Jaja, und die Bibel ist voller Vorwürfe, dass die Juden Jesus getötet haben (und dafür bestraft gehören - und was ist wohl die angemessene Strafe für den Mord am Sohn Gottes?!?).
Ich werde hier auch nicht den Koran verteidigen. Jeder halbwegs aufgeklärte Mensch - und das gilt auch für Muslime - lehnt die Auffassung, dass der Koran das unverfälschte Wort Allahs sei, ab, denn diese Auffassung ist mit jeder Modernisierung unvereinbar. Da können die Großayatollahs und Großimame noch so oft das Gegenteil behaupten. Wie viel Quatsch erzählt der Papst jedes Jahr, dem 90% der Christen (und selbst die meisten Katholiken) nicht folgt? Das Problem ist nie eine spezifische Religion, sondern immer, dass Religion zu viel weltliche Macht hat. Der Grund, warum der Westen hier „weiter“ ist als der Islam, ist nicht, weil das Christentum eine „bessere“ Religion sei, sondern, dass die Aufklärung zum Glück dem Klerus das Zepter aus der Hand geschlagen hat.
Und ja, überall, wo Religion noch so mächtig ist, dass Menschen ihr ganzes Leben nach einer Religion ausrichten, gibt es Probleme. Sei es die LGBTQI-Phobie bei konservativen Christen (in den USA, Polen, Ungarn, Russland), seien es religiös begründete Gebietsansprüche von israelischen Siedlern, sei es der Hindu-Nationalismus oder eben der islamische Fundamentalismus - und desto mehr Macht die Religion hat, desto mehr Probleme gibt es auch. Deshalb sind Gottesstaaten wie der Iran auch so problematisch.
Auf den Gaza-Streifen bezogen muss die Frage daher in der Tat sein, wie man die Menschen dazu bekommt, ihr Leben nicht völlig der Religion unterzuordnen, wie man die Menschen dazu bekommt, religiöse Herrscher zu hinterfragen. Und da sind wie wieder bei den Lebensumständen, insbesondere aber auch bei Bildung. Menschen, die nichts haben, werden sich stets an Religion klammern, denn die kann ihnen niemand nehmen.
Und natürlich sollten wir das in Deutschland nicht akzeptieren. Selbstverständlich gilt in Deutschland, dass das Grundgesetz und zumindest unsere gesamte Strafrechtsordnung über etwaigen religiösen Gesetzen und Vorschriften stehen. Wer das mit seinem Glauben nicht vereinbaren kann ist hier natürlich falsch und das können und sollen wir natürlich auch klar so kommunizieren. Aber auch hier: Das gilt nicht nur für den Islam, sondern für alle Religionen, fanatische Christen will ich hier genau so wenig haben.
Das alles hat aber nichts mit einer etwaigen Strafbarkeit der Leugnung des Existenzrechts Israels zu tun, um die es hier eigentlich gehen sollte. Das Existenzrecht Israels wird teilweise auch von nicht-religiösen Menschen aus nicht-religiösen Gründen bestritten. Und die Nazis waren auch nicht gerade bekannt dafür, besonders religiös zu sein. Beide Themen haben Überschneidungen, mehr nicht.