Damit ich das richtig verstehe, kurzer Recap:
Da führt Russland einen Krieg um seine Interessen durchzusetzen. Deutschland und andere westliche Staaten wollen das aus verschiedenen Gründen nicht hinnehmen, und ergreifen Partei für die angegriffene Ukraine. Im Wege dieser Unterstützung wird Russland mit den ungefähr heftigsten Sanktionen aller Zeiten überzogen, mit dem erklärten Ziel ihm seine Möglichkeit zur Kriegführung streitig zu machen, und es dabei so zu schädigen, dass es volkswirtschaftlich jahrelang nicht mehr auf die Beine kommt (Baerbock).
Aber vor diesem Hintergrund soll Russland trotzdem weiter Gas liefern, und brav Rohstofflieferant für unser Wirtschaftswachstum spielen? Ist Russland für dich überhaupt ein sourveränes Land oder eher eine Tankstelle mit Atomraketen? Na selbstverständlich setzen die die Lieferungen aus!
Das ist doch exactly my point: Die Reaktion war zu erwarten, der Weg wurde trotzdem beschritten. Das war eine Entscheidung unserer Regierung, und das kann & sollte eine politische Linke für sich nutzen.
Ich sehe diese Abhängigkeit ganz genau wie du als höchst problematisch. Hinsichtlich der Unzuverlässigkeit kann ich aber nicht so ganz folgen. Soweit ich weiß kamen die Lieferungen jetzt ca. 50 Jahre lang mehr oder weniger anstandslos. Gemeint ist dann vermutlich eher eine Art Unzuverlässigkeit in Sachen Frieden?
Edit:
„Sanktionen ja, solange sie uns nicht[/wenig] weh tun - sonst doch lieber Putins Krieg mitfinanzieren“ ist bis heute unverändert Leitlinie unserer Sanktionen. Wie du selbst richtig sagst, nicht wir verzichten auf den Bezug von Gas. Eben weil es wehtut.
Gilt übrigens für im Grunde alle Sanktionen. Jemals.
Ja, das ist in der Tat die Natur politischer Entscheidungen. Deine Sichtweise gefällt mir durchaus, deine Beispiele oben habe ich auch nicht überlesen. Ich will nur nicht in eine Folgediskussion einsteigen, welche Gegenmaßnahmen uns jetzt genau welche negativen Entwicklungen beschert haben usw.
Was ich dabei nicht so recht entkräftet sehe ist eben der akute (bzw. im Winter akut werdende) Fall. Ohne das politische Eingreifen bräuchte es aktuell nun mal weder kleine noch große Schüsse für den Junkie (schöne Metapher übrigens). Ja, diese Rezession darf dann ruhig das eigene Opfer sein, das in Kauf zu nehmende Übel wie du sagst. Aber sie ist eben „außerplanmäßig“. Und neben den rein finanziellen Problemen geht es ja auch zusätzlich um Fragen physischer Knappheit.
Ein letztes mal noch die Klarstellung, danach habe ich wirklich keine Lust mehr mich zu wiederholen: Ich habe weder die Abschaffung gefordert, noch die Nichtbeteiligung ex-ante. Edit: höchstens formell, wie oben gesagt als politischer Hebel.
Ob dann alles tutti wäre oder nicht weiß keiner von uns. Soweit ich weiß erhalten jedenfalls Länder, die sich nicht an den Sanktionen beteiligen, nach wie vor Gas, Öl, etc. Und das ist in meinen Augen die Messlatte für die Bundesregierung.