Ich halte nichts von Streeck bashing.
Die Gangelt Studie war gut und wichtig und die erste ihrer Art in Deutschland und wurde Methodisch gut und sauber gearbeitet. Hier durch wurde das Symptom des Geschmacks/Riechverlustes auch erst breit bekannt.
Die Art der Präsentation der Studie damals war umstritten und nicht optimal, ich würde es als gescheiterten Versuch von Wissenschaftskommunikation verstehen. Nach eigener Aussage wusste Herr Streeck nicht dass diese PR-Agentur irgendwie kritisch zu sehen ist und hat über einen Freund den Kontakt dahin gefunden.
Streeck hat sich immer mal wieder in der Kommunikation verrant, aber das ist auch in Ordnung, er ist ein sicherlich guter Wissenschafter und auch wenn dies auf wenig Gegenliebe stößt, bemüht er sich um eigene und andere Standpunkte zum Umgang mit Corona als die offizielle Linie von RKI und der Berliner Virologie. Es ist gut und wichtig, dass in der Wissenschaft auch andere Standpunkte vertreten und diskutiert werden.
Bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse auf ganz Deutschland musste und wurde dann doch schnell zurück gerudert. Ich bin nicht sicher ob dies von dem Team von Herrn Streeck bzw ihm selbst so gedeutet wurde oder dies in der politischen/medialen Interpretation so zustande gekommen ist.
In wie weit sich die Position von Herrn Streeck, von Herrn Drosten, Herrn Kekulé, Herrn Lauterbach oder weiterer mehr oder weniger prominenter Virologen und Epidemiologen und Institute wie dem RKI, der Leopoldina etc. auf die Politik ausgewirkt hat ist nicht wirklich nachzuvollziehen. Von daher wäre ich hier vorsichtig mit der Überbetonung des Einflusses von Herrn Streeck.
Ihn für die jetzige Infektionswelle veranwortlich zumachen ist schlicht falsch und unfair.
Das die Studie jetzt erst förmlich publiziert ist, liegt nicht an Herrn Streeck sondern an der Dauer des Peer-Review Prozesses und vermutlich auch daran, dass vieles davon vorher schon breit bekannt gemacht wurde und so das Interesse und der Druck zur Publikation geringer war von Seiten des Verlags.
Zu der aktuellen Recherche:
Was ist passiert?
Nach Ende der Studie sind weitere Personen gestorben, die sich gegen Ende der Studie infiziert hatten. Eine Person kurz nach Ende, weitere erst einige Wochen/Monate später.
Die eine Person die kurz nach Ende des Beobachtungszeitraums gestorben ist, wurde noch in die Ergebnisse mit einbezogen, die anderen nicht obwohl sie laut der Recherche als Infizierte mit einberechnet wurden.
Dies würde aber die Ergebnisse verändern.
Ist die Grob falsch? Wenn die „frisch“ Infizierten tatsächlich in die Endauswertung mit einbezogen wurden, wäre dies in der Tat zweifelhaft. Dies hätte aber in dem Review-Prozess auffallen müssen, daher bin ich hier etwas skeptisch.
Ansonsten hätte man es einbeziehen können, aber nicht müssen. Es ist in jedem Fall ein berechtigter Kritikpunkt an und eine Limitation in der Studie.
Die Zeitspanne bis ein Infizierter stirbt ist ja durchaus variabel, abhängig davon wie die Erkrankung verläuft und wann die Infektion erkannt wird.
Es ist ein Thema für wissenschaftliche Diskurs und wird vielleicht nochmal aufgrund des Drucks nachgebessert, aber kein Skandal.
Was sagt uns das, dass so jemand offensichtlich der einflussreichste Virologe der letzten Monate bzgl. der in Deutschland verfolgten Corona-„Strategie“ ist?
Hier wüsste ich aber schon gerne wie du darauf kommst, dass Herr Streeck „der einflussreichste Virologe“ der letzten Monate ist. Er mag in NRW eine wichtige Stimme (gewesen?) sein, in anderen Bundesländern gibt es aber auch andere wissenschaftliche Berater und auf Bundesebene mit dem RKI sowieso. Herr Drosten wird sicherlich auch viel Gewicht haben, ob er nun aktiv die Politik berät oder sich nur im NDR Podcast sich äußert. Ebenso sind die medizinischen Fachgesellschaften aktiv und werden auch gehört.