Digitale Angebote der deutschen Bahn

Ich weiß, die Lage hat das Thema schon oft behandelt, aber die aktuellen Entwicklungen bei der Deutschen Bahn machen mich wirklich fassungslos.

Die Reaktion auf den jüngsten DDoS-Angriff scheint offenbar darin zu bestehen, „weniger wichtige“ Kundengruppen kurzerhand als potenzielle Bots auszusperren. Linux-Nutzer werden pauschal blockiert, aber laut Kommentaren trifft es auch Mac-Nutzer mit Safari, ohne VPN oder sonstige obskure Konfiguration: Deutsche Bahn verweigert Auskunft für Linuxer | heise online

Mich betrifft das persönlich und direkt: Ich habe kein Auto und bin auf die Bahn angewiesen. Wenn ich keine Tickets buchen kann, stehe ich buchstäblich ohne Mobilität da. Aber selbst wenn der Ticketkauf am Schalter noch funktioniert: die Verbindungssuche online ist für mich unverzichtbar. Ich reise mit Baby und will Umstiege minimieren, auch wenn das bedeutet, länger an einem Bahnhof zu warten. Diese Art der Reiseplanung ist am Schalter schlicht nicht möglich.

Besonders absurd: Den Fehler soll man über ein Service-Portal melden, das nach dem Absenden der Anfrage denselben „Du bist ein Bot“-Fehler ausgibt. Da muss man schon kreativ in der Kontaktaufnahme sein.

Noch krasser ist, dass laut Kommentaren auch Nutzer mit ausländischen IPs, etwa aus der Schweiz oder Dänemark, seit Monaten betroffen sind.

Dazu kommt: Wer sich gerade im Ausland befindet, wird seit Jahren gezwungen, sich für den Bankeinzug über Verimi zu verifizieren¹, selbst wenn dasselbe Konto bereits für Bahntickets im Wert von mehreren tausend Euro genutzt wurde. Und seit 2022 läuft die noch immer nicht abgeschlossene Klage von Digitalcourage wegen der Tracker im Navigator.

Was mich am meisten stört: Die Bahn ist eine Grundversorgung und schließt trotzdem systematisch Menschen aus, zwingt sie zur Datenweitergabe an externe Dienstleister, und blockiert den Zugang auch aus dem europäischen Ausland. Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, muss es doch selbstverständlich sein, dass Bahntickets für alle buchbar sind, egal welches Betriebssystem, egal von wo. Das kann nicht der Anspruch eines öffentlichen Infrastrukturunternehmens sein.

¹ Auch wenn es dafür ursprünglich nachvollziehbare Gründe gab: Kontosicherheit lässt sich eleganter lösen, etwa durch erneute Verifikation per hinterlegter E-Mail-Adresse, wie es andere Unternehmen längst praktizieren.

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Soweit mir bekannt ist kann man das Problem zumindest dadurch umgehen, dass man den user Agent seines Browsers anpasst:

https://www.heise.de/news/Deutsche-Bahn-Keine-Auskunft-unter-Linux-11300742.html

Wer nun nicht unbedingt spontan das Betriebssystem wechseln mag, kann sich durch Setzen des User-Agents im Browser behelfen. Wer dort „Linux“ durch „Windows“ ersetzt, erhält doch wieder Einlass und kann sich eine Verbindung auf der Bahn-Webseite suchen und sie auch buchen. Der Gegentest lässt tief blicken. Verpasst man einem Firefox unter Windows 11 eine Linux-Kennung, tritt das Verhalten auch unter Windows auf. Der Support schlägt unter Umständen den Wechsel auf Chrome vor, aber auch da: Aussperrung, sofern „Linux“ im User-Agent enthalten ist, der Tipp hilft nicht. Das lässt sich sogar mit Safari unter macOS provozieren.

Wer es selbst probieren mag: Der Aufruf von „about:config“, in Firefox der Klick auf „Risiko akzeptieren“ und anschließend die Suche nach „general.useragent.override“ liefert den zugehörigen Eintrag, der als String angelegt und mit dem Klick auf die „+“-Schaltfläche gesetzt werden kann. Zum Zurücksetzen müssen Interessierte den Eintrag erneut suchen und durch Klick auf das Mülleimer-Symbol die Änderung löschen.

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