Deutsche Bahn: 3G-, bzw. 2G-Kontrolle

Schon in einer früheren Lage wurde darüber geredet, dass die DB von einer Durchsetzung einer 3G- oder 2G-Regelung absieht, weil

Die Bahn wolle das Personal in Zügen reduzieren, „was ohnehin schon zu einer erhöhten Belastung für die Beschäftigten führen wird“. Zudem habe die Zahl der Übergriffe auf Beschäftigte „massiv“ zugenommen, sagte Loroch weiter. „Eine 3G-Kontrolle würde diese Situation weiter verschärfen und ist deshalb für uns nicht tragbar.“ (1)

Schaut man sich die Zahlen so an, sind im Jahr 2019 2,6 Milliarden Menschen mit der Bahn gefahren (2). Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 56% in diesem Jahr (3) sind die Züge auch nicht gerade leer. Wenn man jetzt noch die Anzahl der Ungeimpften bedenkt - knapp 33% (4) - ist die Gefahr nicht gerade gering; gerade weil sie vermeidbar wäre. Die Kontrolle ist also in der Hinsicht, um es mal mit den Worten von Ulf zu sagen, ein „No-Brainer“.
Kleiner Disclaimer: Da die Zahlen bei Statista nur bis 2020 gehen, wo die Reisen ja noch wesentlich stärker von Corona beinflusst waren, habe ich die von 2019 als Beispiel gewählt.

Was ich mich von Anfang gefragt habe ist, warum der Nachweis nicht direkt beim Fahrkarten Kauf kontrolliert wird. Beim Kauf über die App der DB braucht man eh ein Konto. Dort könnte man ein gültiges Impfzertifikat hinterlegen. Am Schalter kann eine Kontrolle durch den/die Mitarbeiter*in erfolgen. An den Automaten vielleicht über einen QR-Code Scanner am Gerät selbst.

Wenn man noch einen Schritt weiter gehen wollte, könnte man auch Schranken an Bahnhöfen einführen, wodurch man nur mit gültigem Ticket zu den Gleisen kommt. So wird es zum Beispiel in den Niederlanden gemacht (5).

Natürlich bleibt auch einfach das Kontrollieren eines Impf-, Test- oder Genesenheitsnachweis durch den/die Schaffner*in als Möglichkeit. Das dies funktionieren kann, hat man ja zum Beispiel in Italien gesehen (6). Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass dies durch das Scannen eines Codes funktioniert, macht den Mehraufwand minimal.

Wie kann es also sein, dass unsere Bahn in dieser Hinsicht nichts unternimmt? Möglichkeiten sind mir ja schon ein paar eingefallen. Sind diese zu schwer umzusetzen? Seht ihr andere Möglichkeiten, die vielleicht einfacher machbar wären?

(1) Corona-Vorschriften: 3G-Pläne für Bahn- und Flugverkehr | tagesschau.de
(2) Deutsche Bahn AG - Reisende im Schienenpersonenverkehr bis 2020 | Statista
(3) Deutsche Bahn AG - Auslastung im Fernverkehr bis 2020 | Statista
(4) https://impfdashboard.de/
(5) ZEIT ONLINE | Lesen Sie zeit.de mit Werbung oder im PUR-Abo. Sie haben die Wahl.
(6) Neue Corona-Regeln in Italien: Greenpass wird Pflicht am Arbeitsplatz | tagesschau.de

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Meine Vermutung ist, daß es daran liegt, daß die Deutsche Bahn auf allen Ebenen total auf Kante genäht ist - und jeglicher Extra-Aufwand in Form von Automaten-Umstellung, randalierenden Querdenkern in Zügen und an Schaltern etc. dieses jetzt schon prekäre und instabile System komplett zum Zusammenbruch bringen würde.

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Nach meiner Erfahrung gibt es bei maßgeblichen Entscheidern der Deutschen Bahn Menschen, die sich rationalen Argumente verschließen.

Ein gutes Beispiel ist die sklavische, oft fast religiös anmutende Ablehnung einer allgemeinen Reservierungspflicht, die das Bahnreisen so viel angenehmer machen würde. Im Zeitalter einer inzwischen leidlich gut funktionierenden DB Navigator App wird das Narrativ über den spontan fahrenden Fahrgast aufrecht erhalten, das schon in den 70ern des letzten Jahrhundert nicht wahr war.

Umgekehrt muss sich die Politik fragen, warum sie die Bahn für diese zusätzliche Aufgabe nicht angemessen kompensiert (oder die Kontrolle durch die Bundespolizei durchführen läßt).

Noch besser wäre es natürlich, wenn wir endlich (1) ein Testsystem hätte, das flächendeckend seine Ergebnisse direkt in die Corona Warn (CWA) und die CovPass App übermittelt, (2) eine App mit unserem Personalausweis, gegen die diese Apps Impf- bzw. Testzertifikat prüft (und fälschungssichere Impfzertifikate wären auch ganz toll). Dann wäre eine Überprüfung tatsächlich mit einem kurzen Scan des QR-Codes der App erledigt.

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Dem möchte ich widersprechen - als Inhaber einer BahnCard 100 fahre ich tatsächlich zu 90% spontan, nicht was das Reiseziel und den Tag angeht aber doch fast immer die genaue Verbindung. Dabei orientiere ich mich, gerade aktuell, auch ganz bewusst an der Auslastungsanzeige im DB Navigator, um niedrig nachgefragte Verbindungen zu finden. Es passiert aber auch häufig, dass ein Kund*innentermin länger dauert oder ein Zubringer-Bus Verspätung hat, sodass eine geplante Verbindung nicht klappt. Genau dieses hohe Maß an Flexibilität war ein Hauptgrund für den Kauf der BC100, mit einer Reservierungspflicht fiele das weg - gerade auch beim Pendeln mit dem ICE ist es außerdem schlichtweg nicht praktikabel, da dort die Fernzüge auf Strecken wie z.B. Würzburg <> Frankfurt oder Lüneburg <> Hamburg dauerhaft überlastet sind und eine Reservierungspflicht ohne eine gleichzeitig stark erhöhte Taktung dazu führen würde, dass Pendeln mit dem ICE nicht mehr möglich ist.

  1. wie viele Menschen haben eine BC100?

  2. könntest du ja trotzdem kurz vor der Reise einen Sitzplatz klicken - wenn du reservieren willst machst du das ja vermutlich heute schon.

  3. könnte die Bahn-App einfach um einen Bereich ergänzt werden, wo man seinen Impfnachweis scannen kann. Dann würde bei der Ticket-Kontrolle gleich aufploppen, dass der Mensch geimpft ist.

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Als BahnCard 100 Inhaber hast Du ein schier unerschöpfliches Reservoir von kostenlosen Reservierungen. Was hindert Dich daran - wie ich, Inhaber einer Bahncard25, nur kostenpflichtig - den nächsten Zug, den Du nehmen möchtest, kurz über dem DB Navigator zu reservieren - für Dich sogar kostenlos?

Deine Flexibilität wäre gewahrt. Ich schieße mir manchmal sogar die Reservierung für die nächsten 2-3 Züge. Niemand muss deswegen stehen: Die verfallen 15 Minuten nach Abfahrt.

Gerade wenn man Wert auf die angezeigte Auslastungsprognose legt, wäre das wichtig. Wenn sehr viele Leute ohne Vorreservierung fahren, ist die Prognose sehr unzuverlässig.

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  1. keine Ahnung
  2. völlig richtig. Ich sage auch nicht, dass es nicht umsetzbar wäre, gerade in der digitalen Zeit und mit entsprechendem Willen der DB, lediglich, dass es durchaus sehr „spontane“ Reisen gibt
  3. wäre meine favorisierte Lösung, ich bin aber nicht sonderlich optimistisch, dass eine solche Lösung kurzfristig umsetzbar ist. Infos zum DCC sind seit Monaten verfügbar, Anwendungen, in denen CheckIn- oder Ticketbuchungs-Systeme automatisch den Impfstatus prüfen und mit Namen der buchenden Person abgleichen, sieht man trotzdem nirgends, nicht nur bei der DB

Versteht mich nicht falsch, @TRq & @vieuxrenard, ich bin als doppelt geimpfter Vielreisender ein großer Fan von 3G im Fernverkehr. Das aktuelle 3G im Bordbistro dürfte dann gerne dem 2G weichen. Ich glaube nur nicht, dass das zwingend an eine Reservierungspflicht gekoppelt sein muss, ein Instrument, dem sich die Bahn ja schon seit vielen Jahren verwehrt.

Ich zahle für Reservierungen aktuell genauso 4€, wie alle anderen Reisenden der 2. Klasse auch. Lediglich bei 1. Klasse BC100-Kund*innen gibt es das von dir angesprochene Reservierungskontingent. Demnach klicke ich mir meine Reservierungen nur dann, wenn ich zu 100% sicher einen Zug nutze, sonst schmeisse ich Geld zum Fenster raus.

Gäbe es ein kostenfreies System, das nicht nur das Buchen von Plätzen sondern auch wieder das Stornieren ermöglicht - call me in! Das wäre, wie du richtig schreibst, auch ganz im Sinne der Auslastungsprognose.

Zusammengefasst: ich habe nichts gegen ein besseres und dann verpflichtendes Reservierungssystem, halte aber nichts davon, das aktuelle System in unveränderter Form verpflichtend zu machen.

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Das stimmt, das hatte ich aber auch so nicht gesagt:

Ich bin aber nicht nur generell, sondern auch und gerade im Hinblick auf die Pandemie für die Einführung einer allgemeinen Reservierungspflicht: Wie sonst will die Bahn denn die Abstandsregeln einhalten? Nach den Regeln der Bahn darf sich jeder ohne Reservierung jederzeit direkt neben mich oder mir gegenüber setzen. Übrigens: Auch das Reservierungssystem der Bahn setzt Reisende direkt neben andere, wenn der Zug voller wird. Ich finde das spätestens seit der Delta-Variante völlig verantwortungslos!

Ach stimmt, das hatte ich verwechselt.

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Ja, die Freude war groß, als ich endlich meinen reservierten Platz gefunden hatte und dann eine Frau auf dem reservierungsfreien Platz saß (ihr gutes Recht), die die ganze Fahrt Gummibärchen futterte (wohl auch ihr gutes Recht).

Ein Grund für die Bahn, gegen eine Reservierungspflicht zu sein, ist sicher, dass sich Weselsky dafür ausgesprochen hat :wink:
Gerade dass mittlerweile ein Großteil (wenn nicht alle?) Fernzüge eine digitale Reservierungsanzeige hat, wäre das eigentlich wirklich leicht einzuführen.

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Mea culpa, dann hatte ich das falsch verstanden.

Ich bin da ganz deiner Meinung. Seit die Regel gekippt wurde, dass immer ein Platz freigehalten wird (vom System), macht Reisen noch weniger Spaß. Befürchte nur trotzdem nicht, dass das kommt, weil die Bahn zu wenig Züge für das Reiseaufkommen hat. Und es fehlt auch bei Mitreisenden mittlerweile die Sensibilität: kürzlich erst wollte sich eine Frau direkt neben mich setzen, obwohl es im restlichen Wagen noch ausreichend komplett freie Doppelsitze gab.

Ihr gutes Recht, sicher - aber was ich beobachte ist, dass es Mitreisenden und Zugpersonal mittlerweile einfach auch egal ist, was du tust, und die Menschen die Regel „wenn ich esse, brauche ich keine Maske“ gnadenlos ausnutzen. Ich habe es erst einmal erlebt, dass vom Zugpersonal direkt Menschen angesprochen wurden, ihre Masken richtig aufzusetzen oder nach dem Trinken/Essen wieder aufzuziehen. Neulich saß ich von Hamburg nach Frankfurt im Zug, da hat ein Mann es geschafft, sich bis Kassel-Wilhelmshöhe an seinem Kaffee & Schokoriegel festzuhalten, nur um keine Maske aufzuziehen. Während ich meine Maske im Zug nie ausziehe und zum Trinken die Zeit nutze, wenn der ICE hält - wo andere ihre schnelle Zigarette rauchen, trinke ich schnell ein paar Schlucke Wasser. Aber ich schweife ab…da weder Bahn noch Mitreisende viel Wert auf ein sicheres Reisen zu legen scheinen, ist meine Strategie daher nun: Mich selbst so gut schützen, wie möglich, mit FFP2-Masken von 3M, die deutlich mehr Anpressdruck haben und kaum was durchlassen. 3G ist trotzdem überfällig.

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The DCC-team is working on a way to implement certificate-check into the booking process of e.g. an airline ticket. Something, that could also be helpful for 3G in long distance trains:

Es gibt nun bereits erste Screenshots dazu, wie eine Kontrolle der Zertifikate direkt im Buchungsvorgang auf Seiten der Corona Warn App aussehen könnte: Feature/10350 ticketvalidation consent/10542 consent screen by pascal-brause · Pull Request #3847 · corona-warn-app/cwa-app-ios · GitHub

Die Beispiel-Screenshots zeigen das für eine Lufthansa-Buchung, ähnliches wäre aber ja auch bei der Deutschen Bahn denkbar. Auf diese Art wäre eine Ticketbuchung im Optimalfall nur noch mit gültigem Zertifikat möglich, das könnte die Kontrollen im Zug stark erleichtern, da tendenziell weniger Personen ohne gültiges Zertifikat im Zug sitzen und gleichzeitig die Kontrolle mit einem einzelnen Scan, nämlich dem des Zugtickets, erledigt ist. Quasi wie bisher auch schon.

Aus Kreisen der CWA-Community habe ich außerdem erfahren, dass das Team hinter dem DB Navigator über diese neue Möglichkeit informiert wurde, diese ihnen bislang aber nicht bekannt war. Was sich daraus ergibt, ist natürlich unklar.