korrekt, dass sollte auch jedem klar sein, ein Arbeitnehmer kann niemals einen (oder gar 6) Rentner finanzieren. Die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft, die ich dazu gefunden habe, lauten wie folgt:

2020 kommen auf 100 Beitragszahler 57 Rentner; im Jahr 2030 dürften es 67 sein, im Jahr 2050 etwa 77.

Rente, Pflege, Kranken- und Arbeitslosenversicherung - Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Ob dann die Zahl mit den 750.000 Migranten, die man zur Aufrechterhaltung unserer Sozialsysteme bräuchte, richtig ist kann ich nicht beurteilen.
Allerdings dient nicht jeder Zugewanderte dem Ziel, unsere Wirschaft zu stärken und die Sozialsysteme zu stabilisieren. Die Konrad-Adenauer- Stiftung schreibt dazu, dass ein fiskalischer Nutzen für den Sozialstaat nur durch qualifizierte Zuwanderung entsteht, sprich Zugewanderte müssen mindestens so qualifiziert sein, wie der durchschnittliche Deutsche. Genaueres und Quelle:

https://www.kas.de/documents/252038/16166715/Deutschlands+Sozialstaat+kann+von+qualifizierter+Zuwanderung+profitieren.pdf/bcf12a34-fbde-82b1-2019-58e0aa991db6?

Schaut man sich die Population der Geflüchteten an, die 2015 ins Land kamen, so sind inzwischen knapp 2/3 in Arbeit, bei einem durchschnittlichen Lohn von 2570 Euro brutto.

Studie - Die meisten der Geflüchteten von 2015 haben Arbeit.

Fiskalisch ist der Nutzen also begrenzt, denn die deutsche Bevölkerung hat eine Erwerbsquote von 75% (und da zählen auch sehr junge und sehr alte Menschen dazu, die bei Geflüchteten idR weniger repräsentiert sind) bei einem Medianlohn von 3645€ im Jahr 2023.

Man muss und sollte daher zwischen Menschen trennen, die wir aus humanitären Gründen aufnehmen, und diese Zahl muss aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen (sowie der Akzeptanz der Bevölkerung) begrenzt sein und Menschen, die wir für unsere Wirtschaft brauchen. Leider wird dieser Unterschied oft nicht gesehen und diese beiden Gruppen von Zuwanderern zusammen betrachtet.

Leider stellen wir uns gerade bei der Anwerbung von (durchschnittlich oder überdurchschnittlich qualifizierten)ausländischen Fachkräften nicht so erfolgreich an, wie es notwendig wäre.

2 „Gefällt mir“

Das scheint mir entweder etwas kurz gedacht wenn nicht tendenziös. Es spricht ja wenig dagegen die Personen besser zu qualifizieren. Auch die Deutschen kommen nicht mit durchschnittlicher Qualifikation zur Welt. Da muss die Gesellschaft investieren. Und bei Zuwanderern mit unzureichender Qualifikation ist es genauso.

Ein Land, in dem prominent Stimmung gegen Einwanderer gemacht wird, die auch in weiten Teilen der Bevölkerung verfängt, büßt naheligenderweise an Attraktivität ein. Für sich selbst würden vielleicht noch viele das Risiko in Kauf nehmen. Für die eigenen Kinder aber die allerwenigsten.

6 „Gefällt mir“

Zumal hier noch die Frage im Raum steht, ob die Geflüchteten entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten bzw. fair/gleich bezahlt werden.
Da Sprache hier immer ein wesentlicher Faktor ist, ist auch die Frage, inwiefern hier investiert wird.

2 „Gefällt mir“

Zustimmung. Wenn ich auf die aktuelle Wohnungsnot schaue, dann sehe ich an diesem Punkt schon den (gefühlte) Grenze schon sehr deutlich.

Das ist z.T. sicher richtig. Menschen, die zumindest eine grundlegende Schulbildung im Herkunftsland erfahren haben, kann man beruflich ausbilden und/ oder qualifizieren. Es kommen aber auch viele Menschen zu uns, die völlig ohne Schulbildung bzw. max. eine Schulbildung auf Grundschulniveau erhalten haben. Da sieht die Sache schon anders aus.
Hier mal die Zahlen aus wichtigen Herkunftsländern:

  1. Nigeria: 53,8% ohne Schulbildung oder max. Grundschule
  2. Irak: 47,6% max. Grundschule
  3. Afghanistan: 27,6% ohne Schulbesuch
  4. Somalia: 35,3% ohne Schulbildung, 28,9% Grundschule

Dagegen weisen Geflüchtete aus Syrien, dem Iran, der Türkei und Georgien häufig überdurchschnittliche Bildungsabschlüsse auf.

Quelle: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/BerichtsreihenMigrationIntegration/SoKo-Analysen/kurzanalyse3-2019-qualifikation-asylerstantragstellende-1hj-2018.pdf?__blob=publicationFile&v=11

Nochmal: Ich bin dafür, auch Menschen aus der erstgenannten Gruppe unter humanitären Gesichtspunkten aufzunehmen. Dass diese Menschen aber unsere Sozialsysteme stützen ist blauäugig. Daher sollte es eben eine Trennung zwischen (begrenzter) Asylzuwanderung - hier sollte es eine gerechte Verteilung in der EU und auch anderen wirtschaftlich starken Staaten wie Schweiz, Norwegen, Kanada … geben und gewollter Zuwanderung von Arbeitskräften und ihren Familien.
Diese Gruppen gemeinsam zu betrachten halte ich für falsch.

1 „Gefällt mir“

Du musst dazu erwähnen, um wie wenig Menschen es bei diesen Zahlen geht (siehe Studie).
Und auch erwähnen, dass 31 % der 2015 zugewanderten Frauen und 75 % der Männer arbeiten.
In Anbetracht der Steine, die ihnen in den Weg gelegt wurden, ist das extrem viel und zeigt auf, wie viel Potenzial darin liegt.

Diese Zahlen aus Ländern, aus denen kaum einer kommt, sind doch eher irreführend. Entscheidend ist wieviele in Summe welche Abschlüsse haben.

Und da haben offenbar 40% einen höhere und weitere 25% eine mittlere Schule besucht.
Diese könnten nach einem Sprachkurs gleich eine dem Abschluss entsprechende Ausbildung starten.
Aber auch die, die keinen Abschluss haben, könnten einen Abschluss nachholen oder sich für einen Bereich qualifizieren, wo es auf formale Bildung weniger ankommt.

https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/BerichtsreihenMigrationIntegration/SoKo-Analysen/soko-jahresbericht-2022.pdf

1 „Gefällt mir“

Die Zahlen stehen ja in meiner verlinkten Quelle des DLF, wir beziehen uns ja beide mit unseren Links auf dieselbe Studie. Was du mit wenig Menschen meinst verstehe ich allerdings nicht, hier finde ich keine konkrete Zahl. :man_shrugging:t2:
Ansonsten sind wir glaube ich gar nicht so weit auseinander, dass jeder der hier lebt, sich integriert und arbeitet willkommen ist. Und ich begrüße die Erfolgsgeschichte jedes und jeder Einzelnen.
Mir ging es nur darum, dass ich glaube, zwischen humanitären Verpflichtungen durch Asylzuwanderung, Wirtschaftsflüchtlingen und gewünschter Anwerbung von Arbeitskräften zu unterscheiden.
Dazu habe ich ja auch weiter unten nochmal ein paar Zahlen ergänzt.

1 „Gefällt mir“

Aber auch diese Unterscheidung ist doch eine willkürliche. Es handelt sich immer um Menschen, die hier her kommen und in unterschiedlichem Ausmaß einen Beitrag zur Gesellschaft leisten können und sollen, weil das einfach menschlich ist.
Und genauso sollte man sie behandeln. Individuell schauen, was sie können und was sie lernen können um zum besten Nutzen ihrer selbst und der Gesellschaft tätig zu werden.

2 „Gefällt mir“

Ja, besser wäre es natürlich, die Menschen, die aus humanitären Gründen aufgenommen werden, genössen den lieben langen Tag nur ihren Schutz, nicht dass die noch arbeiten möchten. /s

Nochmal ohne Ironie: Spätestens, wenn Menschen hier leben, nehmen sie auch am Wirtschaftsleben teil, da hilft es mE recht wenig, eine rigide Trennung aufrechtzuerhalten. Die trifft es ja auch nicht, ein Flüchtling oder Asylbewerber ist auch nur ein Mensch. Der kann Fußballprofi werden, Lackierer, Politiker oder Langzeitarbeitsloser, das ist ja nicht in Stein gemeißelt, nur weil „Flüchtling“ drauf steht. Natürlich besteht als Aufnahmegrund trotzdem die humanitäre und rechtliche Verpflichtung, nur kann man ja trotzdem auch wirtschaftlichen Nutzen draus ziehen.

Letztere Aussage liegt im meinen Augen ein wenig daneben. Der Mensch muss doch „nur“ sog. Nettozahler sein, dafür kommt es auf die Qualifikation ja nicht unbedingt an. Der durchschnittlich qualifizierte Deutsche könnte ja auch Nettoempfänger sein oder sehr deutlich über dieser Grenze liegen. (Wenn alle Deutschen Dr. der Physik wären, brächte ein Schlosser in Arbeit trotzdem noch ein Plus für den Sozialstaat.) Aber ich will diese Korrelation auch nicht grundlegend abstreiten.

Dazu kommt natürlich, dass der Lohn nicht unbedingt den Wert der Arbeit widerspiegelt, d.h. auch mies bezahlte Stellen u.U. für eine Arbeit stehen, die erledigt werden muss. Die gesamtwirtschaftlichen Effekte werden in dem KAS-Papier leider nicht ausführlich behandelt.

Erwerbsquote umfasst laut Wikipedia sich Erwerbslose, würde also nicht aussagen, wie hoch der Anteil an tatsächlich Beschäftigten in einer Gruppe ist. Meinst Du vielleicht etwas anderes (oder verwendet Wiki denn Begriff ungenau)?

Ich würde auch nicht Median der einen und Durchschnitt der anderen Gruppe vergleichen wollen, auch wenn ich vermuten würde, dass Median und Durchschnitt bei den Geflüchteten nahe beisammen liegen (da alle aufgrund ausländischer Herkunft unabhängig von der Varianz der Qualifikation auf gewisse Barrieren treffen, die den Lohn nach oben begrenzen, nach unten begrenzt der Mindestlohn), bei den Deutschen der Median unter dem Durchschnitt liegen dürfte (Lohn nach oben hin weniger begrenzt, daher mehr Verzerrung durch einzelne hohe Löhne). D.h. würde man jeweils das gleiche Maß vergleichen, würde es vermutlich noch weiter auseinander sein. Sind aber nur plausible Annahmen.

1 „Gefällt mir“

Dazu kommen noch ca. 6,9 Millionen Asylsuchende, 6 Mio. geflüchtete Palästinenser:innen unter dem Mandat von UNRWA sowie 5,8 Mio. sonstige Schutzbedürftige.
Man sollte dazu auch wissen, dass zwischen 2014 und 2023 die Gesamtzahl an gewaltsam vertriebenen Menschen von knapp unter 60 Mio. auf 117,3 Mio. angestiegen ist (die meisten Binnenvertriebene), von denen 75% in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen unterkommen und 69% in Nachbarländern ihrer Heimatländer (interessante Nebenbeobachtung: die armen Staaten sind hilflos überschuldet und nehmen trotzdem das Gros der Vertriebenen auf - diese Länder zahlen ziemlich direkt für „unseren“ Wohlstand).

Es ist bei solchen Zahlen doch nur zu erwarten, dass auch die Zahl der Menschen, die nach D kommen, steigt (faktische Erwartung) und dass D einfach seine Pflicht tut (normative Erwartung; was es, anders als viele andere EU-Staaten aus meiner Sicht noch auch tut). Ja, das kostet Geld. Ja, das ginge auch ohne Gejammer.

Alle Zahlen: UNHCR Global Trends Report 2023.

Deine Quelle ist ein stückweit besser als meine, da aktueller. Ich bezog mich wie du auf das BAMF, allerdings mit Zahlen von 2019, du von 2022.
Den Vorwurf Länder zu nennen, aus denen kaum jemand kommt ist unrichtig. Ich bezog mich auf Zahlen der 10 Hauptländer, aus denen Menschen Asylanträge stellen, diese Länder haben sich auch nicht so stark verändert. Lediglich Nigeria ist in den Top Ten der Herkunftsländer nicht mehr vertreten.
Auch bei anderer Meinung bitte fair bleiben.

Ich finds wenig. Den einzelnen kann man wegen der „Steine“ sicher nichts vorwerfen. Aber ich kann schon verstehen, wenn viele Leute ein Problem damit haben, dass ca. 300.000 Migranten seit 2015 hier leben und nicht arbeiten. Die Zahlen würde ich also nicht so stolz vor mir hertragen…
Wir beide werden uns wohl einig sein, dass die Vorteile und das Potential das Problem wert sind. Aber viele kommen zu einem anderen Ergebnis und das muss man respektieren. Man darf nur nicht so tun, als wären die Migrationswellen eine reine Erfolgsstory. Das nimmt keiner Ernst.

Ich denke, es sind weniger, denn es werden Familien darunter sein, sodass mit einem Arbeitnehmer oft eine weitere Person aus den Sozialleistungen fällt.

Ein Großteil der Personen kommt aber aus nur 3 Ländern.
Aus dem Irak kommen nur 5%, Somalia 1%. Nigeria stehen nur noch unter Sonstiges also unter 1%.
Von den von Dir genannten Ländern kommen nur aus Afganistan mit etwa 20% nennenswerte Anteile.
Die Aufzählung mit den 53,8% erzeugt einfach durch cherry picking unnötig ein falsches Bild.

Das gilt nur für Aslysuchende. Die scheinen mir von der Diskusion nicht primär betroffen. Leider wird in den Medien hier oft nicht gut genug differenziert.

Die wenigsten Politiker/Wähler wollen wohl (Gott sei Dank!) das Asylrecht unter den Menschenrechtsstandard senken. Darüber wird also nicht wirklich diskutiert, wenn über die „Geflüchteten“ gesprochen wird. Vielmehr setzt die Diskussion immer schon voraus, dass der Großteil gerade keinen Asylschutz genieß (sog. „Wirtschaftsmigranen“). Die Aufnahme von solchen Wirtschaftsmigranten ist keine grundrechtliche Pflicht. Daher kann man bei der Diskussion, ob und wieviele aufgenommen werden sollen und wie das entsprechende Verfahren gestaltet wird, ganz objektiv/pragmatisch/utilitaristisch diskutieren. Moralische Implikationen gelten hier nur am Rande.

5 „Gefällt mir“

Ich habe beide Zahlen aus dem Artikel des DLF, den ich auch beigefügt habe, entnommen. Dabei wird eine Studie des IAB zitiert in der - so hoffe ich, ohne es hinterfragt zu haben - hoffentlich nicht Äpfel mit Birnen verglichen wurden.

Das ist richtig. Der monatliche Durchschnittslohn in Deutschland lag 2023 nach Statistica bei einem vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer bei 4480 €, rechnet man Teilzeitkräfte mit ein bei 3540 € monatlich. Ändert am Grundtenor meiner Aussage aber wenig, die Unterschiede sind eher noch deutlicher.
Der Fairness halber muss aber gesagt werden, dass viele Geflüchtete auch erst relativ kurz in Arbeit sein können, wenn sie 2015 ins Land kamen, und das Gehalt ja meist mit der Beschäftigungsdauer steigt.

1 „Gefällt mir“

Ich sehe die Schuld hier nicht nur bei den Medien. Das Framing Migration ist nichts gutes, Asyl muss begrenzt/das Asylrecht muss eingeschränkt werden, Integration funktioniert nicht, Grund für die schlechte Infrastruktur sind die vielen Ausländer wird in verschiedenen Abstufungen von weiten Teilen der Politik so kommuniziert. Ob davon dann wirklich niemand Asylrechte unter den Menschenrechtsstandard senken will, würde ich persönlich nicht unterschreiben. Selbst wenn es die meisten nicht in letzter Konsequenz wollen, wird Stimmung in genau die Richtung gemacht.

1 „Gefällt mir“

Alle Politiker und Wähler, die für „Obergrenzen“ bei der Aufnahme von Geflüchteten plädieren, wollen das Asylrecht unter den Menschenrechtsstandard senken, denn bei dieser Forderung geht es ja explizit um den Gedanken, einen Menschen an der Grenze abzuweisen ohne sein Recht auf Asyl in einem transparenten und rechtsstaatlichen Verfahren zu prüfen. Und das repräsentiert einen nicht unerheblicher Teil der politischen Klasse und der Wähler.

Mal davon abgesehen, dass das Recht auf Asyl schon durch den „Asylkompromiss“ von 1993 stark ausgehöhlt wurde. „Menschenrechtsstandards“ werden in der politischen Debatte gerne immer genau da verrohrtet, was man den Wählern und der eigenen Ideologie noch für vermittelbar hält. Mit einem an konsequenten und dauerhaften moralischen Kriterien orientierten Standard hat die Debatte schon lange nichts mehr zu tun.

4 „Gefällt mir“

Erstmal ohne weitere Einordnung: Spannend ist hier auch der erwähnte Aspekt, dass eine große Zahl an Flüchtlingen auf der Flucht nur eine einzige Grenze überquert. Laut ZEIT (Okt 24) sind dies 69% aller Geflüchteter weltweit. Unter den Top 5 Aufnahmeländern gibt es nur ein Land, welches keine direkte Grenze zu einer Krisenregion hat: Türkei, Iran, Kolumbien, Pakistan, Deutschland.