Ich glaube beim Thema Noten prallen hier einfach wirtschaftliche Erwägungen (Effizienz, Vergleichbarkeit, Standardisierung,…) auf pädagogische Ziele (Individualität, Förderung, Chancengleichheit).
Passen selten unter einen Hut.

Bitte lies erstmal (in Ruhe) die zugrundeliegenden Beiträge in dem Thema. Ich habe niemandem von vorneherein die Qualifikation abgesprochen, sondern spreche Personalern und Führungskräften dann die Qualifikation ab, wenn diese sich bei Bewerbern ausschließlich auf die Noten fixieren. Das war meine Antwort auf den Beitrag von

Und wenn Du es dann in Ruhe gelesen hast und richtig einordnest, bitte ich Dich Deinen unzutreffenden, sarkastischen Kommentar

zu löschen.

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Hier Beispiele für Schule der Zukunft.
Die beiden Schulmodelle sind erfolgreich und kindgerecht.
[Die Alemannenschule - eine gelebte Utopie Alemannenschule - Wie Schule in Zukunft aussehen kann - ZDFheute](Die Alemannenschule - eine gelebte Utopie Alemannenschule - Wie Schule in Zukunft aussehen kann - ZDFheute)

Das wäre in jedem Fall ein Schulkonzept, auf das ich auch meine Kinder schicken würde, wenn ich welche hätte :wink:

Problem an der Sache ist ein wenig, dass genau das die Statistik verzerrt, wenn der Artikel darauf verweist, dass die dortigen Schüler im Schnitt ein besseres Abi als der Durchschnitt ablegen: Denn die Kinder dieser Schule dürften überwiegend aus Familien kommen, die man dem Bildungsbürgertum zuordnen würde - würde ich tippen. Die Schüler dürften - ähnlich wie bei Waldorf- oder Montessori-Schulen - wohl nur aus Familien kommen, die sich explizit für diese Schulform entscheiden - und das alleine bedeutet schon eine stark eingeschränkte Aussagekraft der Stichproben.

Das heißt nicht, dass ich nicht glauben würde, dass dieses Schulsystem funktioniert - ich bin lediglich skeptisch, ob es als „System für alle“ funktionieren würde und fürchte, dass ein derartig freies System bei Schülern aus Familien, die ihre Kinder weniger unterstützen können und weniger zur bildungstechnischen Selbständigkeit erzogen haben, auch funktionieren würde.

Und das führt dann wieder zur Frage, ob diese Art von Schule die ohnehin bestehende Ungleichheit im Bildungssystem sogar noch verschärft, weil durch die verstärkte Einführung solcher Schulmodelle eine größere Segregation erzeugt wird, daher die Kinder aus dem Bildungsbürgertum noch stärker vom Rest getrennt werden.

Ich hoffe wirklich, dass die Zukunft der Schule in diese Richtung geht, welche die Alemannenschule einschlägt. Aber die Zusammenhänge sind eben komplex und ich fürchte, um von der Freiheit dieser Schulform zu profitieren, müssen die Kinder schon eine gewisse Prägung aus dem Elternhaus mitbringen. Das Problem im Bildungssystem sind aber vor allem die Kinder aus bildungsfernen Familien, bei denen diese Prägung leider i.d.R. nicht erwartet werden kann.

Soweit ich mich erinnere, wurde mindestens bei der ersten (Grund?)Schule gesagt, dass es viele Migrantenkinder und auch min. ein Kind mit Handicap in jeder Klasse gibt.
Bei der letzten vorgestellten Schule handelt es sich um eine Gemeinschafts- also Gesamtschule. Meiner Erfahrung nach schicken Bildungsbürger:innen ihre Kinder lieber auf ein Gymnasium. Auf der Alemannenschule dürften deshalb eher wenige privilegierte Kinder sein. Der Direktor erwähnte ja bereits zu Beginn, dass vor den Neuerungen in der 8. Klasse der Teufel los war, wenn der Lehrer kurz die Klasse verließ. Deutet auch eher auf eine bunte Mischung hin.
Waldorf und Montessori sind Privatschulen, oder? Die Alemannenschule nicht.

Die Schule lebt nicht nur von einem neuen Lernmodell, sondern auch von adäquaten, schönen Lernräumen, die Lernmotivation fördern und Lernen positiv umrahmen. Die Schüler:innen kommen gern.

Dann hoffen wir mal, dass sich das System durchsetzt. Ich würde mich wie gesagt darüber freuen.

Ich bin nur immer etwas skeptisch, wenn Dinge zu gut klingen, um Wahr zu sein :wink:

Das war bei uns in der 8. Klasse am Gymnasium mit künstlerisch-kulturellem Schwerpunkt, aber auch nicht anders. Es sind Teenager im pubertären Alter. Da erwarte ich nichts anderes als Chaos.

Und Gesamtschulen sind mittlerweile auch nicht mehr so verpönt bei Bildungsbürgern (mein Eindruck). Da hängt es eher daran welche Freunde des Kindes aufs Gymnasium oder an die Gesamtschule gehen. Man verliert ja nichts denn auch an der Gesamtschule wird die Sekundarstufe 2 unterrichtet.

Vor allem bei Schulen mit tollem avangardistischen Konzept findet im Zweifel außerdem eine soziale „Bereinigung“ statt, so dass man nach einiger Zeit wieder ein bildungsbürgerliches Klientel auf der ehemaligen Problemschule hat. Das macht es dem Schulleiter dann auch wieder leichter sein Konzept als Erfolg zu framen.

Visionen braucht das Land. Nicht immer so skeptisch bitte. So erreicht man nichts.
Der Direktor der Alemannenschule hatte gegen sehr viel Ärger und Gegenwind vor allem aus der Hierarchie zu kämpfen. Er hat es trotzdem geschafft und etwas erreicht.

Ich bin nicht skeptisch. Ich finde das Konzept gut und würde es sofort nutzen.

Ich halte die Vermutung von @Daniel_K nur für stichhaltig, dass dort eher kein Querschnitt der Gesellschaft beschult wird, sondern eine soziale Segregation einsetzt.

Deswegen muss das Konzept ja nicht falsch sein.

War vor allem eine Reaktion auf

Mag sein, dass diese Gemeinschaftsschule jetzt auch privilegierte Familien anzieht, nachdem die guten Ergebnisse bewiesen sind, aber bis dahin haben diese sicher das Gymnasium bevorzugt. So zumindest meine anekdotische Erfahrung in Familie und Bekanntenkreis. Wer das Abitur anstrebt, wählte bisher meistens das Gymnasium und der Kampf um die Gymnasialempfehlung in der 4. Klasse ist ausgeprägt.
Ich höre oft das Argument, das Fähigkeiten besser auf dem Gymnasium unter ebenso „Intelligenten“ gefördert würden als auf einer Gesamtschule, wo alle zusammenlernen. Ich meine, dieses Argument auch schon hier in einem anderen Thread gelesen zu haben. Die Gymnasiallobby ist stark.
Ich halte dagegen: Das muss nicht so sein und benachteiligt Kinder aus bildungsfernen Schichten wie ich selbst eins war. Die Alemannenschule beweist: Gemeinsam lernen funktioniert. Alle Kinder nach ihren Talenten und Möglichkeiten zu fördern und zu unterstützen funktioniert. Viel Selbstständigkeit und Vertrauen in die Kinder funktioniert. Man muss es nur wollen. Nur fehlt oft der Mut.

Denke da krankt es grad oft. Zwar sauber vorbereiten, aber einfach mal machen.
Wir streben zu sehr nach Perfektion im Vorfeld, statt durch praktische Erfahrungen dazulernen.

Genau. Erst einen perfekten Plan zeichnen, verzögert alles viel zu sehr. Lieber anfangen, machen, pragmatisch und mutig, reflektieren und notfalls Fehler korrigieren. Es geht fast nie um Leben und Tod. Aber auch dann: Wenn Ärzte immer so lang zögern würden, würden Notfälle versterben, bis endlich eine Entscheidung getroffen wäre.

Dazu gehört dann aber auch eine entsprechende Fehlerkultur im Land. Wenn Journalisten (und da meine ich weit mehr als nur die BILD-Reporter. Das gibt es auch bei TAZ und Spiegel, sowie regionalen Medien) sich dann immer gleich auf den erstbesten Fehler stürzen und aus Mücken ein elefantöses Staatsversagen konstruieren, dann kann ich jeden Staatsdiener verstehen, der sich lieber noch 10mal absichert.

Da benötigt es dringend ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft und eine Mäßigung im nachträglichen Besserwissen derer, die bei den Planungen stumm blieben.

Ja, ich wäre auch dafür, dass Entscheider:innen entscheiden und die Öffentlichkeit sich nicht gleich auf jeden Fehler stürzt. Natürlich müssten dann Politiker:innen auch bereit sein, Fehler zuzugeben und umzusteuern.
Entscheiden, positiv kommunizieren, reflektieren, Fehler zugeben und flexibel reagieren.

Nicht nur die Fehlerkultur im journalistischen Bereich, auch im juristischen. Wenn man beim Ausprobieren neuer Konzepte immer befürchten muss, dafür zivil- oder gar strafrechtlich in Haftung genommen zu werden, wenn etwas falsch läuft, ist auch klar, dass die Entscheidungsträger als drölf Experten Gutachten anfertigen lassen, bevor sie eine mutige Entscheidung treffen.

Insofern gebe ich euch Recht, dass eines der größten Probleme Deutschlands generell ist, dass wir zu risikoavers sind, wenn es um Kurswechsel geht. Einen alten Kurs behalten wir trotz sichtbarer Risiken bis zum bitteren Ende bei (z.B. die Abhängigkeit von russischem Gas), aber einen neuen Kurs schlagen wir nur ein, wenn alle Risiken dreifach abgesichert sind…

Liebes Lage-Team, es wäre sehr wichtig, dass ihr den Bildungsprotest damit unterstützt, das Thema vor dem 23.09.2023, für den das Aktionsbündnis zum bundesweiten Protest aufruft, in der Lage zu besprechen. Das Thema Bildung wird aus meiner Sicht in Deutschland immer zu wenig beleuchtet, weil andere Themen scheinbar wichtiger sind (Heizungsgesetz, Wachstumschancengesetz, wirtschaftliche Lage, Ukraine…). Dennoch ist das Thema Bildung für die Zukunft von Deutschland extrem wichtig und sollte mehr auf die Agenda (Fachkräftemangel, Zukunftsfähigkeit von Deutschland, zu viele Jugendliche ohne Schulabschluss, Kita-Öffnungszeiten und die Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Eltern erwerbstätig zu sein, etc.). Würde mich sehr freuen, wenn ihr das Thema in euer Pad schreibt!

Laut Innenminister der Länder sind aktuell 14.500 Vollzeitstellen in Deutschland unbesetzt. Keine Lehrer, keine Lehre.

Danke für die wichtige Erinnerung!

Liebes Lage-Team, im Zusammenhang mit den Wahlergebnissen in Bayern. Auch bei der Jugendwahl in Bayern ist die AFD die zweitstärkste Kraft geworden - das direkte Abbild der Erwachsenenwahl. Das besorgt mich zutiefst und ich frage mich:

  • Gab es die Möglichkeit, die Wahl in Bayerns Schulen zu besprechen und zu kritisch begleiten?
  • Haben die Lehrkräfte die Möglichkeit die Wahl im Nachgang nochmal zu besprochen und gemeinsam mit den Jugendlichen zu reflektieren?
  • Oder steht dem die Stofffülle und das Erfüllen des Lehrplans als oberste Pflicht entgegen?

https://wahlen.u18.org/wahlergebnisse/landtagswahl-bayern-2023

Auch hier ist es Zeit für die Bildungswende: gebt den Schulen den Freiraum, um medienkritische und selbstreflektierte Demokratieerziehung zu ermöglichen!

Viele wählen letztendlich doch so wie ihre Eltern, wie sie es halt von zu Hause mitbekommen.
Da Kinder und Jugendliche nicht wählen dürfen ist das Interesse der Parteien gering, sie direkt anzusprechen oder gar Parteiprogramme kindgerecht aufzubereiten.
Wenn Bundesländer verglichen werden, in denen 16jährige regional wählen dürfen und nicht wählen dürfen, sind erstere im Schnitt politisch wesentlich informierter. Die Stimmen der Erstwähler hingegen gehen erstaunlich oft an Kleinstparteien.
Eine Nachbereitung halte ich für schwierig. Lehrer sollten sich ja politisch neutral verhalten.