Hier zum einen:
Die ENEV ist seit Jahren durch das GEG ersetzt und dementsprechend außer Kraft.

Zu der Dämmschichtdicke:
Nein; OSB mit 2cm als Wandmaterial mit 14cm Mineralischer Dämmwolle reicht für Einhaltung des GEG. Dann Blech oder sonst was drüber und fertig.

Tiny Häuser sehe ich kritisch. Bin erst vor kurzem zu diesem kritischen Blick gekommen; vorher war er ähnlich blumig wie der Deine.

Dazu möchte ich auf ein Interview verweisen:
Jung und Naiv Podcast_ #663 - Wohnsoziologin Christine Hannemann.

Einige interessante Punkte aus dem Interview:

  • Wohnraum ist nicht knapp, er ist nur falsch verteilt.
  • Außerdem könnten und sollten Flächen vermehrt umgewidmet werden.
  • Weil Wohnraum also prinzipiell vorhanden ist, sind Tiny-House Siedlungen per se nicht besser. Auch für diese wird versiegelt, werden leblose Rasenmäherroboter-Gärten angelegt und so weiter
  • Häufig verkommen sie zu Ferienhäusern.
  • Der ursprüngliche Zweck, ansonsten unnutzbare Flächen wie Flachdächer, nutzbar zu machen, wird jedenfalls kaum umgesetzt.
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Ist das Konzept eines Generationenhauses nicht die Kombination aus beidem? Hatte mir ein solches mal angesehen. Zum Teil kleinere Wohnungen und dafür gemeinschaftlich genutzte Bereiche. Im Prinzip eine WG nur mit abgetrennten Wohnungen statt Zimmern. War mir nur zu teuer von der Miete und mag es nicht so eng mit anderen Menschen, aber das Konzept ist doch das hier beschriebene :thinking:

Und was ich mir in einer Tinyhouse Siedlung mit geringem Platz/Abstand und dünnen Wänden schwierig vorstelle ist die Lautstärkedämmung. Da mal lauter Musik hören /Film schauen über Lautsprecher wird…schwierig.

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Das Interview war spitze.
Hier der Link https://spotify.link/rGopfwRDKDb

Diese Neuerfindung der Mathematik hätte ich gerne mal vorgerechnet.

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Doch ich denke genau da müssen wir hin. Ist nicht für jeden was aber richtig umgesetzt verhindert es neben Wohnraummangel z.B. die Vereinsamung von alten Menschen.

Nein, es ist eine logische Antwort auf andere Lebensrealitäten von heute im Verhältnis zum letzten Jahrhundert. Die Menschen leben immer „einsamer“ und können gut in einem günstigen Tiny House leben. Der Besitz eines Eigenheims ist in Deutschland in besonderem Masse ein Privileg „reicher“ Menschen und für viele bleibt so nur die Abhängigkeit von den Vermietern und den Mietmarktpreisen- ein weiterer Vorteil ist die Flexibilität.

Das ist ja eines der grossen Probleme die Tiny Houses in Deutschland haben - man könnte viele dieser Infrastrukturthemen ganz anders anpacken als es heute verpflichtend ist. Es gibt zahlreiche „off the Grid“ Konzepte, die funktionieren aber nicht erlaubt sind. Letzten Endes ist es eigentlich wurscht, wo Menschen leben, es fällt immer eine entsprechende Infrastruktur an - beim Tiny House wäre vieles davon deutlich reduzierbar.

… wow, dann kaufe ich mir einfach mal ein grosses Mehrfamilienhaus - Scherzchen am Rande, ich bin leider ein armer Künstler und kann mir daher nicht mal die Miete für die Stadtrandwohnung leisten. Ich möchte daran erinnern, dass sich nicht jeder ohne weiteres eine Wohnung oder gar einen Hof zum Revitalisieren (muss man ja auch keine Arbeit reinstecken, gell?) leisten kann - und meine Künstlerfreunde sind leider auch nicht flüssig für ein Gemeinschaftsprojekt - mein Gehalt hat sich seit 2015 nicht um 10% erhöht.

Niemand sagt, dass es die eine oder die beste oder die richtigste Möglichkeit ist, ich denke aber wir sollten uns als Gesellschaft schon die Frage stellen, ob solche alternativen Lebensofrmen nicht mal ein Experiment wert sind.

Wie man auf diesen Schluss kommt, verstehe ich nicht ganz.

Also die Miete für eine kleine Wohnung kannst du dir nicht leisten, aber eine kleines Haus mit Grundstück und Stellplatz ist schon drin? Mindestens 1 Stellplatz ist nämlich immer Vorschrift im Neubaugebiet.

Ich wohne ja offenbar irgendwo und zahle dort Miete - es wäre mir aber deutlich lieber, den gleichen Betrag zu zahlen und dafür mein eigenes Vermögen zu erhöhen statt das eines anderen.

Eigentum ist günstiger als Miete, das zumindest über die Dauer. Selbst, wenn man bei einem Tiny House von verminderter Nutzungsdauer ausgeht, ist dies - natürlich standortabhängig - durchaus günstiger.

Weiterer Vorteil: Das Vermögen bleibt bei mir und wird nicht an ohnehin schon vermögende Menschen (Vermieter oder gar Wohnkonzerne) umverteilt. Das ist für mich der Kern des Themas - mal abgesehen davon, dass sich in den letzten 8 Jahren wie o. g. Statistik von Statista zeigt, die Preise massiv erhöht haben.

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Was auch wieder eine Regelung ist, die überdacht werden muss.

Wir wollen gleichzeitig immer mehr Menschen überzeugen, auf das KFZ zu verzichten, fordern aber zugleich, dass jeder mit seinem Haus einen Parkplatz baut, selbst, wenn er kein Auto hat und auch nicht anschaffen will.

Auch hier wäre es sinnvoller, statt Gebots- oder Verbotsvorschriften mit finanziellen Steuerelementen zu arbeiten. Ich verstehe den Gedanken, dass man den Eigenheimbesitzer verpflichten will, einen eigenen Parkplatz vorzuhalten, damit er die Stellkosten seines Fahrzeuges nicht solidarisiert. Aber gleichzeitig darf das mMn nicht dazu führen, dass Menschen, die kein Auto haben, Parkplätze bauen müssen, die nie gebraucht werden. Es muss daher mindestens - wie in manchen Landesbauordnungen schon der Fall - eine Vorschrift geben, nach der unter bestimmten Umständen auf den Bau eines Stellplatzes verzichtet werden kann.

Auch wenn es jetzt konkret um die Stellplatzpflicht bei Tiny Houses geht passt eine weitere Vertiefung der Diskussion dennoch besser in diesen Thread:

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Die Einfamilienhaussiedlung und das Auto gehören zusammen. Sie kann gar nicht ohne Autoinfrastruktur existieren. Das ändert ein kleineres Haus auch nicht.

Das ist sehr engstirnig.

Faktisch ist es aktuell leider tatsächlich so, dass Einfamilienhaussiedlungen im Speckgürtel der Städte oft nur mangelhaft an den ÖPNV angebunden sind, dies zu ändern ist aber gerade Ziel einer nachhaltigen Politik. Gerade eine Tiny House-Siedlung wäre selbstverständlich darauf angewiesen, dass sie sinnvoll an den ÖPNV angebunden wäre.

Abgesehen davon, da wir ja über den Platzbedarf sprechen, ist die Frage, ob jeder Tiny House-Eigentümer auch einen Stellplatz vorhalten muss, eher irrelevant, da dies ja kein „Plus“ des Platzbedarfs gegenüber dem normalen Hauseigentümer ist. Auch für Mietwohnungen sind übrigens Stellplätze vorgeschrieben, was man daran erkennt, dass auch dort, wo neue Mietwohnungen gebaut werden, oft massive Parkplätze angelegt werden. Das heißt, auch gegenüber Mehrparteien-Mietwohnungen ist der Platzbedarf durch (teils sinnlose) Stellplatz-Verpflichtungen nicht erhöht.

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Finde ich jetzt nicht „selbstverständlich“.

Ich verstehe Tiny Houses so, dass sie per Anhängerkupplung jederzeit an einen anderen Ort fahren können. Und damit ist ein Auto mit AHK eben zwingend Teil des Trailer Park Lifestyles. Und damit ist auch ÖPNV quasi egal für die Bewohner.

Wäre das Tiny House nur ein stationäres kleines Haus, wäre die Diskussion hier völlig unnötig.

Jeder, der ein Grundstück erwirbt, kann entscheiden, ein Haus mit kleiner Wohnfläche darauf zu bauen. Nur ist das eben nicht das, was zumindest die Mehrheit des Tiny House Movements propagiert. Die wollen ein Haus mit Rädern und die Freiheit, jederzeit weiter zu ziehen.

Auch @Friese formuliert hier seinen Unmut, weil die von ihm kritisierten Vorschriften zur Dämmung verhindern, dass man das Tiny House sinnvoll im Straßenverkehr transportieren könnte.

Darin liegt das Missverständnis.

Tiny Houses sind schon darauf angelegt, langfristig am gleichen Ort zu bleiben, was u.a. dadurch bedingt ist, dass sie an’s örtliche Versorgungsnetz angeschlossen werden müssen (was nicht ganz günstig ist). Auch ist die Einrichtung im Gegensatz zum Wohnwagen nicht so konzipiert, dass man sie „on the road“ nutzen kann, daher: Wenn du mit deinem Tiny House umziehst, musst du es i.d.R. vorher ausräumen, sonst wird dein Geschirr den Umzug nicht überleben (z.B. weil die Schranktüren im Gegensatz zum Wohnwagen nicht so konzipiert sind, beim Transport geschlossen zu bleiben)…

Daher: Ja, sie sind mobiler als „richtige Häuser“, aber bei der Mobilität geht es dann eher um „Umzüge“, daher: Wenn der Bewohner umzieht, kann er sein Haus mitnehmen. Das passiert realistischerweise aber eher alle paar Jahre, sonst würde der Kauf eines Grundstücks ja auch wenig Sinn machen.

Um ein Tiny House ziehen zu können braucht man auch nicht nur ein beliebiges Auto mit Anhängerkupplung, sondern ein relativ kräftiges Auto, einfach, weil so ein Tiny House bis zu 3,5 Tonnen wiegt. So ein Auto werden sich die meisten umzugswilligen Tiny-House-Besitzer wohl eher mieten, oft brauchen sie auch einen Fahrer, weil man dafür den Führerschein BE braucht (bzw. die alte Klasse 3, wenn man den Führerschein noch im letzten Jahrtausend gemacht hat…).

Kurzum:
Für die meisten Tiny House-Eigentümer ist ein Umzug ebenso wie für den Mieter eine Sache, die erheblichen organisatorischen Aufwand benötigt und daher nur alle paar Jahre stattfindet. Der Großteil der Nutzer wird dafür auf ein Umzugsunternehmen angewiesen sein, die Unterstellung, dass ein Kraftfahrzeug zwangsläufig zum „Tiny House Lifestyle“ gehören würde, halte ich jedenfalls für falsch. Diejenigen Menschen, die ich kenne, die sich für ein Tiny House interessieren (z.B. mein Bruder), haben allesamt kein Auto und würden sich für ein Tiny House auch keines anschaffen… gerade diejenigen, die sich für Tiny Houses interessieren, sind oft eher alternativ geprägt und gehören gerade nicht zur konservativen „Ich-und-mein-Auto“-Gesellschaft.

Tinyhaus-Siedlungen bieten sich regelrecht für E-CarSharing an, sprich, man hat einen zentralen Parkplatz für mehrere CarSharing-Autos, nebst Ladestation. Das macht die einzelnen Parkplätze direkt am Haus überflüssig und minimiert zudem die Gesamtfahrzeugzahl drastisch.
Ich habe mich viele Jahre aktiv in Schleswig-Holstein um neue Dörpsmobil-Vereine gekümmert, siehe hier: https://www.doerpsmobil-sh.de/

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Weil Platz in Städten durch die ungeheuerliche Zersiedelung in Deutschland nunmal begrenzt ist.

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Der Argumentation kann ich nicht folgen.
Platz ist durch die Zersiedelung begrenzt?
Und deshalb sollten alternative Wohnformen, die zumindest weniger Platz als das klassische Eigenheim und zumindest nicht wesentlich mehr Platz als das klassische Mehrparteienwohnhaus einnehmen, nicht zulässig sein?

Also diese Logik kann ich nicht nachvollziehen.

Ja, es wäre effizienter, wenn wir alle Menschen in besagte Großwohneinheiten (Hochhaussiedlungen, Plattenbauten usw.) packen würden, aber das gesellschaftliche Ziel können doch nicht diese beiden Extreme („verschwenderisches Eigenheim für die Reichen, Großwohneinheiten für die Armen“) sein, es müssen doch auch Zwischenschritte möglich sein. Tiny Houses sind ein solcher Zwischenschritt.

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Mal ganz pragmatisch gefragt : Wie viel Wohnfläche pro Bürger/in wäre denn angemessen? Auf wieviel Grundfläche in Stadt und Land?

Wenn wir dein Beispiel von oben nochmal nehmen:

Und jetzt aber mal beispielsweise annehmen, dass ein Tiny House 1,5m in alle Richtungen benötigt, dann passen auf die Fläche nur noch 5 Tiny Houses. Jetzt würdest du bei 4 Stockwerken vermutlich auch noch von einem Mehrfamilienhaus sprechen. Dann würden dort 8 Haushalte in dem Haus sein und dann hätten die Tiny House Siedlung nur noch 60% der Effizienz. Bei 5 Stockwerken würde ich auch noch von Mehrfamilienhäusern sprechen und dann haben die Tiny Houses nur noch 50% Effizienz. Außerdem bei 2 Wohnungen pro Stockwerk auf einer Fläche von 250m² reden wir von 100m² pro Wohnung die hier mit 17m² verglichen werden, das ist schon ein etwas extremer Vergleich. Wenn man jetzt 50m² Wohnungen annimmt, dann sind die Tiny Houses nur noch 25% so Effizient oder anders gesagt sie verbrauchen 4 mal so viel Fläche. Und das würde ich schon als wesentlich mehr Fläche bezeichnen. Und da sind jetzt noch nicht die Punkte aus dem oben schon verlinken Artikel beachtet. Und Leute die in Tiny Houses leben wollen sind vermutlich eher Leute die ansonsten in Wohnungen leben würden und nicht in Einfamilienhäusern.

Klar ist die Beispielrechnung hier auch eher ein Extremfall. Ich wollte nur zeigen, dass Tiny Houses nicht per se so Platzeffizient sind wie Mehrfamilienhäuser. Von daher kann das unregulierte zulassen von Tiny Houses schon zu Platzverschwendung führen.

In den Landesbauordnungen werden Abstandsflächen definiert. Mindestens 3,00m zur Grundstücksgrenze. Also 6,00m zum nächsten Gebäude.

Das ist natürlich eine Argumentation mit dem rechtlichen Status Quo, der ja gerade hier im Thread kritisiert wird. Daher: Um ein Dauerwohnen in Tiny Houses sinnvoll zu ermöglichen, müssen natürlich auch solche Abstandsflächen, die auf Einfamilienhäuser ausgelegt sind, für Tiny Houses anders geregelt werden.

Da sind wir uns denke ich einig. Wie gesagt, für mich ist es eher ein Zwischending zwischen „Eigentumswohnung im Mehrfamilienhaus“ und „Eigenheim mit Garten“. Und gegen ein solches Zwischending spricht eigentlich wenig.