Corona-Impfung: Änderung der Priorisierung

Ich bin NICHT eurer Meinung, dass man die Priorisierung auflösen sollte. Meine Eltern sind beide über 70, haben sich schon lange für die Impfung angemeldet, aber leider immer noch keinen Termin angeboten bekommen.
Ich kann nicht verstehen, dass man bei dieser Krankheit, bei der das Sterberisiko wie bei keiner anderen ganz klar vom Alter abhängig ist, nun plötzlich Jüngere bevorzugt werden sollen, nur weil manche Berufsgruppen einfach lauter sind, als ganz normale, gesunde Rentner!
Wenn alle Impfwillige mit altersbedingtem hohem Risiko bedient wurden, kann das gern aufgelöst werden, aber vorher empfinde ich das als krass ungerecht!

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Sehe ich genau so. Im einwohnerstärksten Bundesland NRW sind in der Altersgruppe 70+ noch nicht einmal Anmeldung möglich.

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Ich stimme dir voll und ganz zu, dass alleine das „Lauter-Sein“ ausschlaggebend für eine Priorisierung sein darf.
Ohne selbst Position zu beziehen, gibt es durchaus mehrere Argumente, die für eine Priorisierung sprechen, welche nicht alleine (!) vom Alter abhängen:

  1. Ältere Menschen stellen häufig ein „Dead-End“ in der Infektionskette dar. Tut mir leid für die schlechte Wahl des Begriffes, mir fällt auf die schnelle kein besserer ein. Es geht darum, dass ältere Personen tendenziell weniger Kontakte als jüngere Personen machen. Es gibt Studien, welche dafür sprechen, dass eine Impfung auch eine Verbreitung der Krankheit eindämmen kann. Es kann also sein, dass mehr Infektionen durch die Impfung jüngerer Menschen verhindert werden.
    Geht man hier Weg vom Alter und hin zu den Berufsgruppen, so kann man im Beispiel von Lehrkräften gut erkennen, dass sie im Regelbetrieb der Schule schnell auf weit über 100 Kontakte pro Woche kommen.
  2. Eine reine Risikoberechnung anhand der prozentualen Sterblichkeit ist nicht fair. Das liegt daran, dass davon ausgegangen wird, dass man sich infiziert. Es sollte auch betrachtet werden, welchem Risiko einzelne Personen ausgesetzt werden(!), indem sie das öffentliche Leben aufrecht erhalten. Auch hier ist das Beispiel der Lehrkräfte passend, da sie sehr viele Kontakte besitzen und eine Infektion wahrscheinlicher sein kann. Ein Versuch einer Analogie: Man sollte das Risiko beim Lottospielen nicht alleine am Gewinn festmachen. Es ist durchaus wichtig, die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des Gewinnes zu Betrachten.
    Unten versuche ich mittels einer Rechnung die Problematik zu verdeutlichen.
  3. Das Alter ist ein entscheidender Faktor, allerdings gibt es weitere Risikofaktoren, welche einen schweren oder tödlichen Verlauf von Corona zur Folge haben.
  4. Ein striktes Einhalten der Priorisierung (unabhängig davon, wer nun priorisiert wird) führt auf jeden Fall zu einem erhöhten Organisationsaufkommen. Man könnte argumentieren, dass dadurch das Impfen langsamer fortschreitet.

ad 2)
Und hier noch eine modellhafte Rechnung: Mal angenommen das Infektionsrisiko pro Kontakt ist immer gleich und jede Lehrkraft hat innerhalb einer Woche 150 Kontakte zu Schülerinnen. Eine Rentnerin (65+) hat genau 5 Kontakte pro Woche.
(Diese Annahmen sind stark vereinfacht !!)
Angenommen die Infektionswahrscheinlichkeit pro Kontakt sind 0,5%.
Dann besitzt die Lehrkraft eine Wahrscheinlichkeit sich innerhalb einer Woche zu infizieren von ca. 52% (=1-(1-0.5%)^150)
Die Rentner*in hingegen besitzt eine Wahrscheinlichkeit von 2,4% (=1-(1-0.5%)^5).

Betrachtet man nun die Wahrscheinlichkeiten für einen tödlichen Verlauf (vgl.[1]) so kann man folgendes berechnen:
Die Wahrscheinlichkeit für eine*n 70-jährige*n Renter*in sich zu infizieren und zu sterben liegt bei 9,4%* 2,4% = 0,2256%
Die Wahrscheinlichkeit für eine 50 jährige Lehrkraft sich zu infizieren und zu sterben liebt bei 52%* 0,6% = 0,312%

[1] Coronavirus - Letalitätsrate in Italien nach Altersgruppe 2022 | Statista

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Hey, dazu aber ein Gedanke:

Lehrkräfte haben viel mehr Kontakte, ja, ABER: Die Impfung anhand der Kontakte zu betrachten, ändert den Plan der Priorisierung. Denn es wird dann vor allem versucht, die Infektionen zu verhindern, statt die zu schützen, die am meisten gefährdet sind, bei einer Infektion zu sterben. Und die aktuelle Prio sieht vor, tödliche Infektionen zu verhindern und nicht generell Infektionen.
Ob die aktuelle Strategie die richtige ist, das will ich gar nicht sagen, aber man kann nicht über die monatelang überlegte Priorisierung hinweggehen, ohne klar zu ziehen, wie dann aber Risikogruppen besser geschützt werden. Dann müsste man es zumindest wirklich mit einem konkreten Ziel arbeiten.

Ich hoffe ich konnte beschreiben, was ich meine. :slight_smile:

Das haben wir auch nicht vorgeschlagen. Wir haben nur gesagt, dass man kurzfristig liegengebliebenen Impfstoff ohne Rücksicht auf die Priorisierung vergeben sollte. Denn es hilft auch keinem Menschen über 70, wenn ein jüngerer Mensch nicht geimpft wird, obwohl ein Termin geplatzt ist und sonst niemand geimpft wird.

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