Das ist eine ziemlich irreführende Charakterisierung grüner (und allgemein linker/progressiver) Drogenpolitik. Aus dem Wahlprogramm der Berliner Grünen:
Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Menschen rund um Drogenhotspots ernst und werden mit voller Kraft für eine Verbesserung kämpfen. Solange keine kontrollierte Abgabe diese Hotspots komplett verschwinden lässt, werden wir mit Programmen zur sicheren Spritzenentsorgung, mit häufigen Reinigungszyklen in Parks und auf Spielplätzen sowie mit gezielten Kontrollen die Situation vor Ort verbessern. Denn Spritzen und Drogen haben auf Spielplätzen nichts verloren. Bei der Lösung dieser Probleme beziehen wir die Betroffenen im Sinne partizipativer Handlungsansätze aktiv mit ein.
Da steht natürlich noch mehr. Natürlich gibt es klare Unterschiede zum Ansatz der CDU, als „akzeptierend“ gegenüber Crack/Heroin kann das aber nicht beschrieben werden.
Ich denke die Erfahrungen aus den USA sind wertvoll, wo Crack-Kokain ja vor allem in den 1980er Jahren die öffentliche Diskussion über Drogenpolitik bestimmt hat.
Dort wurde auf das Aufkommen von Crack-Kokain zum einen hysterisch, zum anderen extrem reaktionär reagiert. Ein großer Teil der „mass incarceration“, die vor allem Schwarze US-Amerikaner betrifft, lässt sich in ihrem Ursprung auf diese Zeit zurückführen.
Meiner Auffassung nach war/ist Crack-Kokain wie auch z.B. Fentanyl eine „Droge der Hoffnungslosigkeit“. Sie spielt vor allem in sozial und wirtschaftlich extrem prekären Bevölkerungsschichten eine bedeutende Rolle.
Ich denke, dass die Frage der Prävention damit recht einfach zu klären ist: Eine soziale Wirtschafts- und Sozialpolitik, die allen Menschen ein gewisses Maß an Perspektive und Entwicklung ermöglicht, ist die beste Vorbeugende Maßnahme. Insbesondere bei Crack-Kokain scheint das wichtig, da die Rückfallraten recht hoch zu sein scheinen.
Wenn es um das Management schon bestehender Konsumenten und besonders deren sozial scheinbar wenig attraktiven Verhaltens geht, gibt es aus dem verlinkten Bericht aus Zürich ein paar interessante Aspekte:
Im letzten Herbst ist die Kontakt- und Anlaufstelle für Drogenabhängige auf dem Kasernenareal geschlossen worden. Zwar wurde ein Ersatzstandort geschaffen, doch dieser liegt in der Brunau, eine halbe Stunde entfernt – und damit weit weg vom Kreis 4 und von den Süchtigen. Die Behörden haben dabei an vieles gedacht, aber offensichtlich nicht an die Konsumenten und ihre Bedürfnisse. Sogar die Stadt gibt zu, dass der Ersatzstandort nicht wie zuvor genutzt wird.
Die Stadt hat zwar bereits reagiert, um die Situation zu entspannen. Die Polizeipatrouillen wurden verstärkt, Sozialarbeiter suchen das Gespräch mit den Konsumenten, und man sucht nach einem Ersatzstandort für die Drogenanlaufstelle. Denn klar ist: Repression nützt bei der Eindämmung des Drogenproblems wenig, wenn es keine geeigneten Auffangstrukturen gibt.
Ich denke auch, dass man Crack-Kokain genauso wie jede Droge vor allem als Problem der öffentlichen Gesundheit betrachten sollte. Und das bedeutet eben eine intensive Auseinandersetzung mit den (Sucht)Kranken, einschließlich bedürfnisorientierter Hilfsangebote dort, wo sie sich aufhalten. Das kostet viel Geld, aber man kriegt in der Regel raus, was man reinsteckt.
Wo sich Außenstehende/Anwohner durch die Präsenz der Konsumenten gefährdet fühlen, macht eine erhöhte Polizeipräsenz sicher Sinn, solange die zu einer Verdrängung der Szene führt. Denn dadurch verschwinden die Konsumenten und Probleme ja nicht, sie verlagern sich nur – an Orte, an denen erstmal keine Strukturen zum Management vorhanden sind.