Corona: Auslaufen der epidemischen Lage, langfristige Perspektive

Wir müssen die aktuelle Änderungen im Infektionsschutzverordnung und -gesetz (Auslaufen der epidemischen Lage, Reduktion der meisten Maßnahmen auf Hotspots) vor dem folgenden Hintergrund bewerten:

Im [vorletzten NDR Coronavirus-Update mit Prof. Drosten zeigt er ab 00:51]((112) Das Virus ist noch nicht fertig mit uns — Das Coronavirus-Update von NDR Info — Overcast unsere langfristige Perspektive auf, die ich wie folgt verstanden habe:

Mit der Impfung können sich die meisten Menschen gegen einen schlimmen Verlauf von Corona schützen - wenigstens gegen die bisherigen Mutationen.

Die Impfung hilft aber kaum gegen die Infektiosität und damit gegen die Verbreitung. Dafür müsste eine Immunabwehr in unseren Hals-Nasen-Schleimhäuten gebildet werden. Das vermag die Impfung nicht.

Ein Eindämmen der Aus- und Verbreitung des Corona-Virus, ein „zurück zu“ so etwas wie „Normalität“ (d.h. zum endemischen Zustand von Corona) werden wir erreicht haben, wenn

  • jeder in der Gesellschaft infiziert wurde und genesen ist - und zwar mehrfach. Wer sich das mal durchrechnet: Das kann 2-3 Jahre dauern! Und wird mit erhebliche Beeinträchtigung unserer Gesellschaft, insbesondere unserer Wirtschaft einhergehen.
  • Oder aber es gibt einen Lebend-Impfstoff, der als Spray direkt auf die Schleimhäute appliziert wird - davon ist weit und breit nichts zu sehen.

Wer 3fach geimpft ist, wird sehr wahrscheinlich keine oder erträgliche Symptomen erleben (zumindest mit den Varianten bis jetzt). Die anderen werden zu erheblichen Teil einen schwerem Verlauf erleben (einschl. Intensivstation und Tod).

(Dass 10-15% der Infizierten unter Long-Covid leiden werden, dazu hat er leider nichts gesagt. Wenn man sich mit dem Thema beschäftig: Leute, das ist etwas, was niemand haben will!)

Schließlich müssen wir damit rechnen, das mit der offenbar weniger wärme-empfindlichen Omikron-Variante wir eine deutlich geringere Erleichterung über den Sommer erleben werden.

Das sind alles andere als hoffnungsfrohe Perspektiven …

Vor diesem Hintergrund scheint mir die Impfpflicht unverändert als vordringlich.

Vielleicht ist eine kontrollierte „Durchseuchung“ der Gesellschaft eine doch nicht ganz so abwegige Idee? Ziel der Politik muss bleiben:
(1) Überlastung der Krankenhäuser vermeiden,
(2) die Vulnerablen, die sich nicht impfen können, zu schützen (Vor diesem Hintergrund empfiehlt Prof. Drosten (wie die meisten Virologen) als beste Maßnahme die Maske. Wichtig sei auch, dass die Hausarztpraxen die offenbar recht gut funktionierenden Medikamente gegen die Coronavirusinfektion vorrätig haben und ihre vulnerablen Patienten damit prophylaktisch ausstatten).

Alle Maßnahmen müssen laufend sehr kritisch daraufhin überprüft werden, ob sie wirksam helfen, diese diese Ziele zu erreichen. Maßnahmen, die „nur“ darauf abzielen, die Aus- und Verbreitung des Virus zu bremsen (Infektionszahlen niedrig zu halten), ohne dass damit die o.g. Ziele angesprochen werden, haben in meinen Augen keine Berechtigung mehr.

Edit zu Long-Covid

Sehr gut zusammen gefasst.

Ein grosses Problem sehe ich in der Zersplitterung der Anti-Covid-Regeln in lokale Bereiche. Bayern, NRW und andere Länder wollen eigentlich da bleiben wo wir aktuell sind mit den Schutzmassnahmen, andere wollen alles aufheben. Da den fast täglichen Überblick zu halten was wo wann gilt ist schn arg schwieirg,

Um die Überlastung der Krankenhäuser durch Ungeimpfte wirklich einschätzen zu können, bräuchte es doch mal eine aussagekräftige und stetig aktualisierte Statistik. Denn wenn aus „Impfen damit wir die alle vor Covid schützen“ nur noch ein „Impfen damit wir die Krankenhäuser nicht überlasten“ wird, dann sollte man das auch mit Fakten unterfüttern.

Und der dritte Punkt der sich mir aufdrängt ist, dass man sich bei einer „Durchseuchung“ im Klaren sein muss, dass Arbeitnehmer ausfallen werden. Je nachdem wie harsch man das angeht mit der Aufhebung der Massnahmen so wie in England, wo ja teilweise die LKW Fahrer knapp wurden. Das ist kritische Infrastruktur, wir alle verlassen uns auf Lieferketten beim täglichen Bedarf. Wir alle brauchen Strom. Wir alle ertrinken im Müll wenn er nicht abgeholt wird.
Ob man nun die gute alte Methode „Das Pflaster schnell und schmerzhaft abziehen“ nutzt oder doch eben eher langsam vorgeht, alles möglich, aber man sollte dass dann auch so kommunizieren,und zwar von der Politik und nicht durch einen zugegebenermassen deutschlandweit bekannten Virologen.

Aber diese Durchseuchung findet doch bereits das ganze Jahr 2022 statt. Im Sommer wird das weitergehen und hohe Inzidenzen im Sommer könnten uns im Herbst und Winter sogar helfen. Damit würden sich ein Teil der Winterwelle in dem Sommer verschieben.

An der Durchseuchung kommen wir ohnehin nicht vorbei. Die Impfung verhindert die Infektion nicht und der Schaden durch Corona wird die Einschränkungen bald nicht mehr rechtfertigen. Auch wenn Corona ein gefährliches Virus bleiben wird in den nächsten Jahren.

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