Corona Belastungen auf mehr Schultern verteilen

Hallo liebes Lage Forum,

ich habe mir bereits seit Monaten die Frage gestellt „warum werden Corona bedingte Belastungen nicht auf mehr Schultern verteilt?“ und ich würde mich dafür interessieren was Ihr von meinem Gedankengang haltet.

Ich spreche hier natürlich etwas grundsätzliches an möchte meinen Gedankengang aber an zwei Beispielen verdeutlichen.

Beispiel 1: Die Gaststätte
Zur Zeit kann kein Gaststättenbetrieb stattfinden aus (keine Frage) guten Gründen. Für den Ausfall sind aber natürlich nicht die Wirte verantwortlich. Um für die Gesellschaft Gefahren abzuwehren, wurde ein Betrieb der Gaststätten untersagt (also zum Schutz für uns alle). Auf den Verlusten oder den entgangenen Gewinnen bleiben die Betreiber sitzen (auch nach Abzug der geleisteten Corona Hilfen). Der Eigentümer des Gebäudes (also der Verpächter) hat weiterhin Anspruch auf 100% der vereinbarten Pacht. Für diese Pacht, welche zu den Betriebskosten gehören und somit bei den Corona Hilfen berücksichtigt werden, kommen also zur Zeit auch wir (Steuerzahler) auf. Dies finde ich grundsätzlich auch in Ordnung, aber wäre es nicht legitim wenn auch der Verpächter einen Teil der Last tragen lassen müsste?
Also wenn man z.B. Regeln würde, dass der Verpächter einer Gewerbeeinheit einen um X% (ich denke hier an 25-33%) geringeren Anspruch auf seine Pachteinnahme hätte, wenn die verpachtete Einheit auf Grund von Corona-Schutzmaßnahmen nicht genutzt werden darf? Dies würde zu weniger „Zuschuss“ aus Steuergeldern führen und man würde die „Last“ etwas mehr verteilen.
Das „Eingesparte“ Geld könnte dann wiederum anderen, von Corona Betroffenen, zu gute kommen (Es geht mir nicht darum, dass der Staat weniger hilft oder darum dass er weniger Geld in die Hand nehmen sollte). Hierbei könnte und sollte man natürlich Härtefälle berücksichtigen und könnte z.B. für Verpächter ein Recht einführen, dass diese Kreditverpflichtungen ebenfalls während Corona nach hinten schieben dürften usw…
Grundsätzlich ist es ja auch nicht das Interesse eines Verpächters, dass sein Pächter pleite geht (Leerstände Kosten auch Geld und führen zu entgangenen Einnahmen für den Eigt.).

Mit Corona Umzugehen bzw. Corona „zu bewältigen“, sehe ich als eine Gemeinschaftsaufgabe, der Ansatz zu versuchen die Lasten breiter zu verteilen würde ggf. dazu führen, dass dies auch mehr als solche wahrgenommen wird.

Beispiel 2: Mietswohnungen
Der Vermieter eines MFH besitzt z.B. 10 Wohneinheiten (WE). Zwei seiner Mieter werden Corona bedingt Arbeitslos. Diese Mieter haben unverschuldet ein beträchtlich geringeres, zur Verfügung stehendes, Einkommen. Um weiterhin die Miete (die ja in recht vielen Bereichen einen großen Anteil der monatlichen Belastungen der einzelnen Haushalte ausmacht) aufbringen zu können sind viele Familien dazu gezwungen an Ihre oft knappen Rücklagen zu gehen oder ihre Wohnung aufzugeben um auf günstigeren Wohnraum auszuweichen (viel Spaß dabei in München, Berlin, Köln, Hamburg, Stuttgart, …). Daher wäre es doch zumindest eine Überlegung wert, auch an dieser Stelle zumindest einen Teil der „Corona Last“ auch auf die Vermieter weiterzuleiten. Bei einer Regelung, welche dazu führt dass ein Vermieter in einem bestimmten Zeitraum auf einen Teil der Mieteinnahmen verzichten müsste, wäre die Corona Last etwas solidarischer verteilt. Wenn ich bei meinem Beispiel bleibe würde eine Mietkostenreduzierung um z.B. 50% (hier setze ich mal hoch an) zu geringeren Einnahmen von 10% für diesen Vermieter führen (in Summe seiner 10 WE [bei gleichen Mieteinnahmen je WE usw.,… schon klar :roll_eyes:, ich weiß dass ich hier vereinfache]).
Natürlich könnten, müssten und sollten auch hier Härtefallregelungen eingesetzt werden. Z.B. bei Corona bedingten Mieteinnahmenausfällen für einen Vermieter von mehr als X% zum Vorjahr bezogen auf die Summe seiner Gesamtmieteinnahmen übernimmt der Staat die Differenz sofern die Ursache auf Corona zurückzuführen ist.

Grundsätzlicher Hintergrund des Gedankenganges
Die Corona Krise hat viele Einzelpersonen, Familien, einzelne Gewerbetreibende und ganze Industriezweige richtig hart getroffen. Andere Wirtschaftszweige sind bisher völlig oder nahezu unbeschadet geblieben, ich finde je länger wir alle mit Corona zu kämpfen haben, um so wichtiger wird es die Lasten etwas mehr und damit (meiner Meinung nach) fairer zu verteilen.

Zur Zeit trifft die Krise (wie es leider üblich ist) vor allem die Schwächsten, ich meine es wäre legitim zu versuchen etwas gegen anzusteuern.

Um meine These zu stützen dass Vermieter zur Zeit noch recht unbeschadet durch die Pandemie gekommen sind, hier der Aktienverlauf von Vonovia & der deutschen Wohnen (ein Jahres Betrachtung).
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Und um eines vorweg zu nehmen, mir ist auch klar dass Vonovia und die deutsche Wohnen nicht repräsentativ sind für „die Vermieter“.

Ich bin wirklich gespannt auf euer Feedback.

LG

JanausHassel

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Ich bin etwas hin- und hergerissen bei dieser Frage. Grundsätzlich hätte ich mir ebenfalls gewünscht, dass die Vermieter ihren Anteil übernommen hätten. Viele haben das sogar freiwillig getan. Solchen Menschen oder Firmen möchte ich Danken und wir alle sollten ihnen danken. Trotzdem gehört das bei einem unternehmerischen Totalverlust des Mieters für mich persönlich irgendwie dazu.

Von den vielen Arbeitnehmern, die beispielsweise in der Gastronomie ohnehin häufig eher schlecht bezahlt sind, wird über die Kurzarbeits-Regelung noch ein Anteil vom Lohn abgezogen, während Vermögende einfach weiter ihre Einkommen haben, weil sie ein Haus besitzen. Viele Arbeitnehmer sind heute kaum mehr in der Lage ein Eigenheim zu besitzen, weil die Preise in den letzten Jahren und Jahrzehnten explodiert sind. Diejenigen, die aus der Vergangenheit noch über Objekte verfügen, haben in diesen Jahrzehnten nur schon im Vermögen massiv profitiert. Ich gönne das den Personen und freue mich darüber. Ich denke nur, dass diese finanziellen Anlageobjekte quasi als „Nebeneinkommen“ mal so durchlaufen (im Falle der Kleinanleger, Erben und Eigenheimbesitzer) oder eben Kern der Spekulation sind.

Was mich eigentlich stört ist, dass es viele dieser Menschen/Firmen gibt, die dieses Vermögen (das Haus / die Wohnung etc.) zwar besitzen, aber keine Verantwortung für diese Objekte tragen. Genau bei DW und Vonovia ist ja ein Teil der Strategie, dass man sich einfach solange nicht darum kümmert, dass die Mieter ausziehen, damit man im Anschluss höhere Mieten verlangen kann.

Es gibt kaum eine Branche in der man so sicher und so profitabel Einkünfte generieren kann. Und genau da würde ich mir persönlich wünschen, dass man politisch einhakt und die Mieten (zumindest von gewissen Gruppen, z. B. von Kurzarbeit-AN oder betroffenen Restaurants / Kulturstätten) um einen gewissen Satz x reduziert.

Dabei könnte man m. E. beispielsweise mal da ansetzen, dass man alle Anleger mit mehr als 5 Wohnungen angeht, die keinen genossenschaftlichen Hintergrund oder Sozialwohnungen haben. Diese müssten für Firmen mit Berufsverbot und Kurzarbeit-Betroffene eine Reduktion von 10-25% auf die regelmässige Miete anbieten, solange diese betroffen sind.

Ich würde mir auch wünschen, dass man das Thema Wohnraum gesamtgesellschaftlich einmal überdenkt.

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Eine andere Ungerechtigkeit sehe ich bei den mittleren und großen Unternehmen (Industrie und Dienstleistungen). Es wurde schon desöfteren angesprochen, dass diese Unternehmen nicht den gleichen Beitrag leisten wie viele andere (siehe 5% Homeoffice-Quote).

Eine Gruppe muss also seit einem Jahr fast komplett auf die Einnahmen verzichten, eine andere kommen fast ohne Einbußen über die Runden (bildet sich meiner Ansicht nach ganz gut im DAX etc. ab).

Da werfe ich mal ganz ungeniert die These in den Raum, dass hier bereits Wahlkampf von einigen MPs (Herr Söder insbesondere) betrieben wird (immer der eigenen Wählerschaft nach dem Mund reden) und hier die Lobby mächtig Einfluß nimmt. Für mich absolut unverantwortlich und wegen des großen Ungleichgewichts bei der Lastenverteilung jeden Tag ein Grund für einen Aufreger.

Mag schon gar nicht mehr Zeitungen lesen.