Hallo Ulf,

Im Interesse aller queeren Aktivistinnen eine kleine Korrektur zu den Regenbogenflaggen auf den Demos: In den meisten Fällen hat es sich hierbei nicht um die Flagge der LGBTQ Bewegung gehandelt, sondern um die sogenannte PACE Flagge der Friedensbewegung. Der Farbverlauf ist leicht unterschiedlich und in der Regel tragen diese Flaggen auch den Schriftzug „PACE“ (italienisch für „Frieden“). Der Unterschied ist hier ganz gut erklärt:

Warum war die PACE Flagge so häufig auf den Demos vertreten? Nun ich denke das liegt vor allem daran, dass die Teilnehmerschaft große Schnittmengen mit den sogenannten „Mahnwachen für den Frieden“ aufweist, welche in Reaktion auf die Ukraine-Krise 2014 stattgefunden haben. Die Demos damals zeichneten sich schon durch Rechtsoffenheit sowie verschwörungsideologische und antisemitische Tendenzen aus. Wichtige Akteure in der aktuellen Coronaleugner-Szene waren schon damals die Stichwortgeber (z.B. Ken Jebsen oder Jürgen Elsässer).

Ich glaube das große ‚Erfolgsrezept‘ der aktuellen Bewegung ist, dass sie unterschiedliche Milieus zusammenbringt, die vorher vielleicht nicht soviel miteinander zu tun hatten: Impfgegner / Anthroposophen, Reichsbürger, Pegida-Anhänger, Putin / Trump-Anhänger, Verschwörungsideologen aber natürlich auch viele Menschen zu die keiner der genannten Gruppen gehören und die sich vielleicht gerade auch zum ersten mal politisieren.

Ihr habt ja versucht herauszuarbeiten, was all diese Gruppen eint. Aus meiner Sicht ist der gemeinsame Nenner ein tief sitzendes Misstrauen gegenüber staatlichen / demokratischen Institutionen, den Medien, sowie der Wissenschaft, welches im schlimmsten Fall in einen blinden Hass gegen „die Eliten“ kulminiert. Eine weitere traurige Gemeinsamkeit ist, dass viele dieser Gruppen schon lange vor der Covid-Pandemie durch eine fehlende oder mangelhafte Abgrenzung nach Rechtsaußen, sowie einem Hang zu Verschwörungsideologien aufgefallen sind.

Auch wenn es sich hierbei um eine Minderheit in unserer Gesellschaft handelt, finde ich es absolut bedenklich wenn all diese Milieus sich jetzt vernetzten. Ich befürchte, dass diese Bewegung und seine „alternative“ Medienblase viele Leute radikalisiert und einen potentiellen Einstieg in geschlossene rechtsextreme, antisemitische und sozialdarwinistische Weltbilder darstellt. Rechte und anti-aufklärerische Bewegungen waren historisch immer dann erfolgreich, wenn sie es geschafft haben verschiedene gesellschaftliche Gruppen und Milieus über ein gemeinsames Feindbild zusammenzuführen.

Viele Grüße und macht weiter so!

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Da willst du jetzt aber zu viel …

Die Neutralität ist dadurch gewahrt, dass die Gegenseite zu Wort kommt.

Das was du willst, ist dass Philipp und Ulf, bzw. im weiteren dann die gesamte Medienlandschaft keinen Standpunkt und keine Position mehr haben dürfen.

Das gibt es nicht, das ist unmöglich und das will auch niemand.

Und gerade Philipp und Ulf sind hervorragend darin alle Fakten sehr neutal zusammenzutragen und sie auch sehr sauber von ihrem eigenen Standpunkt zu trennen.

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Das liegt aber auch an der Entwicklung in der Wissenschaft. Das Publizieren ist immer wichtiger geworden und zwar nicht die Qualität, sondern die Anzahl der Veröffentlichungen und deren Zitate. Das führt dazu, dass ein Forscher, wenn er es zu etwas bringen möchte, Veröffentlichen muss - auch wenn er gar nichts hat. Die Folgen können sein:

  • Es wird mehrfach derselbe Inhalte veröffentlicht
  • Es werden halbfertige Sachen veröffentlicht
  • Statt einer guten Veröffentlichung gibt es jetzt x von mäßiger Qualität
  • Die Anzahl der Autoren pro Veröffentlichung nimmt zu
    Insgesamt fehlt dadurch die Tiefe bei vielen Arbeiten und das ist das was Wissenschaft eigentlich ausmacht. Bevorzugt werden dagegen tendenziell Personen, die geschickt darin sind an Papern mitschreiben zu können und die aus möglichst wenig Inhalt möglichst viele Veröffentlichungen generieren können.

Das unterscheiden von „guten“ und „schlechten“ Arbeiten ist sehr schwer. Ich traue mir das in meinem Themengebiet und auch vielen anderen Bereichen grundsätzlich zu, muss jedoch sagen, dass ich dies nach meinem Studium noch nicht konnte und erst gegen Ende meiner Promotion gelernt habe.