Hallo zusammen,
vielen Dank für den Impuls in LdN481, die wirtschaftliche Schwäche Deutschlands auf die schwache Binnennachfrage zurückzuführen. Ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion in der Tat viel zu kurz kommt.
Dazu eine Anmerkung, dieser Zusammenhang müsste meiner Ansicht nach in jeder wirtschaftspolitischen Diskussion der Startpunkt für alle weiteren Argumente sein:
Realistischerweise MÜSSEN wir Schulden machen.
Zugrundliegende Logik: Es können in einem Jahr nicht alle mehr einnehmen, als sie ausgeben. Es können also nicht alle gleichzeitig sparen, es muss jemand in gleicher Höhe Schulden machen. Wenn jemand mehr Einnahmen aus der Volkswirtschaft bezieht, als durch Ausgaben in die Volkswirtschaft zurückfließen (Sparen), gibt es notwendigerweise in dieser Volkswirtschaft jemanden, der die umgekehrte Rolle einnimmt: Mehr Geld ausgeben, als einnehmen (Verschuldung). Jedem gesparten Euro steht exakt ein Euro an Schulden gegenüber.
Empirisch, siehe Link unten:
Wir (das heißt die Privatwirtschaft, bestehend aus Haushalten und Unternehmen), sparen im Jahr etwa 350 Mrd. Euro. Wir nehmen jedes Jahr mehr ein, als wir ausgeben.
Im Umkehrschluss MUSS es jemanden in der Volkswirtschaft geben, der mehr ausgibt, als er einnimmt. Und zwar genau 350 Mrd. Euro jährlich. Das Ausland verschuldet sich bisher (Stand 2024) mit über 200 Mrd. Euro bei uns (entspricht Außenhandelsüberschuss). Das Defizit des Staates beläuft sich auf weitere über 100 Mrd Euro.
Wenn nun die Nachfrage aus dem Ausland, der Außenhandelsüberschuss und damit die Verschuldung des Auslands sinkt (vorläufige Daten 2025 zeigen das deutlich), muss diese Nachfragelücke gefüllt werden.
Davon ausgehend, dass wir unsere Binnennachfrage so weit stabilisieren möchten, um nicht mehr aufs Ausland angewiesen zu sein, bleiben dann nur zwei Möglichkeiten, um 350 Mrd Euro Sparbetrag des Privatsektors zu finanzieren:
- Wir reduzieren die Sparneigung des Privatsektors (zb durch Vermögenssteuern). Im allerbesten, politisch total unrealistischen Fall, kommen hier 100 Mrd Euro jährlich zusammen.
- Der Staat verschuldet sich in der Größenordnung um 350 Mrd. Euro jährlich. Dauerhaft.
Wenn Ulf also sagt, dass es ihm „persönlich lieber wäre“ die Stabilität der Binnennachfrage nicht mit Schulden zu finanzieren, ist das angesichts des riesigen Nachfrageausfalls, der aus dem Ausland droht, unrealistisch.
Auch das Volumen des Sondervermögens erscheint dann nicht mehr so beeindruckend, wie es zunächst klingt.
Abschließend: Länder, die in der umgekehrten Situation sind, zeigen den Zusammenhang auf. Frankreich und die USA haben ein Außenhandelsdefizit, hier übernimmt also nicht das Ausland die Rolle des Schuldners. Also MUSS sich notwendigerweise der Staat verschulden (wer sonst?). As Ergebnis ist in der Staatsschuldenquote sichtbar.