Daran musste ich auch schon denken. Ich denke Scholz wird mit Lindner nicht mehr wollen.

Mein Tipp, zu den Neuwahlen übernimmt Pistorius und Scholz zieht sich zurück. Das wäre für die SPD am besten und bringt am wenigsten Altlasten für Regierungsbildungen. Zumal Pistorius auch von der CDU respektiert wird.

Dann ist ein Minister Lindner auch nicht mehr unmöglich (aber trotzdem unwahrscheinlich).

Das Problem ist die Begründung der Aussetzung der Schuldenbremse. Die erfordert eine unvorhersehbare Notlage. Ist das im Fall der russischen Invasion in der Ukraine noch der Fall? Wohl kaum.

Im Brennpunkt gestern Abend wurde am Rande erwähnt, es hätte der Vorschlag im Raum gestanden, die Auswirkungen der US Wahl als Begründung zu verwenden (möglicher Rückzug der USA aus den Ukraine-Hilfen, Forderung nach mehr Rüstungsbudget für die Bundeswehr). Das hätte der Kanzler als Begründung abgelehnt. Nachvollziehbar, da undiplomatisch und wirkt sehr schwach. Aber es wäre eine mögliche Begründung gewesen.

Die rheinland-pfälzische DGB-Landesvorsitzende Susanne Wingertszahn dagegen hält den Zeitplan von Kanzler Olaf Scholz für richtig. Neuwahlen kurz nach Weihnachten und dem Jahreswechsel wären kein guter Zeitpunkt.

Irgendetwas hast du da falsch verstanden.
Dass die Unternehmer für eine unionsgeführte Regierung lieber heut als morgen sind, ist jetzt wenig überraschend.

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Kurzfristige Neuwahlen wären problematisch, weil AfD (und BSW) ggf. einen Blockade-Stimmenanteil gewinnen könnten. Entscheidende Gesetze sind u.U. nur mit dem aktuellen Bundestag möglich. Die Union sollte gut überlegen, ob sie Scholz’ Vorschlag nicht annimmt.

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Ich glaube nicht das irgendjemand die Invasion Russlands wirklich hatte seit langem vorhersehen können. Also sorry wenn ein Angriffskrieg in Europa keine Notlage ist, was ist dann überhaupt eine Notlage?

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Es ist eigentlich ganz einfach: Unternehmen wünschen sich Planungssicherheit für unternehmerische Entscheidungen. Das gilt für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Und diese Sicherheit bekommt man eher nicht, wenn sich eine gecrashte Ampelregierung noch schnell ein paar halb ausgegorene Gesetze ausdenkt, die die nächste Regierung dann wieder umkrempelt.

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Zitat:
„Gewerkschaften machen ebenfalls Druck. „Dieses Land, die Menschen, die hier leben und arbeiten haben Stabilität, Sicherheit und vor allem Zuversicht verdient“, sagte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. „Jetzt müssen schnell klare Entscheidungen über die nächsten Schritte getroffen werden.“ Wirtschaft und Gesellschaft bräuchten jetzt dringlicher denn je eine handlungsfähige Regierung, eine konstruktiv arbeitende Opposition und einen aktiven Staat.“

Klingt nicht so, als wollten sie der Opposition zu schnellen vorgezogenen Wahlen verhelfen :wink:

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Ich sorge mich vor allem, ob jetzt die Neuregelungen zum Schutz des Bundesverfassungsgerichts vor einer Neuwahl noch gesichert werden können.

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Das verstehst du falsch. Die Frage entbrennt sich, ob im Jahr 2025 die Aussage die Invasion erzeuge eine unvorhersehbare haushaltspolitische Notlage, gerechtfertigt ist oder ob man nicht die Jahre 2022, 2023 und 2024 für eine nachhaltige Lösung nutzen hätte können.

Man hätte beispielsweise im Parlament Steuern erhöhen können, Ausgaben kürzen (nur wo soll das sein?), die Schuldenbremse abschaffen oder am Straßenrand Politiker betteln lassen können.

Wir wissen seit 2,5 Jahren von dem Angriff. Es war genug Zeit für die Ampel um eine Lösung zu finden. Die unvorhersehbare Notlage ist für Dinge, die man im Gesetzgebungsprozess zeitlich nicht anders mehr regeln hätte können. So wie ein Krieg in Jahr 1, eine Naturkatastrophe, eine plötzlich auftretende Wirtschaftskrise. Sie ist doch aber nicht für jahrelang fortgesetzte Krisen gedacht, die man auch auf dem üblichen gesetzgeberischen Weg hätte lösen können.

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Eine „handlungsfähige Regierung“ - wie gefordert - wird es jedenfalls ohne Neuwahlen kaum geben. Das wäre auch nicht anders, wenn in derselben Situation die Union an der Macht und die SPD in der Opposition wäre.

Eine Notlage muss ja nicht auf ein Jahr begrenzt sein. Das wäre ja ein vollkommen absurdes Verständnisvon Notlagen. Außerdem hat Lindner ja in den letzten Jahren die Notlage nicht erklärt, weil er meinte es besser zu wissen, trotzdem war es ja eine Notlage. Dadurch dass er sie nicht erklärt hatte, fehlten wichtige Mittel für die Wirtschaft, was wir an der aktuellen Wirtschaftskrise merken. So wie du es formulierst klingt es ja so, als ob es bei der Schuldenbremse nur darum geht, Politiker für ihre Fehler zu bestrafen: „Du hast keine Notlage erklärt, tja Pech gehabt. Das Land ist am Abgrund aber immerhin hat der Politiker seine Lektion gelernt“ (Vielleicht sollten wir als Notlage erklären, dass wir Lindner als Finanzminister hatten)

Mal ein paar Zitate zu dem Thema aus folgendem Artikel Schuldenbremse: Ukraine-Hilfe als Folge einer Notlage?

Doch wie ist es verfassungsrechtlich zu bewerten, dass die Ukrainehilfe 2023 nicht zur Begründung einer Haushaltsnotlage genutzt wurde, 2024 dann aber plötzlich doch? Ist dieser Begründungsansatz damit verwirkt? Wohl kaum: Es kann nicht gegen diese Notlagenbegründung sprechen, dass sie 2023 nach der ursprünglichen Planung der Bundesregierung nicht erforderlich gewesen wäre. Es gibt schließlich keine Pflicht notlageninduzierte Ausgaben mit Schulden zu finanzieren.

So ist noch offen, wie lange die Wirkungen einer Notlage noch zum Überschreiten der Schuldenbremse berechtigen und ab wann sie zur neuen Normalität gehören. […] Rechtsprofessor Alexander Thiele […]: „Die langsam auslaufende Krise ist ein Problem. Im Moment des Krisenausbruchs ist alles klar, doch dann diffundiert die Krise in eine normale konjunkturelle Entwicklung hinein“.

Es ist aber unwahrscheinlich, dass das BVerfG Haushaltsausgaben, die durch den Ukraine-Krieg veranlasst wurden, schon zwei Jahre später als haushalterischen Normalfall einstufen wird. Wenn das BVerfG mehrjährig wiederholte Krisenfeststellungen erlaubt, dann sind zwei Jahre eindeutig noch am unteren Rand des zulässigen Rahmens.

Den Ukraine Krieg jetzt schon als Normalität anzusehen ist vollkommen absurd.

Und ganz ehrlich es ist nicht so eindeutig wie Lindner hier tut, dass eine Notlage hier der Verfassung widerspricht. Also macht man dann folgendes: Man erklärt eine Notlage und wenn dann die Union dagegen klagt, nutzt man diese Klage, um aufzuzeigen, wie bescheuert die Schuldenbremse ist, wenn ein Angriffskrieg in Europa nach 2.5 Jahren schon als Normalität angesehen wird. Nach der Logik wäre der zweite Weltkrieg für die von Deutschland angegriffenen Länder zum Großteil keine Notlage gewesen „sie hätten ja Steuern erhöhen können“

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Wenn jetzt die Vertrauensfrage gestellt wird, wird bis Weihnachten nichts mehr passieren, weil der Bundeskanzler sein Amt aufgegeben hat und sein Nachfolger erst einmal sich orientieren muss. Nach der Wahl wird es Koalitionsverhandlungen geben und mit Glück haben wir im März eine fähige Regierung.
Ja, das heißt, dass wir nach dem Plan der SPD mit Glück im Mai eine fähige Regierung haben werden. Aber wenn die Opposition sich zusammenreißt, kann man bis Weihnachten noch etwas bewegen. Wird kein Zufall sein, dass augegerechnet Wissing das Justizministerium übernommen hat. So kann er das letzte Projekt von Buschmann nach Möglichkeit noch abschließen.
Dass die FAZ das Zitat in eine Reihe gestellt hat, die das suggeriert, was du da rein interpretierst, darf man einer wirtschaftsnahen Zeitung vermutlich nicht vorwerfen, aber es steht nun mal nicht da, was du da rein interpretierst. Dagegen ist die Aussage der DGB-Landesvositzenden aus RLP ja recht deutlich.

Auch Fahimi appelliert eher an die Union, kompromissbereit zu sein:

Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Fahimi, forderte eine parteiübergreifende Zusammenarbeit mit Kompromissen für wichtige Beschlüsse. Jetzt müssten sich alle verantwortungsvollen Demokraten zusammenraufen und die dringendsten Entscheidungen für die deutsche Wirtschaft und die soziale Absicherung treffen
Reaktionen aus der Wirtschaft - Gesamtmetall fordert handlungsfähige Mehrheiten - DGB dringt auf parteiübergreifende Zusammenarbeit

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Bitte entschuldigt, wenn diese Frage schon beantwortet wurde, aber sind die Mittel bei Aussetzen der Schuldenbremse zweckgebunden mit der entsprechenden Argumentation zur Aussetzung?

Rechtfertigt die Bundesregierung das Aussetzen der Schuldenbremse mit dem Putin Krieg, dann muss das freigewordene Geld (Wie viel darf das eigentlich sein und wer entscheidet das wonach?) auch nur für den Krieg verwendet werden?

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Seit heute haben wir Gewissheit. Während seine früheren Parteikollegen ihre Entlassungsurkunde erhielten, bekam Wissing die Ernennungsurkunde zum Minister für Justiz.

Gab es schon einmal einen parteilosen Doppelminister oder geht Wissing damit in die Geschichte der Bundesrepublik ein? Eine kurze Suche aller Doppelminister lässt mich vermuten, dass das tatsächlich historisch ist.

Ganz ehrlich, das ist für mich geradezu die Definition von:

Aus dem Artikel den ich oben verlinkt habe:

Die SPD hat auf ihrem Parteitag am Wochenende beschlossen, dass der Bundestag die Schuldenbremse 2024 für Folgekosten des russischen Angriffskriegs in der Ukraine aussetzen soll. Es geht dabei insbesondere um Militärhilfe und humanitäre Hilfe für die Ukraine und die Versorgung von geflüchteten Ukrainer:innen in Deutschland – insgesamt über 20 Milliarden Euro.

Soweit ich weiß, werden diese Kosten seit Anfang des Krieges aus dem laufenden Haushalt bezahlt, was absolut dämlich ist. Jedenfalls sind diese 20 Milliarden glaub ich mehr, als der Betrag, an dem die Ampel jetzt gescheitert ist.

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Ich bin sicher kein Fan von Wissing, aber das ist genausowenig eine Belohnung, wie die Übergabe des Bildungsressort an Özdemir. Da geht’s nur drum, die Ressorts kommissarisch zu verwalten, gestalten kann man da nichts. Da finde ich es nicht besonders wohlwollend, das als Motiv zu unterstellten. Um es zurückhaltend zu sagen.

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Ein Freund von mir kennt die Bundeswahlleiterin und ihren Sprecher ganz gut und dort wird schon richtig rotiert gerade. Es ist zwar machbar aber man ist dort alles andere als begeistert. Und man kotzt eigentlich im Strahl.

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Das ist aber doch vor allem wegen der Kürze der Amtszeit eher ein symbolischer Akt. Ob das wirklich alles ist was Wissing wollte und wofür er die eigene Partei verkauft, ganz ohne vorherige Probleme für die man diesen Move als Retourkutsche werten kann? Das wäre dann tatsächlich ganz schön billig.

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Das stimmt nicht. Das steht nicht im BVerfG Urteil. Das Parlament kann jedes Jahr einen neuen Überschreitungsbeschluss beschließen, auch nach dem auslösenden Ereignis.

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