Sagte ich doch, ich täuschte mich in der Funktionsweise, weil ich annahm, die Bank sei der ID-Provider. In dem Fall wäre ein Wechsel nämlich nicht mehr so einfach möglich und die Bank hat ein gutes Argument, dich als Kunden zu behalten, auch wenn die eigentliche Bankdienstleistung zunehmend unattraktiv gemacht wird.
Wenn die Bank gar nichts tut außer ihren Stempel unter die von jemand anderem bereitgestellte Identität zu setzen fällt der Kritikpunkt natürlich weg.
Glaubst du, dass das Hürden für den Administrator des Systems sind? Wenn die Bank prinzipiell in der Lage ist, irgendetwas zu produzieren, das bestätigt, dass eine Anfrage für einen Login von Personennummer 123 kommt, und man ihr das glaubt, weil sie halt eine Bank ist, dann ist es egal, welche Absicherungen sie in die Apps eingebaut hat, mit denen sie ihren Kunden ermöglicht, die Produktion dieses Nachweises für ihre persönliche Login-Anfrage anzustoßen. Sie kann es selbst immer ohne jegliche Hindernisse „einfach so“ tun - und infolgedessen eben jede beliebige Identität übernehmen.
Nein. Wenn ich eine Zweifaktor-Authentifizierung bei Website XY für mich einrichte, indem ich ein Token von dieser Website mit meinem Smartphone scanne, dann liegt das danach einzig auf meinem Smartphone und bei der Website. Es gibt dann keinen Dritten, der sich als mich ausgeben kann.
Wenn ich Login-with-Facebook benutze, um mich auf Website XY einzuloggen, dann kann danach Facebook ohne mein Einverständnis meine Identität gegenüber Website XY annehmen. Google kann das aber nicht, auch wenn die auch ein Login-with-Google anbieten.
Ersteres ist ein Fall von mir selbst gehörender Identität. Zweites ein Fall einer Identität in Besitz eines Dritten. In beiden Fällen gibt’s aber nicht noch zig weitere, die meine Identität annehmen könnten, nur weil sie Banken sind oder so.
Das mit dem Exportschlager war natürlich Quatsch, aber ganz ehrlich: wie viele „Exportschlager“ haben denn andere Länder in dem Bereich? Gibt’s irgendwo ein Land das Kohle gemacht hat, indem es sein nationales Mautsystem an andere Länder verkauft hat? Wie vielen Ländern hat Schweden denn sein Mautsystem angedreht?
Das ist schlicht nicht der Maßstab, auch wenn Politiker damals meinten, dass das eine Zielsetzung wäre. Politiker labern in allen Ländern viel Quatsch, wenn der Tag lang ist. Maßstab ist, ob das Ding sich zu zuverlässiger Infrastruktur entwickelt hat, die ihren Job erfüllt, ohne viel Aufsehen zu erregen, denn das ist, was gute Infrastruktur auszeichnet.
Deinen Link hättest du übrigens besser selbst mal durchgelesen, dann wäre dir vielleicht aufgefallen, dass es da überhaupt nicht um systemische Fehler geht, sondern um eine rechtliche Frage dazu, wie die Höhe der Mautkosten festgelegt werden darf. Wenn ich in ein perfekt funktionierendes System rechtlich gesehen falsche Preise einspeise, kommt natürlich hinten ne Berechnung raus, die man juristisch angreifen kann. Alles andere wäre tatsächlich eine technische Fehlfunktion.