Es geht nicht um Relativierung. Wie auch gesagt, die Menschenrechtsverletzungen muss man klar benennen und kritisieren, weswegen ich auch absolut nicht dafür bin, eine WM in Katar abzuhalten.
Es ist aber schon komisch, wenn wir munter Handel mit Katar und China treiben, persönlich auch Produkte kaufen, die da hergestellt wurden und dort Urlaub machen, gleichzeitig aber fordern, dass andere Menschen (SportlerInnen) dort ihren Beruf nicht ausüben dürfen sollen, obwohl die in den meisten Fällen überhaupt nicht scharf darauf sind, für ihren Beruf dahingeschickt zu werden. Das scheint mir inkonsequent.
Da Katar kein Einzelfall ist, finde ich es auch nicht so treffend, die Millionengehälter hervorzuheben. Natürlich stimmt das bei Fußballnationalspielern, aber diese Diskussion lässt sich ja 1:1 auf Peking übertragen und da sind die meisten Athleten auf einmal sehr abhängig von der Publicity, die bei diesem Ereignis generiert wird.
Und ich finde es auch schwierig, wenn wir selbst Menschenrechtsverletzungen begehen bzw. zulassen und gleichzeitig fordern, dass man andere Länder boykottieren müsse, weil dort Menschenrechtsverletzungen geschehen. Wiederum, geht es mir hier nicht um Relativierung, es gibt da offensichtlich ein gravierendes Gefälle, nur sollte man in meinen Augen klare Kriterien haben, was akzeptabel ist und was nicht.
So wie es im Moment ist, scheint es mir jedoch relativ willkürlich, dass der Aufschrei bei Katar dieses Ausmaß angenommen hat. Gleichzeitig berichten alle Medien lang und breit über unsere tollen oder nicht so tollen Medaillenergebnisse bei den olympischen Spielen von Peking. Kritik wird schon auch mal geäußert, aber Boykottforderungen waren da in meiner Wahrnehmung vergleichsweise deutlich weniger. Wenn es uns wirklich Ernst wäre mit unserer Kritik, müssten wir dann nicht zum Beispiel auch die Sportberichterstattung über dieses Ereignis einstellen? Da hätten wir gesellschaftlich zumindest im ÖR sogar Einfluss drauf gehabt…
Was heißt denn wollen? Ich will es nicht. Fakt ist aber auch, bis vor ein paar Jahren hat es uns nicht die Bohne interessiert. Wie gesagt, wenn wir das als Gesellschaft nicht mehr wollen, dann sollten wir Kriterien entwickeln, unter welchen Bedingungen Athleten unter unserer Flagge irgendwo auflaufen.
Du fragst oben, ob wir es der FIFA durchgehen lassen sollen, stellst hier aber selbst fest, dass wir da keine direkte Handhabe haben.
Was den DFB angeht, der ist gemeinnützig, also zumindest hat er den Status.
Und nein, ich bin natürlich nicht der Meinung, dass dem DFB die Gemeinnützigkeit zu entziehen, das einzige ist, was wir tun sollten. Es war ein Beispiel für die Stoßrichtung, in die ich versuchen würde zu agieren: Mehr Druck auf die beteiligten Verbände ausüben und weniger auf die einzelnen Athleten.