China wird ja immer als die kommende bestimmende Weltmacht bezeichnet, als einziger Gegenpol zu den USA.
Steht China wirklich auf so stabilen Füßen?
Stößt das Wachstum Chinas an ganz banale Grenzen? Absehbarer Fachkräftemangel, sinkender Binnenmarkt?
Was eine Fokussierung auf den Export bedeutet, zeigt ja der Exportweltmeister Deutschland. Ein fragiles Standbein.
Die Chance für Europa, aus dem Schatten der Grossmächte zu wachsen?
China hat Bodenschätze und Ressourcen die Europa nicht hat und auch nie in dem Ausmaß bekommen kann. Des Weiteren ist China eine Autokratie und hat mehr Werkzeuge gesellschaftliche Entwicklungen in eine Richtung zu steuern (nicht dass ich das gut heiße, aber so ist leider die Realität).
Die Geschichte kennt auch genügend Beispiele von Systemen, siehe deutsches Kaiserreich (vor dem 1. Weltkrieg), das japanische Kaiserreich (2. Weltkrieg) oder das russische Zarenreich, die, wenn es innenpolitisch nicht so gut läuft, expansiver werden.
Geburtenrate von 0,98 und China ist letztes Jahr bereits um 3,4 Millionen geschrumpft. Auch wenn Hightechnation aus Sicht des gdp sicher „produktiver“ als „Werkbank der Welt“ ist, wird das den Manpowerverlust mittelfristig schlicht nicht ausgleichen können. Zumal ein Großteil des Wachstums bisher über Immobilien kam und man die nun fehlende Nachfrage auch nicht durch Roboter ersetzen kann.
So wie es aktuell in der Welt aussieht, reicht es für die EU vielleicht schon die eigenen Linien zu schließen und den eigenen Handel zu diversifizieren.
Kupfer? 8% der weltweiten Erz-Produktion und 4,1% der Reserven (etwas mehr als Polen).
Lithium? 3 Millionen Tonnen nachgewiesene Reserven. Weitere 3,3 Millionen Tonnen sind vermutlich vorhanden. Deutschland hat vermutlich 4 Millionen Tonnen Reserven, kleinere Vorkommen gibt es in einigen anderen EU-Ländern, deutlich größere Vorkommen in verbündeten Ländern (z.B. Kanada).
Seltene Erden? China kontrolliert knapp 50% der aktuell nachgewiesenen Reserven. In Europa sind die Vorkommen aber wenig erforscht. Und es gibt enorme Vorkommen außerhalb Chinas, etwa in Brasilien und Australien, zu denen Europa durchaus Zugang erhalten könnte.
Koltan
Was China hat sind nicht besonders viele Ressourcen, sondern sehr gute Wertschöpfungsketten. Die Regierung hat dort beispielsweise systematisch und gezielt Raffineriekapazitäten für viele der wichtigsten Metalle aufgebaut. Gepaart mit subventionierter Energie ist die Herstellung dieser Rohstoffe dort deshalb sehr günstig, weshalb der Rest der Welt genau diese Kapazitäten abgebaut hat. Aus Chinas Sicht harmoniert das gut mit den nachgeordneten Technologiesektoren, etwa der Herstellung von Elektronikgeräten und Batterien für E-Autos.
Europa ist deutlich reicher als China. Wir haben anderen Ländern viel mehr zu bieten. Wir könnten viele Dinge, die China heute für uns übernimmt wieder zurückholen und müssen uns auch sonst nicht künstlich klein reden. Zumal China enorm auf Europa als Exportmarkt angewiesen ist.
Europa könnte auch mit weiter starken Großmächten aus deren Schatten heraustreten. Dazu bräuchte es nur eine konsequente weitere Vereinigung europäischer Institutionen und Positionen.
China wird dabei immer und dauerhaft eine wichtige Rolle spielen. Mehr als 1 Milliarde Menschen mit einer inzwischen hoch entwickelten Wirtschaft werden auch bei abnehmender Geburtenrate und Schwierigkeiten beim Wirtschaftswachstum immer Einfluss haben. Genauso wie die USA, deren Ressourcenreichtum, Bevölkerung, und Wirtschaftskraft man nicht einfach ignorieren kann. Europa muss lernen, innerhalb einer komplexen globalen Lage als geeinter Kontinent aufzutreten und die eigenen Interessen robust zu Vertreten. Eine besondere Chance bietet sich, weil die EU als ein von wenigen globalen Akteuren noch Anspruch auf demokratische und rechtsstaatliche Institutionen und Gesellschaften erheben kann. Für andere Demokratien (wie z.B. Brasilien, Japan, eine Reihe südamerikanischer und afrikanischer Staaten) sind wir als Partner attraktiv.
Dazu wären eine Expert:innenmeinung hilfreich, das Thema wird oft sehr oberflächlich bearbeitet. Ich würde dazu den Politikwissenschaftler Dr. Björn Alexander Düben vorschlagen, der jahrelang vor Ort gearbeitet hat und mit der IB Perspektive und Russlandkenntnissen die chinesische Situation in den internationalen Kontext einordnen kann.