Die Polizei und die Gesellschaft

Hallo liebes Lage Team,
Ich höre euch nun bereits seit 2 Jahren und obwohl ich nicht immer euren Meinungen zustimmen kann, sehe ich, dass ihr zumindest versucht objektiv zu sein. In dem aktuellen Thema mit der Polizeigewalt ist es jedoch wiedermal, dass ihr erneut die Meinung des linken/grünen Bildungsbürgertums zu dominant in eurer Argumentation zu finden ist. Ich würde es mir wünschen, dass auch konservative Meinungen mehr Gehör finden würden. Sowohl ihr als auch die von euch herangezogenen Gäste, blassen in der Regel in das selbe Horn. Vielleicht habt ihr in eurem Bekanntenkreis auch jemanden, der/die auch ein wenig mehr die andere Seite vertreten würde? Das fände ich super, wenn ihr auch in dieser Richtung ein wenig mehr Vielfalt unterstützen könntet.
Zum aktuellen Thema der Polizeigewalt stimme ich größtenteils zu (kontrollierende Organisation, identifizierbarkeit der Beamten, mehr Sozialarbeiter usw. ), aber ich würde in der Zukunft gerne das Thema vertieft hören und Themen wie Polizei als Respektperson, generelle gesetzeshörigkeit der Gesellschaft und der verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft, Gewalt gegen Beamte (Polizei und andere). Auch in dieser Thematik würd ich gerne einen wissenschaftlichen und moralischen Ansatz hören.

Viele liebe Grüße,
Ein großer Fan

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Danke für den Hinweis! Wen würdest du denn gerne mal im Interview hören, beispielsweise zum Thema Polizeigewalt?

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Ich hoffe das passt hier rein. Seit Jahre wird auf Grund der dünnen Personaldecke bei der Polizei immer wieder die Unterstützung mit privaten Sicherheitsfirmen diskutiert wie auch durchgeführt. z.B. anfänglich bei Verkehrs Kontrollen.
Seit ein paar Jahren sieht man, das Wohnheime für Asylbewerber von privaten Sicherheitsdiensten bewacht werden, dort scheinbar auch polizeiliche Aufgaben ausführen.
Aktuell zur Zeit werden private Sicherheitsdienste herangezogen um das Containment der Wohnunterkünfte von Arbeitern in Schlacht- oder Landwirtschaftsbetrieben bei einem COVID-19 Ausbruch zu sichern. Kurz, sie hindern die Bewohner daran sich frei zu bewegen.
Welche Rechtsgrundlage gibt es dafür? Ist das nicht Aufgabe der Polizei?
Die Bundeswehr darf das ja nicht machen. Deren Personal ist aber, im Gegensatz zum Sicherheitsdienst, zumindest zeitweise verbeamtet.

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Ich würde mich als ziemlich links und zeimlich grün bezeichnen, aber finde trotzdem: Wer den Anweisungen der Polizei nicht nachkommt, die Beamten dann noch schubst oder nach ihnen schlägt, brauch sich danach nicht zu wundern, wenn er auf den Boden gelegt wird. Schon komisch das das heutzutage so viele Leute scheinbar ganz anders sehen. Auch die derzeitige „Fuck The Police“ und „A.C.A.B“ Mentalität finde ich äußerst schwierig…

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Man könnte z.B. eine/n der Professor/innen der Akademie der Polizei Hamburg interviewen.

Leider halte ich Politiker in diesen Diskussionen in der Regel leider nicht wirklich als gute Gesprächspartner, weil einfach oft nur die Parteiline oder Ideologie abgebildet wird. Leider habe ich keinen Gesprächspartner im Kopf, der konservativ, sachlich und Fakten/wissenschaftsbasiert argumentiert. Ich würde mich ja selbst anbieten :wink:.
Viele Grüße

bist du möglicherweise noch nie von der Polizei schikaniert oder gar gewaltvoll angegangen worden? Glaubst du was Polizistinnen tun ist zwingend gerecht? Ich verteidige nicht Gewalt gegen Polizistinnen, aber ich halte es für naiv zu glauben polizeiliches Handeln sei per se gerecht = zu erdulden.

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Ich hatte genügend Umgang mit der Polizei, weil ich nicht immer der bravste war. Auch ich wurde nicht immer gerecht behandelt, aber wenn man der Polizei Respekt entgegenbringt, dann tut sie das auch dir gegenüber. Natürlich gibt es wie in jeder Gruppe auch dort Schwarze Schafe, aber ganz sicher tendenziell weniger als in vielen anderen Gruppen der Gesellschaft.
So viele pauschale Aussagen, die Polizei betreffend sind mit Sicherheit deutlich naiver, als die Vermutung, dass 99% der Polizei eine Pauschalverteilung nicht verdienen.

Es geht hier nicht um Statistik oder um die Frage, wie viel Prozent der Polizeieinsätze übermäßig gewalttätig ablaufen, sondern allein um die Tatsache, dass das immer wieder vorkommt und dass das nicht sein darf.

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Absolut, in den Schlussfolgerungen stimme ich absolut überein. Das ist nicht ok und muss auch verfolgt werden.
Mir stellt sich jedoch die Frage warum gerät die Polizei überhaupt in derartige Situationen, warum reagieren manche Polizisten/in so? Ist es Hilflosigkeit?
Warum halte ich diese Fragen für so enorm wichtig? Ich glaube, dieses Verhalten von Polizei Beamten sind Symptome und Symptome müssen behandelt werden aber Probleme löst man nur, wenn man auch die Ursache der Probleme löst. Das Problem hier ist elaus meiner Sicht, ein gesellschaftliches. Es ist natürlich einfach, die Schuld bei der Polizei zu suchen und zu finden, weil es Fehlverhalten ist. Jedoch wirklich das Problem analysieren sollte nicht dort stoppen.

und meiner Meinung nach vor allem auch, dass da gesellschaftlich drüber diskutiert werden kann, Fehler nicht unter den Teppich gekehrt werden, aus Fehlern gelernt wird und sie auch geahndet werden. Das bringt es nunmal mit sich, wenn man sich einen Job mit dem exklusiven Recht zur exekutiven Gewaltandwendung aussucht.

Nochmals, ich finde die von euch geforderten Ansätze absolut sinnvoll und unterstütze diese uneingeschränkt, aber ich glaube auch, dass man nicht dort stoppen soll, sondern die Ursachen betrachten soll. Warum fühlen Beamte sich in diesen Situationen genötigt diese Taten zu vollbringen? Ich persönlich glaube, dass liegt zumindest teilweise daran sich hilflos/frustriert zu fühlen. Das sollte man man sachlich analysieren Stichworte sind wie bereits oben genannt, Gewalt gegen Beamte, Überforderung der Beamten, allgemeine Respektlosigkeit gegenüber Autoritäten, mangelnde gesetzeshörigkeit und weitere.
Viele Grüße

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Das versuche ich auch so zu sehen nur diese Hilflose Frustration sollte nicht an vermeintlich schwächeren ausgelassen werden nirgendwo auf der Wellt.
Und um es wiedermal zu relativieren hier ein weiteres Trauriges Ereignis aus den USA

1+6

sorry, ich finde aber es macht überhaupt keinen sinn bei dieser Diskussion aktuelle random Beispiele aus den USA zu bringen die ein komplett anderes System haben als hier in DE. Die Diskussionen hier sind so schon unübersichtlich genug :roll_eyes:

Mal losgelöst von Einzelfällen und eher Generell betrachtet denke ich dass das Thema so Komplex ist dass man es in mehreren Unterthemen diskutieren könnte / müsste.

Auf der einen Seite haben wir oft Menschen die aus Ländern kommen wo es nachvollziehbar ist eher Angst und Misstrauen vor der Polizei zu haben als Respekt - vereinzelt sind sie evtl. sogar traumatisch vorbelastest. Dazu mischen sich dann potenzielle „Erfahrungen“ mit Racial Profiling die hier nun auch nicht gerade für ein positives Gefühl sorgen wenn dies die ersten Erfahrungen mit unserer Polizei sind. So etwas legt man nicht mal einfach so ab.

(diesbezüglich halte ich im übrigen das britische System wonach man für jede Kontrolle eine Quittung erhält für einen sehr guten Ansatz um für derlei Problematiken auch mal Belege und Grundlagen für Studien zu schaffen).

Da kann ich mir schon vorstellen dass bei manchen eher Panikreaktionen ausbrechen und sie auch nicht mehr einfachen Anweisungen folgen können wenn sie plötzlich mit der Polizei konfrontiert werden die sie unter Umständen auch noch anschreit. Da ist dann Fingerspitzengefühl gefragt.

Auf der anderen Seite haben wir Polizeikräfte die durch ihre Überstunden und Schichtdienste vereinzelt auch sehr gestresst sind. Nicht ohne Grund sind die Scheidungs- und Suizidraten in derlei Berufen (auch in der Medizin, Pflege etc) mit am höchsten weil das Privatleben extrem darunter leidet. Dies ist nun gewiss keine Entschuldigung für derlei Ausschreitungen, aber ich glaube es mit eine Ursache für den uralten und extrem hinderlichen „Korpsgeist“ in der Polizei. Der Prof für Polizeiwissenschaften Rafael Behr nennt ja auch immer die Kasernen artige Ausbildung, aber eben auch den fast schon etwas militärisch anmutenden „Korpsgeist“ für ein großes Problem der ganzen Situation.

Was wir brauchen sind Polizeibeamtinnen die auf das Fehlverhalten der Kolleginnen achten und deeskalierend eingreifen, und das wird derzeit noch durch die internen Strukturen und Mentalität verhindert. Wenn ich in die eigene Familie Blicke, in dem auch einer dem Job nachgeht, wundert es mich nicht da durch die Arbeitszeiten und Schichtdienste der größte Teil des Freundeskreises aus Kollegen besteht weil für andere soziale Kontakte kaum noch Zeit bleibt. Dadurch verschwimmt zum einen total der Blick auf die Gesellschaft weil einem das wozu man tagtäglich im Job gerufen wird viel größer erscheint als es tatsächlich ist (Verlust der Neutralität), und zum anderen wird halt vieles plötzlich als ein „Ausrutscher“ abgetan weshalb man einem Kollegenin nicht in die Quere kommen möchte. Hinzu kommen teils wirklich grundlose Anzeigen gegen Beamtinnen die dann intern noch mehr zusammenschweißen, aber auch bei den Staatsanwaltschaften dafür sorgen dass evtl nicht mehr so genau hingeschaut wird.

So absurd es klingt, aber genau das was immer von den Innenministern, Polizeigewerkschaften und Medien den Clans vorgeworfen wird trifft 1:1 letztendlich auch auf die Polizei zu. Die teils schwierigen Umstände haben sie zusammengeschweißt und am Ende pinkelt keiner dem anderen mehr ans Bein - egal was geschieht. Sei es die Polizei oder Staatsanwaltschaften. Job und Privatleben, Kollegen und Familie … alles vermischt sich weil in dem Job für anderes kaum Zeit und Raum existiert. Eine äußerst fatale Kombination.

Unabhängige Ermittlungsstellen wären unglaublich wichtig - ebenso wie anonyme Meldeverfahren gegen Kollegeninnen. Die steigende Anzahl an Frauen in den Teams scheint auch zu helfen, zumal es erstaunlich oft sie sind die den Mut haben im Zweifelsfall gegen Kolleginnen auszusagen. Nur leider erleben gerade diese derzeit noch erhebliche Rückschläge, wie man ja auch bei der Polizeischülerin im Kölner Fall sah (Link ) die anschließend ihren Job verlor nachdem sie gegen ihren nachweislich gewalttätigen Ausbilder aussagte. Damit setzt man genau die falschen Zeichen.

Aber ich glaube letztendlich muss ich auch was an den Arbeitsbedingungen ändern. Gerade in solchen Jobs darf der Job nicht zum einzigen Lebensinhalt werden und die Kollegen nicht zur „Familie“, denn genau solche Umstände begünstigen dann so Dinge wie den Verlust der Neutralität, falscher Korpsgeist usw…
Externe Ermittlungen sind super wichtig, aber da sie nur im Nachhinein reagieren können sollte man sich auch darum kümmern das intern mehr deeskalierend aufeinander geachtet wird.

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das wäre dann ja vielleicht etwas, wo die Polizei wie bei anderen Fragestellungen (wie verbreitet is Rassismus in der Polizei), an ihren Polizeiuniversitäten (und möglichst transparent - gut fürs Vertrauen) Ursachen erforschen, und Maßnahmen erarbeiten könnte.
Liegt es an der Verrohung der Bevölkerung, auf die man durch Militarisierung reagieren sollte, oder liegt es daran, dass in der Polizei mehr Deeskalation unterrichtet werden könnte?

Man könnte natürlich auch an die Gesellschaft appellieren, mit viel Mitgefühl dieses Problem von außen zu lösen:

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dem kann ich mich nur anschließen, ich find es auch interessant sich ehrlich mit den ganzen Aspekten die zu diesen Problematiken führen auseinanderzusetzen und auch Verbesserungen für die Arbeit der Polizist:innen herbeizuführen. Allerdings muss dazu erstmal der Wille bestehen Probleme offen anzusprechen, solange die öffentliche Kommunikation immer sagt „gibt keine Probleme hier, alles super wie wir das machen“ wird das halt sehr schwierig.
Statt die wirklich die Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeiten etc. anzugehen kommen dann nur solche Sachen wie „wir brauchen Taser und wollen Zugriff auf alle Daten“. Und das ist dann auch wieder ein bereich wo die Polizeigewerkschaften total versagen.

Dann sollte der titel hier also geändert werden, die Überschrift hier lautet „Die Polizei und die Gesellschaft“, und nicht einfach nur „Die Deutsche Polizei und die Deutsche Gesellschaft“, das soll nicht heißen das Deutsch Polizei hier nicht thematisiert werden sollte, ich wollte es eben als Perspektive hier lassen, von der einen Seite wird ja öfter Respekt von andern für die Polizei verlangt, um aber Respekt zu bilden braucht es doch auch Vorbilder, oder eben Außenbilder.

@karma

So sehe ich es auch. Meiner Meinung nach richten die 2 großen Polizeigewerkschaften derzeit mit ihrer Haltung einen ziemlichen Schaden an, weil sie mit ihren Blockaden einen gemeinsamen Diskurs vermeiden. Eigentlich wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt um auf allen Seiten etwas zu verbessern. Um Strukturen zu schaffen welche die Kritikpunkte verbessern könnten (Quittungen, unabhängige Beschwerde- und Ermittlungsstellen, anonyme Meldeverfahren innerhalb der Polizei), aber eben auch finanzielle Mittel für bessere Arbeitsbedingungen und weniger Überstunden statt immer mehr Ausrüstung.

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Rainer Wendt wäre doch mal super. Das würde mich in einer kontroversen Diskussion mal sehr interessieren, zumal er sich meist als Hardliner hervortut und sich dann mal einer Diskussion stellen muss.