Auch in Japan fallen mal Züge aus, weil ein Zug ein technisches Problem hat oder ein Schaffner plötzlich krank wird. Oder wegen Personenschäden. Ganz verhindern kann man es nicht.
Aber in der Tat ist das Problem in Deutschland größer als in anderen Ländern, und das hat maßgeblich mit der Finanzierung zu tun. Dazu ein schöner Artikel der NZZ, wenn auch aus 2018, der die Pünktlichkeit der Bahn von Deutschland, Österreich und der Schweiz vergleicht - und auch die Pro-Kopf-Ausgaben der jeweiligen Staaten. Und oh Überraschung: Das Land, welches am meisten zahlt, hat die pünktlichsten Züge (Schweiz), das Land, das am wenigsten zahlt, die unpünktlichsten (Deutschland). Also alles keine wirkliche Überraschung und ich denke, da sind wir uns auch einig, dass hier ein maßgebliches Problem liegt.
In Deutschland ist das Geld halt traditionell immer vor allem in den Straßenbau gegangen - vor allem für den Automobilverkehr, in letzter Zeit zum Glück auch etwas stärker in den Radverkehr. Wobei auch der Straßenbau in den letzten Jahren vernachlässigt wurde (auch bei der Qualität der Straßen liegen Österreich und die Schweiz deutlich vor Deutschland). Die Schienen wurden aber eben noch stärker vernachlässigt - und das rächt sich jetzt. Aber die schwarze Null war halt in 16 Jahren Merkel wichtiger als Investitionen in die Infrastruktur, was absolut wahnsinnig ist.
Das kommt halt wirklich stark darauf an, wo man wohnt. Das Risiko für Verspätungen war hier im Ruhrgebiet mit dem Auto definitiv größer, weil hier auf der A45 ständig Stau ist.
Bei meinem letzten Job war der ÖPNV deutlich sinnvoller. Mit dem Auto hätte ich 20 Minuten gebraucht, mit dem Zug waren es zwar 35 Minuten, davon 5 Minuten zur Haltestelle laufen (500 Meter) und 2,5 km von der Haltestelle zum Job laufen (=25 Minuten), dazwischen 5 Minuten S-Bahn (3 Stationen). Die Strecke hat zwar 15 Minuten länger gedauert, dafür habe ich aber 3 km Bewegung bekommen - und das ist ein guter Deal, wenn man ohnehin jeden Tag mindestens 10 km gehen will (was ich jedem nur empfehlen kann!). Kurzum: Die Öffentlichen zu benutzen hat mich unter’m Strich weniger Zeit gekostet, als es das Auto getan hätte, weil „nur“ 5 Minuten verschwendet waren (=im Zug sitzen), während beim Autofahren 20 Minuten verschwendet gewesen wären.
Daran sieht man, dass es auch einfach eine Frage der Einstellung ist. Wenn der Zug mal Verspätung hat, ist mir das auch fast egal (dank Gleitzeit), dann nutze ich die Zeit halt, den Bahnsteig auf- und abzugehen und dadurch meine Kilometer zu machen (auch wenn mich Leute dafür blöd angucken…).
Die Tatsache, dass man mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwangsläufig auch etwas gesunde Bewegung bekommt, sollte man daher bei der Beurteilung nicht unter den Tisch fallen lassen. Und man sollte es nicht als Last wahrnehmen, sondern als Gelegenheit.