Das gesellschaftliche Problem mit Wohneigentum als Altersvorsorge

Hier im Forum wurde ja auch schon häufiger diskutiert, wie toll es sei Leuten Wohneigentum als Altersvorsorge zu ermöglichen. In diesem Thread soll es nicht darum gehen, ob die eigene Immobilie fürs Indivium ein gutes Investment ist.

Worum es mir eher geht ist, dass bei der Diskussion häufig die gesellschaftlichen Nachteile außen vor gelassen werden. Wenn Immobilien einen relevanten Teil der Altersvorsorge in einer Gesellschaft übernehmen geißelt sich die Gesellschaft damit selber. Wenn jemand eine Immobilie als Altersvorsorge besitzt, wird er sich mit Händen und Füßen dagegen wehren, dass diese im Preis sinkt. Das macht es Leuten ohne Immobilie schwerer sich eine Immobilie zu Leisten und fördert NIMBYsm.

Ich habe keine Lösung für das Problem, wollte aber drauf hinweisen, dass Wohneigentum für alle sehr kontraproduktiv sein kann und nicht die Lösung all unserer Probleme. Ich denke das kommt häufig im politischen Diskurs zu kurz.

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Wenn nahezu jeder eine eigene Immobilie hat, dann ist der Markt gesättigt, dennoch wird es regelmäßig Menschen geben, die ihre Immobilie aufgegeben wegen Altenheim/Tod/Umzug.
Es gibt also Fluktuation und Möglichkeiten der nächsten Generationen, in die Immobilien der Vorgenerationen nachzurücken.
Die Frage ist nur, ob der Markt wirklich so viele Immobilien bereitstellen könnte, dass der Markt diese Sättigung erreichen könnte. Und das Problem, dass bestimmte Regionen gefragter sind als andere bleibt natürlich auch.
Wenn ich als Arbeitgeber allerdings weiß, dass ich Arbeitnehmer nur bekomme, wenn sie sich bei mir eine Immobilie kaufen können, werde ich alles dafür tun, dass das in der Nähe meiner Arbeit auch möglich ist.

Das was du hier beschreibst geht etwas an dem Problem vorbei.

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Würde ich verkaufen und die Erlöse in nen Etf packen, hätte ich höhere Einnahmen und deutlich weniger Stress. Was mit meinen Bestandsmieten passiert, wenn das Mfh an Vonovia geht, kann sich jeder denken.

Mein Problem ist nicht Umverteilung. Es ist das Klein klein und und der durch das Micro Management entstehende Overhead.

Zuerst würdest du dich sehr wahrscheinlich mit Händen und Füßen dagegen wären, dass dein Haus an Wert verliert, bevor du es verkaufst. Aber nochmal es geht hier nicht darum, was für das Individuum die beste Lösung ist. Es kann durchaus sein, dass eine Immobilie aufs Individuum gesehen die sinnvollste Variante der Altersvorsorge ist, aber gesamtgesellschaftlich trotzdem negativ ist. Nennt sich auch Tragik der Allmende.

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Wahre „gesamtgesellschaftliche“ win-win Situationen gibt es kaum. Selbst wenn wir z.B. sinnlose Verwaltungskosten einsparen, bsp krankenkassen zusammenlegen, gibt es kurzfristig Verlierer. Politik ist erst mal immer Lobbyismus. Stellst du eine Gruppe besser, gibt es weniger Mittel für Andere. Die Beurteilung was „gesamt gesellschaftlich“ besser ist ist nicht weniger politisch.

Wir sind hier in einem Politikforum, natürlich ist hier alles politisch. Von daher verstehe ich nicht, was du hier sagen willst.

Es ging mir darum, dass hier im Forum, aber auch vor allem von konservativ-liberalen häufig der Besitz eigener Immobilien, als das non-plus ultra der Altersvorsorge dargestellt wird Dabei werden aber meistens die gesamtgesellschaftlichen folgen dieser Politik ignoriert. Stattdessen drehen sich die Debatten immer nur um Mieten vs. Kaufen und Stadt vs. Land.

Wenn wir davon ausgehen, das etwa 48% der „Wohnenden“ in Deutschland Eigentum besitzen, der Rest zur Miete wohnt: wieviel „Eigenheimquote“ wäre überhaupt realistisch möglich?

Dazu: wie lange kann man ein selbstgenutztes Eigenheim altersmässig eigenständig nutzen? Also mit ggf Treppen, Gartenpflege, etc?

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Wohneigentum (vor allem vom Eigentümer bewohntes) ist unter anderem deshalb volkswirtschaftlich suboptimal, weil Menschen dadurch nicht mehr flexibel ihr Einkommenspotenzial maximieren. Wenn ich für 700.000 Euro ein Haus gekauft und hergerichtet habe, dann ziehe ich in der Regel nicht wegen 300 Euro mehr Netto im Monat in zwei Jahren wieder um.

Außerdem wohnen Menschen in der eigenen Wohnung/Haus die meiste Zeit auf zu wenig oder (meistens) zu viel Fläche. Da wird viel Geld ineffizient für den Erhalt nicht genutzten Wohnraums verballert während andere Menschen verzweifelt eine größere Wohnung suchen.

Angeblich gibt es diverse Länder mit >90% Eigentumsquote: WOHNEIGENTUMSQUOTE - LÄNDER - LISTE

Das ist ein massives Problem. Nur etwa 3% aller Wohnungen in Deutschland sind barrierefrei. Das reicht noch nichtmal zur Deckung des aktuellen Bedarfs. Viele Menschen müssen im Alter ihr Haus nicht zuletzt verlassen, weil sie sich dort körperlich nicht mehr bewegen können. Im Bestand lässt sich Barrierefreiheit oft gar nicht wirtschaftlich herstellen und – vielleicht noch schlimmer – im Neubau muss privater Wohnraum keine vollständige Barrierefreiheit erreichen. Als Begründung wird dafür die Senkung der Baukosten vorgebracht, tatsächlich verschiebt man die Kosten nur nach hinten und multipliziert sie, da statt der eigenen Wohnung/Haus dann der Umzug in das Altersheim ansteht.

Interessant wäre was in Deutschland realistisch möglich wäre. 90% halte ich für unrealistisch.
Rein finanziell für die meisten unerreichbar.

Diese Werte werden durch massive staatliche Förderung erreicht, das wäre grundsätzlich auch in Deutschland möglich. Ich würde das für eine schlechte Politik halten, aber möglich wäre es.

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In Großstädten hieße das ja im Grunde, Mietwohnungen massiv in Eigentumswohnungen umzuwandeln. Dann müsste die Förderung sehr üppig sein oder es wohnen nur noch sehr hohe Gehaltsgruppen in Städten, der Rest pendelt von außerhalb, wo es ggf günstigen Wohnraum gibt? Wäre auch nicht ideal, wenn man Klimaschutz und Ähnliches mitdenkt

Wenn irgendetwas als das NonPlusUltra der Altersvorsorge dargestellt wird, dann, um davon abzulenken, dass der Staat nicht gewillt ist, diese Absicherung auf stabile Füße zu stellen.
Hier lese ich das in dieser Asolutheit wenig bis nie.
Stattdessen wird immer relativiert, dass auch ein Eugenheim mit Folgekosten, vor allem nach 20-40 Jahren, verbunden ist und damit im Alter zur Belastung werden kann.

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