Die Einwände sind nicht ganz unberechtigt. Ich gebe zu, dass es sich bei den Tipps um Vereinfachungen handelt, die oft zutreffen, aber auch nicht immer.
720p vs. 1080p
Ich stimme zu. Es ist Geschmacksfrage. Nachrichten, Dokumentationen und Reportagen schaue ich in 720p. Bei Kinofilmen auf dem großen Fernseher gönne ich mir 1080p. Mein Tipp: ausprobieren und die Auflösung wählen, die den eigenen Ansprüchen genügt. Übrigens: Auch wenn der Unterschied zwischen 720p und 1080p nach wenig klingt, verschlingt 1080p tatsächlich mehr als die doppelte Datenmenge. Es ist, als würden zwei Personen das Video abrufen statt einer.
Fotoalben
Es kommt darauf an. Wer Fotos nur lokal speichert und an eine einzige Person verschickt, hat mit einem Album keine Vorteile. Viele Menschen lassen Fotos allerdings automatisch auf OneDrive, Google Drive, iCloud oder andere Cloud-Dienste hochladen, als Sicherungskopie und um den Speicher ihres Smartphones zu schonen. Dann liegen die Daten ohnehin in der Cloud. In diesem Fall – der zumindest in meinem Umfeld der Regelfall ist – kann es Daten sparen, Links zu den bereits online gespeicherten Fotos oder einem ganzen Album zu schicken. Und mit jeder zusätzlichen Empfängerin, für die im Einzelversand weitere Kopien erstellt werden müssten, rentiert sich das zentrale Album immer mehr.
Chat vs. E-Mail
Den Tipp habe ich aus einer Dokumentation über nachhaltige IT. Ich konnte sie auf die Schnelle nicht wiederfinden, reiche sie aber gerne nach, falls ich fündig werde. Woher also der Vorteil von Chats? Chats werden entweder einmalig zentral in der Cloud gespeichert (Teams, Skype, Google Meet, Slack …) oder auf jedem Gerät einzeln, aber nur lokal (Signal, Threema, WhatsApp …). Bei E-Mails hingegen wird für jeden Empfänger eine eigene Kopie erstellt, die im jeweiligen Postfach landet. Beispiel: Ein Strang mit zehn Nachrichten und einem Verteiler von zehn Personen ergibt in E-Mail-Form 100 Nachrichten, in Chat-Form nur zehn. Zudem enthalten E-Mails in der Regel Signaturen, nicht selten mit verschwenderisch großen Bildern, die mit jeder Nachricht aufs Neue verschickt werden. Richtig ist aber auch: Zwei Personen, die sich E-Mails zuschicken, die sie nicht dauerhaft in der Cloud speichern, haben im Chat keinen Vorteil. Das kommt aus meiner Erfahrung allerdings kaum vor.
JPG vs. PNG
Auch wenn der Einwand nicht aufkam, will ich der Vollständigkeit halber erwähnen, dass grafische, diagrammartige Bildinhalte gelegentlich von PNG ökonomischer erfasst werden als von JPG. Aber auch das ist eine Ausnahme. Wer nicht die Zeit hat, sich mit solchen Feinheiten zu befassen, fährt meines Erachtens mit JPG als Standard ziemlich gut.
E-Mails kürzen
Die Datenmengen mögen auf den ersten Blick klein erscheinen. Aber erstens kommen oft Signaturen mit Bildern oder Bildschirmfotos hinzu, die E-Mail-Stränge schnell auf mehrere Megabytes anwachsen lassen. Zweitens gilt auch hier: Alle Daten werden mit jeder neuen Antwort wieder und wieder als Einzelkopien und mit allen vorhergehenden Nachrichten und Bildern an alle Empfängerinnen verschickt. Die Gesamtdatenmenge mag im Unterschied zu Videos immer noch klein erscheinen. Der Unterschied ist allerdings: Das Video ist nur beim Schauen vorübergehend zu Besuch. Dauerhaft Speicherplatz belegt es nur beim Anbieter. E-Mails hingegen werden in jedem Postfach, das im Verteiler ist, als Einzelkopie gespeichert und oft bis ans Ende aller Tage aufbewahrt – ein unermesslich großer Müllberg, der täglich weiter in den Himmel wächst. Es gibt aber natürlich auch Fälle, in denen das Kürzen nicht sinnvoll ist, etwa wenn ein Thema intern abgestimmt und dann im Ganzen an Personen außerhalb des ursprünglichen Verteilers weitergeschickt werden soll.