COVID-19: Wie schnell können wir impfen wenn der Impfstoff da ist?

Liebe LDN-Community,

ich möchte Euch auf eine Frage der Covid-19 Pandemie aufmerksam machen, die das Potential hat, 2021 ein bestimmendes Thema des Jahres zu werden: Wie schnell können wir die Bevölkerung impfen?

Im Moment fragen sich alle, wie schnell ein Impfstoff kommt und wen wir dann zuerst impfen. Meines Erachtens ist viel wichtiger, wie schnell wir impfen können wenn ein Impfstoff erstmal da ist. In FAZ und DLF wurde vor kurzem die Zahl 100.000 Impfdosen pro Tag genannt (siehe Links unten). Das würde heißen, wir bräuchten 150 Tage, um auf 15 Millionen Impfungen zu kommen. D.h. man bräuchte 600 Tage um 60 Millionen Menschen zu impfen (was eine wichtige Schwelle zu sein scheint). Und das wäre nur eine Impfdosis.

Die Frage ist mE deshalb so wichtig, weil derzeit viele Menschen in meinem Umfeld davon ausgehen, dass wir nächstes Jahr schon wieder zu einem normalen Leben zurückkehren können – realisiert man aber, dass sich allein durch die Zulassung des Impfstoffs vorerst für fast niemanden in Deutschland etwas ändern wird an den Hygienebestimmungen, so birgt das gesamtgesellschaftlich ein sehr großes Frustrationspotential. Ich kann nur sagen, dass ich selbst schon geschockt war, als ich die Zahlen in dem FAZ Artikel gelesen habe.
Außerdem könnte die Frage, wen wir als erstes impfen, deutlich entschärft werden , wenn wir insgesamt schnell impfen könnten (ob ich heute oder nächste Woche geimpft werde, ist doch relativ egal).

Es ist für einen Laien quasi unmöglich nachzuvollziehen, ob die Schätzung von 100.000 Personen ungefähr stimmt. Sie kommt vom Leiter der ständigen Impfkommission beim RKI, hat also sicher einen realen Hintergrund. Gleichzeitig fragt man sich: Können wir bei 50.000 Hausärzten in Deutschland nicht schneller impfen? Es ist klar, dass viele Aspekte heute noch nicht beantwortet werden können, weil alles davon abhängt welcher Impfstoff sich durchsetzt (und wie der dann verabreicht wird, ob er gekühlt werden muss, ob zwei Impfdosen nötig sein werden etc.). Trotzdem: Es wäre toll, besser zu verstehen, warum die Zahl der Personen, die wir pro (Werk-)Tag impfen können nicht höher sein kann. Die Impfdosen werden ja bereits produziert; an deren Verfügbarkeit scheint es also nicht zu liegen.

Ich wäre sehr dankbar, für Input hierzu. Ich glaube, dass es ein riesiges 2021 Thema wird und gleichzeitig berichtet derzeit fast niemand darüber.

Besten Dank!
Roman

Links mit Schätzungen von 60.000 bis 100.000 Impfungen pro Tag (nur der erste Link ist hinter einer Paywall, die miesten Infos hieraus findet Ihr aber auch im DLF-Hintergrund):

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Vor allem können wohl auch geimpfte Personen infektiös sein, weil sich an der Viruslast im Rachen gar nicht so viel ändert durch die Impfung. Und damit sind sie eine Gefahr für Leute, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht geimpft werden können, bzw. noch auf einer Warteliste für die Impfung stehen.

Es ist illusorisch zu hoffen, dass bereits nächstes Jahr wieder alles so sein wird wie zuvor. Wenn alles perfekt läuft, haben wir die Risikogruppen im Herbst alle geimpft und verlassen uns dann auf Masken und Schnelltests bei Großveranstaltungen.

Update:

Im letzten Abschnitt der aktuellen Spiegel-Titelstory wird Spahn zitiert mit der Prognose, dass „in sechs, sieben Monaten ein großer Teil derjenigen, die wollen, geimpft werden“. Das wären dann deutlich mehr als 100.000 Geimpfte pro Tag.

Ein Problem, das du bereits ansprichst, scheint die Kühlung und damit die Logistik zu sein. So muss ein Impfstoff bei -70°C transportiert werden und ich könnte mir vorstellen, dass hier eine Impfung gar nicht bei niedergelassenen Ärzt:innen erfolgt, sondern eher in Testzentren, wo diese Bedingungen geschaffen werden können. Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem niedrigen Flugaufkommen, ein nicht unerheblicher Teil der Warenströme fliegt im Bauch von Passagiermaschinen mit, nicht etwa in dedizierten Frachtflugzeugen - ein Grund ist, dass Passagiermaschinen üblicherweise ein deutlich breiter gefächertes Netz haben. Ich glaube daher, dass es nicht ausreicht, nur auf die Kapazitäten hierzulande zu schauen, sondern die weltweiten Produktions-, Transport- und Ausgabekapazitäten mit beachtet werden müssen.

Ich habe hierzu kürzlich ein paar interessante Artikel hierzu gefunden, die ich noch in die Unterhaltung mitgeben möchte:

https://www.iata.org/en/iata-repository/publications/economic-reports/air-freight-monthly-analysis---august-2020/

Spannend to_bias! Es soll wohl tatsächlich 60 Impfzentren geben. Siehe auch Link unten.

Mertens hat erneut die Zahl von 100.000 Impfungrn pro Tag genannt. Das widerpsricht doch den Zahlen, die Spahn offenbar annimmt, oder?

Die Zahlen sind ja recht spannend aber am Ende sagen die Zahlen nichts aus, weil erstmal klar sein muss wer sich gleich zu Beginn freiwillig Impfen läßt. das nimmt weiter ab je länger alles dauert und wenn wir mit dem Impfbeginn in den Sommer kommen in dem wie dieses Jahr die Einschränkungen für Viele Überschaubar waren, dürfte die Impfbereitschaft erst Oktober in einem Jahr beginnen. Das sind zu viele Variablen. Ich glaube da werden die Schnelltests vorher schon eine viel größere Rolle spielen und spielen müssen.

Es gibt neue Zahlen.

Die viel zu kleine Zahl von nur 60 Impfzentren scheint wohl überholt, stattdessen wird es eher hunderte geben. Bei 60 Impfzentren müsste auch die gesamte ländliche Bevölkerung in größere Städte reisen. Gleichzeitig scheint die weitere Logistikplanung noch völlig offen zu sein (siehe FAZ unten).

Und Hessen plant wohl 30.000 Menschen pro Tag zu impfen (siehe hessenschau unten).